Indonesien | Bali

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Juli 2016
8 Tage, davon 4 Radtage
220 Kilometer
Reisfelder, Götter & Vulkane
5’613 : Kilometerstand am Ende dieser Reise durch Indonesien & Australien

 

Letzter Halt Bali — Wir runden unsere Reise ab
Blumen, Farben, Räucherstäbchen — zurück in Indonesien
Hinduistisches Bali — ein Kontrast zum muslimischen Sumatra
‚Bikepacking‘ light — ‚Tour de Bali‘ mit Minimalgepäck

 

Route durch Bali | Kuta (ganz unten) — Ubud — Candi Kuning (Bedugul) — Ubud — KutaRoute ins Innere Balis

Nur gerade eine Flugstunde trennt Bali in Indonesien von Darwin in Australien, einer anderen Welt. Nach vielen, langen Tagen in Australiens Sand, hatten wir uns für Bali ein ruhiges Programm zurecht gelegt. Ein radfreies. Wir wollten die, für die acht Tage später anstehende Weiter- und Heimreise zerlegten und in Kartonschachteln verpackten Räder so lassen und unseren müden Knochen etwas Erholung gönnen. Soweit der Plan. Mitten im super-touristischen Kuta, wo sich Tattoo Studios, Souvenirläden und Modeboutiquen Kilometer weit dicht an dicht drängten, quartierten wir uns in einem kleinen Hotel mit Pool — nach zwei Monaten im Zelt Luxus pur. Wir fühlten uns, als ob wir Indonesien nie verlassen hätten, plapperten auf Indonesisch, schlürften heissen, süssen Kaffee aus kleinen Plastikbechern von fliegenden Händlerinnen am Strassenrand, genossen leckeres ‚Soto Ayam‘ (würzige Suppe mit Huhn mit Reis), naschten dazu fettige ‚Gorengan‘ (in Teig frittiertem Gemüse) und freuten uns über die ungeheure Auswahl an meist wunderbar scharfen Speisen in den muslimischen Buffet-style Restaurants. Und dann kam, was kommen musste. Wir wollten das richtige Bali sehen. Wir wollten raus und wir wollten Rad fahren. So motiviert, befreiten wir am dritten Tag unsere Räder aus ihren engen Schachteln, bauten sie zusammen, packten nur das Allernötigste daran (T-Shirt, Hose, Regenjacke, Zahnbürste und Reifenflicken) und verliessen Kutas Hotel-Dschungel am nächsten Morgen im Sattel und mit einem grossen Grinsen im Gesicht.

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Schon bald lassen wir Kutas Stadtverkehr hinter uns und entdecken das Bali der kleinen Dörfer.

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Die Dörfer und Felder sind mit grossen und kleinen Tempeln und Schreinen gespickt.

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Während andere an kleinen “Tankstellen“ ihre Scooter betanken….

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…kaufen und geniessen wir bei kleinen Läden köstliche balinesischen Leckereien…

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…und verbringen die kühlen Nächte im „Komfort“ einfacher Hotelzimmer in Ubud und dem kalten, bereits auf 1’500m gelegenen, Candi Kuning.

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Bali scheint aus prachtvollen Tempeln zu bestehen…

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…und Reis. Reis. Reis. Reis.

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Die Arbeit in den Reisfeldern ist hart, auch mit Maschine.

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Reisfelder ziehen sich die Hänge hoch….

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…während wir uns keuchend die teils unglaublich steilen Strassen hinauf kämpfen.

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Auch die Götter wollen wohl gestimmt sein. Der hier etwa, Hanuman der Affenkrieger.

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Überall stehen kleine, oft liebevoll geschmückte Schreine…

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…und morgens werden kleine, blumige Opfergaben vor die Häuser gelegt. Den Göttern gefällt’s, Wind und Hunde spielen damit und manch ein Tourist stolpert wohl darüber.

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Je höher wir steigen, umso schöner wird die Aussicht. Blicke über die Hügel…

Wald

…und alte, verwachsene Wäldern laden zum verweilen ein.

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Wir nehmen uns Zeit und halten an, plaudern oder staunen…

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…entdecken am Wegrand faszinierendes.

Strauch

Während manch eine vermeintliche Zierpflanze sich im Freien tummelt…

Blumentopf

…müssen auch hier manche drinnen spielen.

Blumen

Blumen lachen uns aus…

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…strecken uns die Zungen heraus…

Gecko

…und Geckos spielen mit uns Verstecken…

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Bali zieht uns in seinen Bann.

Nach vier Tagen, die uns wie zwei Wochen vorkamen, kehrten wir glücklich und zufrieden nach Kuta. Bali hatte uns für sich gewonnen. Im ländlichen Bali schien die Kultur noch echt und lebendig. Ein letztes Mal auf dieser Reise galt es, die Räder zu verpacken, bevor wir den Heimflug über Singapur antraten.

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Doch vorher gönnen wir uns noch einen letzten, sonnigen Tag am kleinen aber feinen Pool.

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Bereits am Flughafen in Zürich befreiten wir unsere Räder aus ihren Schachteln. Den Rest des Weges durften auch sie einmal Passagiere sein. Die SBB macht’s möglich.

 

 

 

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Australien | Top End

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Juni / Juli 2016
24 Tage, davon 18 Radtage
1’353 Kilometer, 30% ungeteert
NT ‚Northern Territory‘
Rinder, Sand & Gegenwind


Zwischen Rindern und Rentnern
Erschöpfung im Outback
Off Road im ‚Judbarra / Gregory National Park‘
Hochsaison im ‚Litchfield National Park‘
1 Beinahe-Schlangenbiss 


Kilometerstand: 5’393 Reisekilometer durch Indonesien & Australien

 

Route | Kununurra — Timber Creek (km 227) — ‚Judbarra/ Gregory National Park‘: Bulita Campsite — Humbert Track — Humbert Top Yard — Humbert Track — Ende NP — Yaralin Community — Top Springs (km 520) — Katherine (km 810) — Lelyin (Edith Falls) — Robin Falls — Batchelor (via ‚Old Coach Road‘) — Litchfield NP: Florence Falls — Wangi Falls — Ende Park, ‚Litchfield Park Road‘ — Cox Peninsula Road, Berry Springs Turn Off — Wagait Beach — Fähre Mandorah – Cullen Bay, Darwin (km 1’353)

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Route Kununurra – Darwin

Kununurra, schön am Fluss gelegen, von Obst und Gemüsefarmen umgeben und täglich von Touristenhorden geflutet, hatte für uns einen Hauch von Trostlosigkeit an sich. Nach dem täglichen ‚Beutezügen‘ durch den einzigen Supermarkt, nahmen wir unsere Plätze in der ‚Campers Kitchen‘ des Campingplatzes ein, wo wir die Tage mit Schlemmen und der Planung der Weiterreise verbrachten. Wir wollten erst 300 km auf der ‚Duncan Road North‘ nach Süden, dann etwa 400 km auf dem ‚Buntine Highway‘ nach Osten und schliesslich grob 300 km durch den ‚Gregory NP‘ nach Norden fahren — alles ungeteert und abgelegen. Die Distanzen würden gross, 700 km zum nächsten ‚Roadhouse‘ in Kalkarinji, und ein Grossteil der Flüsse ausgetrocknet sein. Auch endlose Telefonate mit ‚Ranger ‚, Strassenbauämtern, Touristeninformationen im Umkreis von 500 km brachten uns nicht weiter. Niemand konnte uns sagen, welche Flüsse noch Wasser führten oder ob sich in für uns machbaren Abständen (konservativ geschätzt 250 km) Wasser finden lassen würde. Alle aber waren sich einig, dass wir ‚mad‘ waren und flehten uns teils an, unsere Vorhaben nochmals zu überdenken. Schliesslich gaben wir unser Vorhaben auf — ein Risiko wollten wir nicht eingehen — und strampelten die 227 relativ ereignislosen Kilometer auf dem ‚Victoria Highway‘ nach Timber Creek in zwei Tagen ab.

 

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Are you prepared? …Treibstoff? Essen? Sicherheitsausrüstung?

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Yes, we ARE prepared! Mit Ration für 12 Tage — links etwa Frühstück mit bereits portioniertem Müesli. Damit wäre auch der Treibstoff abgedeckt. Als Sicherheitsausrüstung müssen Helme und ein paar Pflaster genügen.

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Bloss, was tun gegen diese hier — und vor allem gegen deren grosse, hungrige Brüder?

Entlang der weniger befahrenen Highways suchten und fanden wir in gewohnter Manier täglich einen verborgenen Nachtlagerplatz, gut geschützt durch Gestrüpp, Termitenhügel und die Farbe unseres Zeltes. Auf den Hauptverkehrsachsen aber boten sich in regelmässigen Abständen ‚Rest Areas‘ zum Campieren an und ersparten uns die Zeltplatzsuche. Diese, meist mit einigen Tischen und Bänken — für uns Bodensitzer mittlerweile Luxus! — einem Plumpsklo und teils sogar einem Wassertank ausgestatteten Rastplätze, füllten sich jeweils im Laufe des Nachmittags mit Wohnwagen der ‚Grey Nomads‘ und verwandelten sich über Nacht in wahre Campingplätze. Natürlich kamen wir regelmässig ins Gespräch. Der Einstieg erfolgte meist etwa so: ‚These bikes have bloody fat tyres! (Diese Räder haben verdammt dicke Reifen)‘, so: ‚Where have you ridden from? (Wo seid ihr losgefahren?)‘ oder gar so: ‚Are you the mad cyclists? (seid ihr die verrückten Radfahrer?)‘. Darauf folgte, relativ unabhängig von unseren Antworten etwa ‚Good on you! (Gut gemacht)‘ oder ‚We’ve come a long way too, but not on a pushbike (Wir sind auch weit gefahren, aber nicht mit dem Rad!)‘ Dann Gelächter und die einheitliche Abschlussfeststellung: ‚You’re mad! (Ihr seid verrückt!)‘. In den meisten Fällen war der Wissensdurst daraufhin gestillt und die Herren schlenderten nach einem ’see you‘ davon — dem Hündchen hinterher, zurück zu Gattin und Wohnwagen oder weiter zum nächsten Gefährt, Bier oder Grill. Um spätestens sieben Uhr kehrte dann Ruhe ein, die Klappstühle wurden eingeklappt und die Wohnwagenvorhänge gezogen. Nur der eine oder andere verwegene Fernseher flackerte noch eine Weile, bevor sich auch die letzten Nomaden dem Schlaf ergaben.

 

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Dieser Lagerplatz ist ganz nach unserem Geschmack. Die Idylle wird aber nach Einbruch der Dunkelheit von unerwünschten Besuchern gestört. Wir sitzen brav im Dunkeln und werden nicht entdeckt.

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Ganze Landstriche werden präventiv abgebrannt. Wir sitzen in der Kohle. Hier überrascht uns nachts kein Feuer.

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Und hin und wieder geraten wir in die Flammen der magischen Art: Sonnenuntergang am Victoria River bei Timber Creek.

Im ‚Community Store‘ in Timber Creek ergatterten wir 10 Orangen — deren einer Verzehr ein tägliches Highlight in der kommenden Woche wurde — und luden 30 Liter Wasser. Zehn Kilometer später bogen wir vom Highway in den ‚Judbarra / Gregory National Park‘ ab. Wie Kinder im Sandkasten freuten wir uns, als unter unseren Reifen der Asphalt in eine Sandpiste überging. Der Nationalpark — trocken, staubig und einsam — erstreckte sich über die Ländereien einer ehemaligen ‚Station‘ (Farm) und die ‚Tracks‘ folgten, wie die meisten Highways in Australien, traditionellen und teils tausende Kilometer langen Überland-Viehrouten. Sie waren von rauher Natur, mit Felsbrocken gespickt, teils überwachsen und schienen nach jeder Kurve einen Bach oder Fluss zu durchqueren. Dass die meisten davon bereits ausgetrocknet waren, kam uns ganz gelegen. Unsere Motivation, die Bekanntschaft von Salzwasser-Krokodilen zu machen — die bösen, grossen mit den scharfen Zähnen — hielt sich in Grenzen.

 

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Die Wege im ‚Judbarra / Gregory NP‘ sind oft holprig, mit grossen und kleinen Felsbrocken gespickt….

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…und führen über Stock, Stein und durch (meist trockene) Flüsse.

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Dank einem geschätzten Verkehrsaufkommen von  1-2 Geländewagen pro Tag sind die Spuren teils überwachsen und kaum erkennbar — mit allem, was sich darauf tummelt.

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Entsprechend freuen sich die Fliegen über eine Mitfahrgelegenheit.

Nach drei Tagen Fahrt nach Süden folgten wir, nun ausserhalb des Parks, einer weiteren ehemaligen Viehroute, dem ‚Buchanan Highway‘, nach Osten — wir mussten ja nach Norden. Dies war Rinder-Land mit ‚Stations‘ von immensen Ausmassen. Von den meisten bekamen wir bloss endlose Zäune oder, in der Ferne schwebende, viehtreibenden Helikopter zu Gesicht. Hatten uns auf der ‚Gibb River Road‘ vor allem schwarze Stiere am Wegrand zugeblinzelt, so ergriffen nun plötzlich Herden dürrer, klappriger, weisser Rinder vor uns die Flucht. Diese indischen ‚Brahmin‘ Rinder gelten als ‚drought resistent‘ — Dürre resistent, ha! — und sind der Exportschlager. Sie werden zu Millionen nach Indonesien exportiert. Vorausblickend haben wir versucht, einigen ein paar Brocken ‚Bahasa Indonesia‘ zu vermitteln, stiessen aber auf wenig Verständnis.

 

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Der anschliessende ‚Buchanan Highway‘ ist teils sandig und über lange Strecken auch holperig — aber immer ist er staubig.

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Er erfüllt die Erwartungen an einen Highway weniger. Für viele Rinder ist er wohl der ‚Highway to Indonesia‘.

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Kängurus müssen sich darüber keine Sorgen machen, haben aber von sicherem Verhalten im Strassenverkehr wenig Ahnung und geraten regelmässig unter die Räder. Der Abdruck verrät, dass Kängurus ‚Schwanzläufer‘ sind.

Unvermindert blies uns täglich der Wind ins Gesicht. Die Tage waren heiss, die holprige Piste machte plötzlich immer weniger Spass und die Kilometer wollten immer härter erkämpft werden. Die Monate im Sattel ohne längere Pausen schienen sich nun bemerkbar zu machen und wir waren erschöpft, von morgens bis abends. Mitten in der Pampa, mit abgezählten Tagen an Nahrung, ein denkbar unglücklicher Zeitpunkt. Dem Wind war das egal und die Rinder zeigten sich unbeeindruckt. Als wir nach 300 km Tracks und Schotterpisten erschöpft und ausgelaugt, an einer Kreuzung mitten im Nirgendwo, das Roadhouse von ‚Top Springs‘ erreichten, schien uns dies wie ein kleiner grüner Himmel auf Erden.

 

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Müder Strampler — mit Spass trotz Erschöpfung.

Nach einem Tag Erholung auf dem bizarr grünen Rasen des angeschlossenen Zeltplatz, waren wir wieder bei Kräften. Kräftig genug jedenfalls, um uns auf die Jagd nach Katherine zu machen. Doch von Katherine trennten uns noch 291 nun durchwegs asphaltierte Kilometer — oder zweieinhalb Tage im Sattel. Von eiskaltem Coca Cola und frischem Obst träumend rasten wir nun auf dem, über weite Strecken einspurigen, ‚Buntine Highway‘ nordwärts. Und sogar der Wind, der uns wochenlang hämisch aus Südosten ins Gesicht gepustet hatte, war nun, wenn auch nicht immer, auf unserer Seite, so doch meist nicht gegen uns. Trotzdem erreichten wir Katherine, bekamen das lange herbeigesehnte eiskalte Coca Cola und hatten in Eli und Nici aus der Schweiz, die mit ihrem Toyota ‚Landcruiser‘ durch Australien reisten und auf den Grey Nomads-lastigen Caravanparks eine eher seltene Ausnahme waren, gute Gesellschaft.

 

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‚Buntine Highway‘ —  einspurige, endlose Geraden. Benannt nach dem Erfinder des zwei- und dreiteiligen Roadtrains und des doppelstöckigen Anhänger für selbige.

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Die endlosen Zäune entlang der Highways halten Rinder drinnen und uns draussen. Termiten lassen sich durch sie nicht beirren.

‚You will be eaten! (Ihr werdet gefressen)‘ Mit diesen Worten riet uns der Rangers des ‚Litchfield National Parks‘ davon ab, auf dem ‚Reynolds River Track‘ in den Park zu fahren. Der 4×4 Track, zu dieser Zeit selbst für Fahrzeuge noch geschlossen, querte stellenweise (noch) zu tiefes Wasser — gerade in Kombination mit fiesen Salzwasserkrokodilen ganz schlecht für Radfahrer. Wir folgten seinem Rat, wenn auch etwas widerwillig. So gingen wir unsere letzte Etappe in Australien gemütlicher an und liessen uns, für gerade mal 500 km von Katherine nach Darwin, 10 Tage Zeit. Wiederum kamen wir um Tage auf dem Highway, diesmal dem ‚Stuart Highway‘ mit Roadtrains voller Rinder und Wohnwagen voller Rentner, nicht völlig herum. Einmal auf ruhigeren Nebenstrassen genossen wir aber nochmals die vielfältige Natur, fanden abwechslungsreiche Campspots, lutschten an den dichter angesiedelten Roadhouses Glace und plantschten im schönen aber sehr touristischen ‚Litchfield National Park‘ im einen oder anderen Wasserloch. Dazwischen beantworteten wir weiterhin in regelmässigen Abständen Fragen.

 

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‚Dirt Roads’— gesucht und gefunden — eine, zwischen Katherine und Darwin leider rare aber sehr wilkommene Abwechslung zu den tosenden Schnellstrassen…

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…führen uns an kleinen ‚Creeks‘ mit allen möglichen komischen Namen vorbei. Obwohl dies ein Krokodil-Spielplatz, sehen wir keins.

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Wir nehmen uns Zeit für Exkursionen an seichte Gewässer…

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…verbringen einen Tag an einem ruhigen Plätzchen oberhalb der überlaufenen ‚Edith Falls‘ — wer hat hier übrigens die Namen gegeben? ‚Edith Falls’…

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…’Florence Falls‘ im Litchfield NP. Das Bild zeigt allerdings nur ein Bächlein daneben.

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Robin Falls! …muss ein Genie gewesen sein. Wir bleiben eine Nacht, sehen aber keine Fälle. Trotzdem schön.

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Aber Wasserfälle sind nicht alles, wir kurven zwischen burgenartigen Termitenbauten herum…

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…sind fasziniert von der Baukunst dieser kleinen Armeen…

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…und begeistern uns für Urzeitpflanzen. Dem Knipsen dieses Bildes folgte ein jäher, markanter Schrei, als unverhofft eine dicke, braune Schlange auf Robin zu…(Schreckssekunde, Schrei)…und nur knapp an seinem Fuss vorbei schoss. Ach, diese Touristen.

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Dann doch lieber Wasserfälle!

Schliesslich standen wir nach insgesamt 5’393 Reisekilometern überraschend plötzlich am verlassenen Strand von Wagait Beach, gegenüber von Darwin. Blieb uns nur noch, die Fähre von Mandorah hinüber nach Darwin zu nehmen (10 min) und dort Vorbereitungen für den anstehenden Flug nach Bali — wir folgen den Rindern — und von dort nach Hause zu treffen.
Have a good one, Australia!

 

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Wagait Beach: Siegerpose mit allen Beteiligten.

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…und manche spielen schon im Sand. Unser Material haben wir auf eine harte Probe gestellt. Mehr dazu in einem der nächsten ‚posts‘. Wir gehen erst mal nach Bali…

 

 

Australien | Munda Biddi

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Mai 2016
20 Tage, davon 18 Tage im Sattel
920 km, 95% off road
Australiens ‚Munda Biddi Trail‘

Weshalb es uns nach Australien verschlug
Sand, Schotter, Singeltrack
Nasse Wochen, kühle Tage, kalte Nächte
Küsten, Wälder, Hütten-Camping

 

Route | Jakarta — Flug via Bali — Perth (AUS) — Bus nach Albany— Start ‚Munda Biddi Trail‘: — Albany — Denmark — Walpole — Northcliffe — Pemberton — Manjimup — Nannup — Collie — Dwellingup — Dandalup Damm (für uns das Ende des ‚Munda Biddi Trail‘) — Mandurah — Zug nach Perth

 

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Die Route des vollständigen ‚Munda Biddi Trail‘ auf Google Maps‘. Wir fuhren von Süden nach Norden und verliessen ihn nordwestlich von Mandurah.

Das bevorstehende Java, mit einer sensationellen Bevölkerungs- und Verkehrsdichte, versprach verkehrsreiche Tage im Sattel und die Aussicht auf abgelegenen Pfade oder gar aufregend-holprige Routen schien klein. Der Beginn des Fastenmonats Ramadan im Juni stimmte uns auch nicht eben optimistisch. Dessen Konsequenzen im Alltag, geschlossene Restaurants und nur heimliches Essen und Trinken tagsüber, hatten wir bereits 2012 bei unserem ersten Aufenthalt in Sumatra erleben dürfen. Besonders für immer-hungrige Radfahrer keine verlockenden Aussichten.

Auch das Ablaufdatum unseres Indonesischen Visums rückte näher. Ein- und Ausreisetag mit eingerechnet hatte man uns 60 Tage zugestanden und diese neigten sich langsam aber sicher dem Ende zu. Es war an der Zeit unsere Möglichkeiten abzuwägen. Visum-Verlängerungen sind aufwändig, theoretisch machbar aber nicht ganz unproblematisch. Als Alternative dazu kam einzig ein ‚Visa Run‘, die Aus- und wieder Einreise nach Singapur oder Malaysia, per Flugzeug oder Fähre, in Frage.

Wenn schon fliegen, dann gleich richtig! …sagten wir uns und so kam es, dass wir am 1. Mai 2016 unsere Räder vor dem Flughafen von Perth, Australien, zusammenschraubten und anschliessend auf Radwegen in die Stadt rollten. Unser Gastgeber für die ersten Tage, Tom, Freund und Weggefährte durch Teile Patagoniens ein Jahr zuvor, empfing uns mit offenen Armen. Bei ihm und seinen drei aufgestellten Mitbewohnern betrieben wir erst ein paar Tage feinstes Terassen-Camping und überwanden so den Kulturschock einer Rückkehr zurück in den Überfluss einer westlichen Konsumgesellschaft leichter.

 

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Tom empfing uns mit offenen Armen in Perth. Zweimal.

Dann war es an der Zeit, dass unsere Räder Busfahren lernten. Ein weiteres Novum und für unsere eigenen Reisen bisher ein ‚No Go‘. Aber wie wir in Indonesien gelernt hatten, sind Regeln da, um sie zu brechen — auch selbst auferlegte. So gelangten wir nach Albany und ans südliche Ende des ‚Munda Biddi Trails‘. Dieser war genau das, was sein Name in der Sprache der lokalen Noongar Aborigines bedeutet — ‚ein Pfad durch den Wald‘. Genauer, ein über 1000 Kilometer langer Mountainbike-Pfad.

 

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Wir dürfen vorstellen, ‚Manolito‘ und ‚ Gordo‘ — die beiden breitfüssigen Gefährten unserer Wahl. Vollbepackt mit Proviant für mehrere Tage.

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Unser Fussabdruck mit gerdae mal 2 Bar. Wir sind gewappnet für Australiens Sand und Kies und fahren dicke Reifen statt dicke Autos.

Der Trail, zu geschätzten 95% ungeteert, wurde von der dazu ins Leben gerufenen ‚Munda Biddi Foundation‘ markiert und in Stand gehalten, durchquerte Nationalparks und folgte auf den ersten Etappen der wilden, rauen Südküste. Dann begann er sich langsam landeinwärts zu winden, oft durch hohe, sich immer wieder verändernde Eukalyptuswälder. Er bediente sich dazu einer Mischung aus Forst- und Feuerstrassen, Waldwegen und herrlichen, teils langen Abschnitten von eigens angelegten, oft auf langen Strecken schmalen, einspurigen Pfaden durch den Busch.

 

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Nach zwei Monaten Asphalt ist dies wie im Himmel.

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Der Sand ist mal weiss und weich, der Himmel mal blau aber oft grau.

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…. Farben fliessen in einander….

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Sandige Pisten….

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…und Schotterstrassen wechseln sich ab. Die teils langen Singletrackpassagen geniessen wir zu sehr, um Fotostops einzulegen.

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Untergrund und Wälder verändern sich um uns herum.

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Vereinzelte Sonnenstrahlen bringen Licht ins Dunkel…

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….alte Holzbrücken verbinden Teilstücke…

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…und an manchen Tagen bestimmt der Regen die Landschaft.

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Auch Kangurus dürfen in Australien nicht fehlen. Manche davon so gross wie wir, fliehen sie in Horden vor uns.

Obwohl es oft so schien und der Trail ein Natur-Pur-Wildnis-Erlebnis vermittelte, war die nächste Ortschaft nie weiter als 70Km entfernt. Ausserdem war der Pfad so angelegt, dass er in regelmässigen Abständen (alle 100 bis 150 km) durch kleine Ortschaften führte, wo sich sich Nahrungsmittel aufstocken oder auch einmal die Vorzüge der Zivilisation — man denke an eine heisse Dusche — geniessen liessen. In sehr kurzen Abständen von etwa 45 Km waren eigens für diesen Zweck ‚Huts‘ errichtet worden. Sorgfältig angelegt und immer idyllisch, abgelegen im Wald platziert, waren diese ‚Huts‘ vom Feinsten. Sie boten auf stockbettartigen Holzplattformen trockene Campingplätze für 10-20 Personen und waren jeweils mit Plumpsklo und zwei grossen Regenwassertanks ausgerüstet, die zu dieser Jahreszeit bestens gefüllt waren.

 

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Ganze Landstriche sind in der Vergangenheit grossflächigen Waldbränden zum Opfer gefallen. Manche vor Jahren. Hier hat das Leben wieder Einzug gehalten.

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Dieser Wald brannte erst im Januar 2016. Was bleibt ist zu gespenstisch, um nicht unsere Räder zu verstecken.

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Bäume verkohlten und spriessen wieder neu.

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Auch diese Hütte wurde in Mitleidenschaft gezogen…

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Plastikfenster schmelzen. Zurück bleiben surrile Formen.

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Die ‚huts‘ sind meist mitten im Wald versteckt…

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Sie bieten Schlafplätze auf zwei Etagen. Türen sucht man vergeblich.

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Essensrationen wollen geplant sein, in diesem Falle für 5 Tage. Unsere selbst gemachten Framebags tragen den Grossteil davon ohne klagen.

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Wir kochen morgens Kaffee und abends Pasta, Polenta oder Couscous.

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Im Munda-Biddi-all-inklusiv-Sorglospaket ist auch eine bestimmte Anzahl spektakulärer Sonnenuntergänge über dem australischen ‚bush‘ enthalten.

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Bei so viel Luxus ist wildes Campen nicht regelmässig angesagt, dann ist es aber umso schöner.

Der Pfad war also ein Rundum-Sorglos Paket, gemacht um die Natur geniessen zu können. Diese zeigte uns immer wieder ihre kalte, nasse Schulter und — aus der Hitze Sumatras kommend — schlotterten wir manche Nächte in unseren dünnen Sommerschlafsäcken vor uns hin. Dies war die Quittung dafür, Australien unvorbereitet einen Besuch abzustatten. Da bei Regen die Vorteile eines Daches über den Köpfen jene eines Zeltes ganz klar überwogen, passten wir uns oft dem vorgegebenen Rythmus der Hütten an und verbrachten relativ kurze Tage im Sattel. Wir genossen die Trails und den Komfort der Hütten, nahmen uns dafür unterwegs Zeit um die Natur zu betrachten und zu geniessen, dehnten Mittagspausen aus und sahen uns all die merkwürdigen australischen Pflanzen genauer an — viele davon hatten sich ganz klar nicht an ihren Bauplan.

 

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Wir entdecken Australiens Natur. Blumen winken uns auf alten Monoliten zu.

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Buchten laden zum verweilen ein.

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Am Wegrand bestaunen wir scheinbar sprechende Samenkapseln…

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…und beobachten Insekten auf flauschigen Früchten…

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Der Regen lässt Pilze aus dem Boden schiessen…

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…die uns in unterschiedlichsten Farben und Formen Spalier stehen.

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Uns manchmal ….legen wir Pausen auch einfach nur so ein.

Dort hatten wir auch hin und wieder beste Gesellschaft anderer Radfahrer, die teils alleine aber meist in kleinen Gruppen auf dem ‚Munda Biddi Trail‘ unterwegs waren. Während unseren 18 Tagen auf dem Trail begegneten wir elf Radfahrern in sechs Gruppen — kein allzu grosses Gedränge also!

 

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In den Munda Biddi Hütten schliesst man Bekanntschaften, teilt Geschichten, brütet über Karten, beäugt Ausrüstung und Setup und wird inspiriert. Diese vier hier sind beste Gesellschaft.

Nach achtzehn Tagen auf dem Trail, mit noch zwei Tagesetappen vor uns, kam die unverhoffte Wendung. In Dwellingup, einem kleinen Nest mit einem Laden, einem Hotel/Bar/ATM, einer Post/Campingladen/ATM, einem Campingplatz und einer Touristeninformation, ging uns das Bargeld aus. Beide ATMs (Bancomaten) wollten nichts von unseren unterschiedlichsten Karten wissen. Ohne Geld und ohne Vorräte sahen wir uns plötzlich gezwungen, den Trail in Richtung der nächsten Stadt, Mandurah, und deren ATMs zu verlassen. Dies taten wir aber nicht, ohne noch eine letzte und fahrerisch eine der anspruchsvollsten, ausgewaschensten und schönsten Etappen zur nächsten Hütten nahe, ‚Dandalup Dam‘ gelegen, zu fahren. Dort verbrachten wir noch eine Nacht mit Blick auf die Küste und das Meer und verputzen unsere wenigen verbliebenen Vorräte, bevor wir uns nach 920 gefahrenen Kilometern, vom Trail verabschiedeten. Über Mandurah, dann wieder mit Geld in den Taschen und neuen Plänen im Hinterkopf, gelangten wir zurück nach Perth.

Indonesien | Sumatras Süden

 

header sumatras süden

April 2016
17 Tage, wovon 13 Tage im Sattel
1’073 km, ~ 536 Liter Schweiss
2’037 km gefahren seit Reisebeginn

Ölpalmen, Kokospalmen & Sandstrände
Mandi, Monokultur & Monotonie
Verkehrsanarchie & erste Platten
Abschied von Sumatra, per Fähre nach Java
die Polizei, dein Freund und Wegelagerer

 

Route | Mukomuko — Sebelat — Bengkulu — Lais — Manna — Merpas — Krui — Tanjung Setia — Sedeka — Pringsewu — Bandar Lampung — Kalinda — Bakauheni — (Fähre nach Java) — Merak — Cilegon — Karangantu — Kronjo — Tangerang — Jakarta

Route von Mukomuko nach Jakarta

Route von Mukomuko nach Jakarta

 

Die Strecke, die vor uns lag verhiess zwar nicht allzu viel, trotzdem waren wir nach drei Tagen Pause im kleinen Mukomuko froh, wieder frischen Fahrtwind im Gesicht zu haben. So richtig fit waren wir jedoch beide nicht und die nächsten zwei Wochen wurden ein Gesundheits-Wechselbad. Die Hitze war oft drückend, die Luft schien zum schneiden dick und die Erfrischung einer kühlenden Dusche war oft schon nach wenigen Minuten verpufft.

 

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Mandi — Die Dusche, unser Freund und Retter, sieht in Indonesien oft so aus. Ob in Hotel, bei der ‚Polisi‘ oder an der Tankstelle. Es gibt sie in jeder erdenklichen Zerfalls- und Hygiene-Variation. Erfrischen tun sie alle!

 

Immer in Küstennähe, aber selten mit Meerblick, ging es auf und ab, während uns Ölpalmen stundenlang Spalier standen. Umso vehementer wurden wir aus der Monotonie der Monokultur gerissen, sobald wir durch Dörfer kamen und von den ersten Kindern entdeckt wurden. Diese stürmten bei unserem Anblick jeweils an die Strasse und riefen voller Freude „Tu-rist, Tu-rist, Tu-rist!“. Dies gelang sogar Kindern, die sonst wohl noch weder sprechen noch gehen konnten.

 

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Kurz nach Mukomuko verlassen wir die Küste und strampeln die nächsten Tage mehr oder weniger fröhlich und gelangweilt durch Monokulturen der palmigen Art.

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Doch Sumatra hat nicht nur Öl, sondern auch Kautschuk im Angebot.

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Noch nicht oft, aber immer wieder funkeln Wellen durch die Palmenreihen.

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Auch Katzen finden sich reichlich!

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Weiterhin sind wir gerne geknipste Gäste.

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Unsere sensationell lange Nasen sind der Hit, aber auch der Grössenvergleich sorgt für Gelächter!

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…da hat die Konkurenz keine Chance.

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In Bengkulu ist es dann an der Zeit, sich der lokalen Frisurenmode anzupassen.

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Wohl dank Robins neuer Frisur stoppt uns die Polizei von Manna eines Morgens mit quietschenden Reifen. Wir werden Teil ihrer Anti-Drogen-Kampagne!

 

Und dann, als unser Durchaltewille an einem immer dünner werdenden Faden hing und uns jede Steigung zur Weissglut trieb — in einem besonders fiesen Stück hatte Daina bereits den Abbruch der Reise beschlossen —, geschah das Unerwartete. Die Wogen der Ölpalmen lichteten sich, kühlende Lüftchen zerschnitten die Hitze und die Hügel zerflossen zu Reisfeldern. Es wurde Strand. Mit Fischerdörfern gespickte Sandstrände erstreckten sich entlang der Strasse oft Kilometerlang, das Radfahren machte plötzlich wieder mehr Spass und schliesslich erreichten wir Krui. Obwohl im kleinen Surf-Mekka an Sumatras Südküste zu dieser Jahreszeit mehr Mekka als Surf angesagt war, ‚gönnten‘ wir uns ein paar Ruhetage. Daina war krank. Dafür doppelten wir dies im Anschluss mit zwei Tagen am Strand von Tanjung Setia, keine 20 Km südlich gelegen, nach.

 

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Was sich fies und steil anfühlte, sieht von oben nicht so schlimm aus. Im Gegenteil.

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Wo die Strasse durch den Dschungel verläuft….

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….nehmen wir uns umso mehr Zeit, halten an, beobachteten und lauschen.

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Halten wir um etwas zu trinken, halten Familien an und staunen bis wir ausgetrunken haben.

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Dann Strände, endlich.

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Das süsse Leben…

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…im Häuschen am Strand…

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…mit Platz für Alle!

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Auf dunkle Wolken über Krui…

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…folgten entweder brennende Sonnenuntergänge…

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…oder stundenlanges, elektrisches Donnerwetter vom Feinsten.

 

Vor der nächsten Etappe durch einen Nationalpark wurden wir immer wieder gewarnt, da es in dessen Nähe nachts Überfälle gebe. Von verschiedenen Seiten riet man uns, die Nacht auf dieser Strecke in der Polizeistation in Sedaka zu verbringen, welche wir tatsächlich kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten. Dass uns auf den letzten Kilometern ein, mit einer Sturmhaube vermummter, Motorradfahrer ‚verfolgte‘, war bei über 30 Grad etwas unheimlich, aber wohl weniger für einen Überfall, sondern wirklich als Schutz gegen den kalten Fahrtwind gedacht. Andere Länder, andere Sitten.

 

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Im Nationalpark nimmt uns heftiger Regen jegliche Sicht. Der Himmel öffnet sich mit solcher Wucht, dass wir auch am nächsten Morgen noch nass sind. Hier der Nebel danach.

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Die Sonnenuntergänge bleiben malerisch.

 

So auch bei der Polizei. Freundlich wiesen uns die vier in Zivil herumflachsenden Polizisten einen Campingplatz vor ihrer Moschee zu — richtig gehört, jede Polizeistation hat eine Moschee — bevor plötzlich Bewegung aufkam und die Herren sich uniformierten. Anschliessend wurde das Polizeiauto am Strassenrand vor dem Tor platziert. Mit Blaulicht. Kurz darauf, wir stellten gerade in aller Ruhe unser Zelt auf, ging plötzlich ein riesiges Gezeter los, gefolgt von einer Episode ‚Guter Bulle, Böser Bulle‘ und schliesslich wechselten Geldscheine ihren Besitzer, worauf der Fahrer des kontrollierten Kleinlasters kleinlaut davon fuhr. Nicht so die ‚Polisi‘. Sie warfen sich wieder in Zivilkleider und — wer hätte das gedacht — fuhren voller Freude Im Dienstwagen zum Abendessen. Sie hatten es sich verdient!

Der Weg an Sumatras Südspitze, entlang der ‚Sundastrasse‘ führte uns durch immer dichter besiedeltes Gebiet. Der damit einhergehende, immer dichtere Verkehr, bereitete uns darauf vor, was uns auf Java erwarten sollte. Die ‚Hello Mister‘-Rufe nahmen merklich ab, die Dörfer wurden bereits städtischer und die Menschen waren zwar immer noch sehr freundlich aber merklich distanzierter. Nach Bandar Lampung fuhren wir stundenlang im Schwerverkehr Richtung Fährhafen in Bakauheni. Die malerischen Hügel und der Blick in Richtung Krakatau konnten nicht über den grässlichen Gestank der Nebel hinwegtäuschen, welche die hier angesiedelte Stahlindustrie gegen Himmel pustete. So gelangten wir schliesslich an Sumatras südlichen Zipfel und bevor wir uns versehen konnten, standen wir auf der Fähre nach Java.

 

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Je näher wir Bandar Lampung kommen, umso dichter wird der Verkehr.

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Schliesslich fahren wir in Bakauheni, an Sumatras Südspitze die Fähre nach Java. Die 2 Stunden-Überfahrt kostet pro Kopf mit Rad gerade mal 1.50 Fr. .

 

In Java liefen wir bei Einbruch der Dunkelheit in den Hafen ein. Es blieb uns gerade noch genügend Zeit, ein Zimmer in einem Hotel zu ergattern. Später kamen nicht umhin zu bemerken, dass die hauseigene Disco ihre Tore erst um Mitternacht öffnet, dafür umso lauter aufdreht. Etwas zermürbt machten wir uns darum am nächsten Tag daran, Java zu erkunden. Bis Jakarta blieben uns noch 140 Km. Wir dachten aber nicht daran diese auf direktem Weg mit allen Lastwagen zu teilen und, anders als in Südamerika, war hier die Autobahn für Radfahrer tabu. So suchten wir uns eine Route nach unserem Geschmack. Kaum die Schnellste dafür mit viel Unterhaltungswert — über Feldwege, durch Sümpfe und Reisfelder, entlang kleiner Flüsse, mitten durch einen Markt oder auf den Fussgängerweg für Pilger. Als Buleh durften wir das.

 

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Einer davon führt uns zu einer mit Pilger gefluteten Moschee…

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…umgeben von kleinen, Buffetartigen Ständen. Die Auswahl ist gross.

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Hier Reis mit Tofu.

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Aber auch an kleinen Holzbuden am Strassenrand lässt sich rasten und speisen. Immer noch dürfen Fotos mit allen Anwesenden nicht fehlen.

 

Einzig die Unterkunftssuche gestaltete sich zum ersten Mal richtig schwierig. Gegen Abend waren wir den Ausläufern Jakartas schon näher als uns lieb war und wir fanden partout keinen Zeltplatz, weder bei Schulen, Fabriken noch bei der Polisi, wo man uns jeweils weiterschickte mit den Hinweis auf ein Hotel. Das erste Hotel gab es nicht und mittlerweile war es stockfinster. Auch hatten wir trotz eines späten Starts bereits 100 km in den Beinen und unsere Rücklichter begannen auch zu schwächeln. Nicht gut. So jagten wir bereits etwas nervös in einem Strom von hunderten Scootern, oder deren Lichtern, dahin. Das zweite Hotel hatte 5***** und wir waren dreckig, das dritte Hotel war voll und die folgenden ebenso. Schliesslich, erschöpft nach einer dreistündigen Odysse durch Jakartas Vororte, fanden wir nach 21 Uhr endlich eine Bleibe für die Nacht. Ein Hotel, für das wir nur auf den ersten Blick zu dreckig waren.

Die letzten 20 km ins Stadtzentrum der 14-Mio-Stadt (oder sind es 20 Mio?) waren dann am nächsten Morgen nur noch der Nachtisch. Obwohl Jakarts Verkehr ein schlechter Ruf voraus eilte, war das Navigieren mit dem Fahrrad kein Problem — während die Autos stundenlang im Stau standen flitzten wir mit dem Flow, überholten und drängten in Lücken. Im von Korruption zerfressenen Indonesien (der Führerschein ‚kostet‘ hier umgerechnet 7.- Fr.) werden Verkehrsregeln mehr als Vorschläge verstanden, an die man sich halten kann. So können Einbahnstrassen getrost, und nicht etwa mit verminderter Geschwindigkeit, in die falsche Richtung befahren werden und ein Rot bei Kreuzungen kann durchaus auch als Grün verstanden werden. Bedenkt man dies, kann Stadtverkehr durchaus Spass machen. Sicherheit geht aber leider nicht vor.

 

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Die Landschaft ist malerisch aber dicht besiedelt.

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Solche Wege haben wir vermisst! Das Knirschen unter den Reifen zaubert uns beiden ein breites Grinsen ins Gesicht.

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Doch der Verkehr wird dichter…

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…dichter, Jakarta wird spürbar.

 

Indonesien | Sumatras Berge

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März / April 2016
17 Tage, wovon 9 Tage im Sattel & 3 Tage krank
535 km, 10’261 Höhenmeter

Sumatra Superstars — Foto, Selfie, Hello Mister. Sumatra im Social-Media-Rausch!
Bukittinggi — Trails, Dschungel & Reisfelder
Berge — rollende Hügel & steile Strassen
Camping — Geheimdienst, Polizei & Karaoke

Route | Bukittinggi — Solok — Sungai (via Jl. Solok – Danau Kembar) — Solok Selatan — Kayu Aro — Sungai Penuh — Tapan — Mukomuko

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Route Bukittinggi — Mukomuko

Von Bukittinggi hatten wir uns kühlere Temperaturen, Touristen und entsprechend weniger freundliche Menschen erwartet. Also nicht allzuviel. Trotzdem gefiel uns die Stadt auf Anhieb, Die Touristenmassen blieben aus, sofern man bei 10 gesehenen Touristen pro Tag nicht von Massen sprechen kann. Die Menschen waren gewohnt freundlich und fröhlich, wenn auch etwas weniger neugierig als auf dem Land.

Wir fanden ein günstiges Zimmer im ‚Rajawali Homestay‘, dessen deutscher Besitzer Ulrich nicht nur ein Original, sondern auch ein Kenner der Strassen Sumatras, besonders der Region um Bukittinggi, ist. Sein Wissen teilte er gerne mit uns und so sassen wir nach zwei Touristen-Tagen (Marktbesuche, Erkundungsspaziergänge, Essens-Expeditionen, Fruchtsaft-Schlürfen, Kleider-waschen-lassen, Lesen) bereits wieder im Sattel.

bukittinggi

Im geschäftigen Bukittinggi, schön zwischen drei Vulkanen gelegen erkunden wir die Märkte.

mini

Ob Snacks im Miniformat…

früchte?

… Snacks in der Originalverpackung…

hand mit früchten

…oder Früchte zum angreifen, alles da!

durian

Diese stachligen Übeltäter hier, Durian genannt, riecht man lange bevor sie in greifbarer nähe sind. Sie stinken!

kücken

Auch sieht man, was mit Ostereiern geschieht, wenn man sie ausbrütet!

schlangen

Getrocknet verkaufen sich diese speziellen Snacks. Wir würden sie als Blindschleichen einstufen.

Ulrich empfahl uns eine Runde, die mit einem etwas holprigen Mittelstück gespickt sei. Dies liessen wir uns nicht zweimal sagen und nach knapp 20 Kilometern erreichten wir den Waldrand wo die Strasse zum Pfad wurde, der sich höher und höher wand. Nachdem der überwachsene Pfad durch den Dschungel im Anstieg zur kleinen Passhöhe rutschig und steil gewesen war (wir musste alles schieben), hofften wir oben angekommen, auf einen etwas einfacheren, vielleicht sogar teils fahrbaren Abstieg auf der anderen Seite. Weit gefehlt! Was früher einmal ein Weg gewesen sein mag, hatte sich der Urwald längst zurückgeholt! Der Pfad war jetzt oft nur noch als haarfeine Line durch das grüne Dickicht erkennbar — wenn überhaupt. Rambo hätte sich hier mit seiner Machete wohl gefühlt und dem Gebrüll in den Baumkronen über uns nach zu urteilen, taten es die Affen auch! Wir wünschten uns auch eine Machete herbei, versuchten den Gedanken an Schlangen auf dem meist unsichtbaren Boden vor uns zu verdrängen und stürzten uns, unsere Räder als rollende Heckenscheren vor uns schiebend, ins Gestrüpp. Meter um Meter um Meter um Meter kämpften wir uns durch das Dickicht, immer in der Hoffnung, das Grün um uns herum möge sich bald lichten, die Blätter uns nicht mehr in die Ohren kriechen und die Äste uns nicht mehr Füsse und Beine zerkratzen. Dies tat es nicht, und wenn dann nur kurz und oft nur, um uns mit Hindernissen wie umgestürtzten Urwaldriesen, übergrossen Spinnennetzen inklusive Besitzer auf Kopfhöhe oder tiefen Flussbetten ohne Brücken zu erschrecken. Rambo hätte es geliebt!

Irgendwann wurde der Pfad doch weniger holprig, das Gestrüpp lichter und schliesslich konnten wir — den dicken Reifen sei dank! — den letzten Dschungelkilometer durchs Gebüsch flitzen. Und dann, als ob nichts gewesen wäre, begann die Strasse wieder. Wir hatten für 9.5 Kilometer viereinhalb Stunden gebraucht! Als wir Ulrich am Abend davon erzählten fiel er aus allen Wolken. Er war die Strecke neun Jahre zuvor mit dem Motorrad gefahren. Da war sie noch durchgehend für Autos befahrbar und mit den nötigen Brücken bestückt! Tags darauf hängten wir gleich noch eine Runde, grob nach Ulrichs Vorschlägen, an. Sie führte uns in einem wilden Auf und Ab durch abgelegene Täler, vorbei an Bauern, Wasserbüffeln und Horden von johlenden Schulkindern und schlängelte sich mit uns durch Reisfelder und Wälder. Diesmal waren die Pfade meist breiter, durchgehend fahrbar — dafür jedoch oft unglaublich steil!

dschungel robin

Bereits der Anstieg ist nicht ohne, mit ‚Crocs‘ an den Füssen schon eine Herausforderung.

lenker dschungel

Und auch die ersten Meter im Abstieg verheissen auch nichts Gutes.

farne dschungel

Nicht bloss Farne und Gräser arbeiten gegen uns.

daina kriecht im dschungel

Manchmal müssen wir kriechen…

brücke

…und manchmal balancieren. Mit Fahrrad eine Nervensache.

blick zurück im dschungel

Der zweite Tag ist dann eher nach unserem Geschmack.

Zwei weitere Entspannungstage später begannen unsere Räder ungeduldig zu schnauben — es war Zeit weiter zu ziehen. Immer nach Süden durch die Berge ging es, wobei die erhofften kühlen Temperaturen ausblieben. In Kombination mit Strassen, deren Erbauers Ziel es gewesen sein muss, den direktest möglichen Weg nach oben zu nehmen und die oft entsprechend steil waren, machte uns die Hitze ganz schön zu schaffen.

berge

Südlich von Bukittinggi strampeln wir durch malerische Täler….

reisfelder

…und die Strasse windet sich in Kurven um Bergflanken und Reisplantagen.

regenschleier

Regenschleier eilen uns voraus oder folgen uns, doch sie erreichen uns selten.

jungel kerinci

Steile Anstiege führen uns weiter südlich durch nebelverhangene Wälder.

arbeiterinnen kerinci

…und Arbeiterinnen in Gummistiefeln nehmen weite Fussmärsche zu ihren Kaffeeplantagen in Kauf. Wir hören sie noch lange lachen.

kerinci raucht

Schliesslich kommt der rauchende Vulkan ‚Kerinci‘ in Sicht. War er früher von Urwald (Hutan) umgeben, so steht er heute inmitten von Teeplantagen.

teearbeiter

Wie überall wird auch hier gearbeitet — und wie überall ist man auch hier fröhlich!

Erschöpft nach langen Tagen und vielen Höhenmetern (Tagesrekord in Sumatra bisher: 2300 Hm) galt es jeweils eine Bleibe für die Nacht zu finden. An Wildcamping war bei der Bevölkerungsdichte — überall wohnte jemand, überall rief uns jemand zu — bisher nicht zu denken und so mussten wir uns anderweitig umsehen. Hotels waren dünn gesäht. Und wenn dann eines da war, bedeutete dies nicht, dass man dort auch nächtigen durfte! Eimal wurde uns kurz vor Einbruch der Dunkelheit die Unterkunft verwehrt, da wir keinen Trauschein (!) vorlegen konnten — Willkommen in Saudi Arabien! So landeten wir immer mal wieder bei der nächsten Polizeiwache, ob vom Regen oder eben von gläubigen Besitzern leerer Hotels getrieben. Dort gewährte man uns immer einen Zeltplatz für die Nacht. Immer war das Misstrauen zu Beginn gross — in Indonesien spricht niemand freiwillig mit der Polizei, warum sollten es also diese tropfenden Bleichlinge tun? Immer bot man uns an, wohl nicht ganz grundlos, die Dusche zu benützen und immer erhielten wir einen Raum für unser Zelt zugewiesen. Einmal allerdings erst Abends um neun, als die diensthabenden Herren Geheimdienst nach vier Stunden Wartezeit schliesslich ihren Kommandanten aufzuwecken wagten. Eine mächtige Regen-Gewitter-Kombination hatte uns hartnäckig die Weiterfahrt und -suche verunmöglicht. So campierten wir etwa in einem zerfallenden Nebengebäude, im Karaoke-Raum einer Polizeiwache (!) oder gar im Versammlungsraum der regionalen Filiale des Indonesischen Geheimdienstes (!!). Eine feine Sache, oft gefolgt von stundenlangen Gesprächen (oder Karaoke) mit freundlichen Polizisten. Wunderbar und unglaublich herzlich — aber in unseren Erschöpfungszuständen meist unglaublich streng!

karaokenight

Der Albtraum eines erschöpften Radfahrers: Karaoke-Camping im Versammlungs-/Karaokeraum der Polizei. Auch wir werden ans Mikro gebeten.

morgengrauen

Dafür sind wir nach solchen Nächten jeweils mit den ersten Sonnenstrahlen wieder auf der Strasse. Vor dem Antritt der Morgenschicht. Wann die Gefangenen hinter den Western-style Gittertüren nebenan wieder frische Luft schnuppern dürfen, werden wir nie erfahren.

garangan

Wir haben jetzt nämlich meist nur Augen für dies hier: Gorengan, fritiertes! Lecker, fettig, Frühstück.

Es muss für manch Einen ein wunderlicher Anblick gewesen sein, diese beiden Bleichgesichter mit grossen Nasen und roten Köpfen — auf Rädern! Denn Radfahren, wie jede Art von Fortbewegung durch Körperkraft, scheint in Sumatra ein ganz und gar fremdes Konzept zu sein. Scooter (Motorroller) sind Trumpf! Jeder hat einen, jeder fährt einen und jeder nimmt darauf so viele Kinder, Freunde oder Verwandte mit, wie er will. So wurden wir von Kindern mit dröhnenden Motoren überholt, von quietschenden Teenies mit wehenden Kopftüchern verfolgt und regelmässig von in den Rückspiegel staunenden Schülern ausgebremst. Wir wurden von Motorrädern aus angefeuert, angesprochen, ausgefragt, bejubelt, fotografiert, eingeladen und von ganzen Familien mit Selfiesticks auf Motorrädern für gemeinsame Fotos angehalten. „Hello Mister! Selfie, Selfie?“ Alles nur für Facebook, Instagram und Co. Langsam bekamen wir eine Vorstellung davon, wie sich anfühlen muss, berühmt zu sein. Dies in einem Masse, von dem manch ein Promi nur träumen kann! Endlich Superstar! … das wollten wir nie sein.

kids auf truck

Ganze Lastwagenladungen mit Schulkinder drehen bei unserem Anblick durch. Jede Bewegung in der Abfahrt, ein Ducken etwa, wird mit euphorischem Gejubel quitiert!.

family rini

Sobald wir anhalten werden Familien zusammen getrommelt…

mädels

…und lange geübte, oft ungeahnte Posen werden zum Besten gegeben.

Unsere zweitletzte Etappe zur Küste führte über die Berge und durch den Kerinci Nationalpark, einem Urwald um den gleichnamigen Vulkan. Dass hier Sumatra Tiger und Unmengen seltener, oft endemischer Vögel leben, liess man uns bereits im Vorfeld wissen — gesehen haben wir leider weder noch. Dafür wurden wir mehrmals fotografiert und erhielten einmal das Angebot zum Islam zu konvertieren und, so schlossen wir aus den Gesten, durch heiligen Krieg in den Himmel zu gelangen. Wir lehnten ebenso dankend ab, wie wir 2009 in Uganda inmitten von Tränengas und Gebrüll das Angebot eines Motorradtaxi-Fahrers ausgeschlagen hatten, Waffen zu ergreifen und uns am Sturz des Präsideten zu beteiligen. Ist einfach nicht unser Ding.

Was Natur und Strasse betraff, gehören die 45 Kilometer durch den Dschungel des Kerinci Nationalparks bisher zu unseren absoluten Favoriten in Sumatra. Die Strasse, für Autos unglaublich schlecht, war für uns der reinste Spielplatz. Ein Spielplatz in unglaublicher Naturkulisse, zwischen Urwaldriesen, Farnen, Blumen und Motorroller.

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Im Kerinci Nationalpark entdeckten wir keine Tiger, dafür Blumen.

hutan kerinci

Lichtet sich das Blätterdach, erhaschen wir Ausblicke auf den Ur-alten-Wald.

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So schlecht die Strasse für Autos ist, uns macht sie umso mehr Spass.

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Trotz Konzentrazion auf. die Strasse entdecken wir am Strassenrand immer wieder seltsames… Solches!

Endlich an der Küste gewann die Erschöpfung Überhand und Robin lag drei Tage mit einer Bauchinfektion in einem Hotelzimmer in Mukomuko, einem kleinen Nest mit Tsunami-Warnschildern und eigenem Flughafen. Als am Nachmittag des ersten Tages das Fieber Malaria-verdächtige Höhen erreichte, erfuhr Daina auf Nachfrage, dass das nächste Spital 20 Kilometer entfernt sei. Taxis gebe es aber keine. Ganz schlecht. Doch wer hatte da wohl zufällig eine Feier im selbigen Hotel? Die Polizei, komplett mit eigener Ärztin! Schnell erhielten wir Besuch von einer Horde Polizistinnen, die alle eimal sehen wollten, wie bleich den ein kranker Buleh wohl noch werden kann. Eine davon war scheinbar die Ärztin. Sie nahm jedenfalls den Blutdruck, führte die nötigen Untersuchungen durch — auch drücken am Schienbein durch mehrere der Anwesenden gehörte dazu — und stellte schliesslich die Diagnose. Die entsprechenden Medikamente gab es dann gleich mit dazu. Hat funktioniert. Danke, Polisi!

Singapur & Indonesien | nach Sumatra

 

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März 2016
11 Tage, wovon 5 im Sattel
430 km gefahren
Temperatur: heiss! (knapp unter 40°C)

Singapur – Asien light
Fähren fahren – von Singapur nach Sumatra
Sumatra – erste Meter, erste Eindrücke
“Hello Mister, Hello Mister!
immer im Mittelpunkt – ungebremste Aufmerksamkeit

 

ROUTE | Singapur – (Fähre) – Harbor Bay, Batam – Sekupang, Batam – (Fähre)  – Dumai – Duri – Kandis – Simpang Petapahan – Bankinang – Pangkalan – Bukittingi

 

Es lag frischer Schnee, als wir am 9. März 2016 bei 10 Grad unter Null, früh morgens die Haustüre hinter uns abschlossen. Ein Flug und 16 Stunden später, schlugen uns in Singapur morgens um 7 Uhr bereits motivierte 28 Grad entgegen. Die eigenartige Visapolitik der chinesischen Botschaft in Zürich hatte uns kurz vor Antritt der geplanten Reise nach China gezwungen, total umzustellen. Klappe auf, Südostasien!

Drei Tage lang schlurften wir durch Singapurs saubere Strassenschluchten, Märkte und Gassen und wurden dabei von Klimaanlagen immer wieder auf angenehme Betriebstemperaturen heruntergekühlt. Yong und SK, die beiden jungen Inhaber der „Tree Inn Lodge“ (wo wir uns einquartiert hatten) waren nicht nur beste Gesellschaft, sie verfügen auch über ein enormes Know-How in Sachen Radreisen in ganz Asien. Dies ist Südost-Asiens „Radreise Ground Zero“, für uns ein Glückstreffer und ein hervorragender Reisebeginn.

Aus Singapur brachte uns eine kleine Fähre in knapp einer Stunde nach Batam, einer vor Singapur gelegenen Insel. Aus Sicherheitsgründen musste dazu unser gesammtes Gepäck geröngt werden – sowohl beim Check-In für die Fähre, als auch nochmals vom Indonesischen Zoll. „Selamat Datang di Indonesia“, Herzlich willkommen in Indonesien. So stand es wenigstens geschrieben, die Zöllner sahen dies nicht ganz so, mussten sie doch die Playstation beiseite legen um zu erörtern, aus welchem Land wir wohl kämen. Am Ende liess man uns einreisen, gewährte uns 60 Tage Aufenthalt (dazu waren wir laut unseres im Vorfeld bezogenen Visums auch bemächtigt) und wir durften unsere ersten Kilometer auf indonesischem Boden zurücklegen – im Regen. Auf die Frage, ob es denn um diese Jahreszeit oft regne, sagte man uns: „Nein, nie.“…..hmmm, dann war es an der Zeit, dass wir kamen!

Eine weitere Fähre, diesmal indonesischer Standard (und auch Preis), brachte uns tags darauf in acht Stunden nach Dumai in Sumatra. Unsere Räder waren schon ganz kribbelig und nach einer Nacht im Hotel (auch hier nun indonesischer Standard, erkennbar an Zigarettenstummeln unterm Bett) durften sie dann endlich loslegen. Lasset die Spiele beginnen!

 

Unsere Fähre spuckt uns am Pier in Dumai aus, während das Gedränge zum Einsteigen bereits tobte.

 

Hello Mister! Bereits auf unseren ersten Metern auf Sumatra kommen wir ins Gespräch!

 

Im grössten muslimischen Land der Erde ist eine Moschee nie weit. Ob hier im Zentrum von Bangkinang…

 

 

 

 

Was die Hitze schon ankündigt hatte, lauert mitten im Aufstieg. Einmal mehr überqueren wir den Äquator.

 

 

Die Hitze verwandelte uns bereits am ersten Tag in rotarmige Krebse und sobald bei einem Stop der Fahrtwind ausblieb versuchten unsere Körper, in möglichst kurzer Zeit, möglichst grosse Mengen an Flüssigkeit auszustossen. Das Ergebniss war wohl erbärmlich anzusehen, daran (oder an die Temperaturen) würden wir uns aber wohl gewöhnen. Vorläufig blieb uns nichts anderes übrig, als die grösste Mittagshitze im Schatten auszusitzen, regelmässige Pausen einzulegen und viel, viel, ja wirklich viel zu trinken und zu tropfen.

 

Fruchsäfte in allen Farben spenden Kraft . Dieser hier wurde aus der Drachen-Frucht (Buah Naga) gewonnen.

 

„Pop Mie“ – Fertignudeln warten überall darauf, mit heissem Wasser aufgegossen und geschlürft zu werden. Nein, nicht das Bild, sondern die Nudeln stehen auf dem Kopf

 

Täglich schlürfen wir unser treffend benanntes Lieblingsgetränk „Tehbotol“ (süsser Eistee) und „Kopi Susu“ (mit viel Kondensmilch gesüsster Kaffee).

 

 

 

Weniger gewöhnungsbedürftig war überraschenderweise der Verkehr. Trotz etwas unbedachtem Überholverhalten (in Indonesien wird positiv formuliert) etwa in unübersichtlichen Kurven oder über Kuppen, behandelte man uns respektvoll und hielt Abstand. In den ersten Tagen immerhin. Unsere Hoffnung, ungeteerte Nebenstrassen anzutreffen, wurde bereits früh im Ansatz zerschmettert, zusammen mit der Gewissheit, dass alle auf unserer Karte (oder auf Google Maps) eingezeichneten Strassen existieren. Trotzdem fanden wir unseren Weg nach Bukittingi – wenn auch nicht den, welchem wir uns zurechtgelegt hatten.

 

Diese futuristisch anmutenden Kehren suchen in Sumatra wohl immer noch ihres Gleichen.

 

Meistens schlängelt sich die Strasse durch Palmen-Plantagen zur Ölgewinnung (nein, nicht im Bild). Je mehr wir an Höhe gewinnen, umso mehr nehmen Reisfeldern (im Bild) die Überhand.

 

Mal sind sie trocken und in Terassen angelegt…

 

…mal nass in der Ebene gelegen.

 

All dies wurde jedoch von den Menschen in den Schatten gestellt. Sie begegneten uns mit einer Herzlichkeit, Offenheit und Neugier, dass wir aus dem Staunen tagelang nicht mehr herauskamen. Wobei die Neugier und die uns geschenkte Aufmerksamkeit oft peinliche Ausmasse annahm. Mittagspausen wurden von Fragen und Foto-Sessions dominiert, Neugierige fuhren auf Scootern neben uns her um mit uns zu plaudern und mehr als einmal wurde dabei ein sanfter Hinweis auf nahenden Gegenverkehr notwendig. Äusserster Beliebtheit erfreuten sich gemeinsame Fotos und wir wurden sogar während der Fahrt von Motorrädern aus dafür zum Anhalten gebeten, was wir auch taten. Natürlich fehlten oft auch staunende oder winkende Kinderhorden nicht und auf manchen Strecken rief sprichwörtlich vor und auch aus jedem Haus (!) mindestens jemand „Hello Mister“. Da wurde das Antworten, besonders in Kombination mit Hitze und anstrengenden Steigungen, oft zur Herausforderung.

 

 

Kaum sind die beiden „Buleh“ (Ausgebleichte) mit ihren Sepeda (Fahrrädern) im Dorf, werden sie auch schon von Kinderhorden umstellt..

 

 

 

 

Als wir eines Abends unser Nachtlager im Schulzimmer einer Sekundarschule aufschlugen, ging dies so weiter. Natürlich wollten die freundlichen Nachbarn mit Kind und Kegel diese beiden „Bulehs“ (Ausgebleichten) betrachten. So schön dies und die Gespräche mit unserem Brocken-Indonesich (Ja, wir arbeiten daran) waren, war dies nach einem Tag im Sattel unter Sumatras fieser Sonne auch ganz schön anstrengend und wir erwachten am nächsten Morgen erschöpfter, als wir am Abend ins Bett gegangen waren. Dies könnte auch damit zu tun gehabt haben ,dass wir vor dem Eintruddeln der Schüler weg sein wollten.

 

 

 

Am nächsten Abend dann neuer Ort, selbes Muster, als wir auf dem Gelände der Indonesischen Elektrizitätswerke in einem verlassenen Bürogebäude campieren durften. Wiederum wurden wir rührend aufgenommen und plauderten stundenlang mit dem Personal. Nachdem wir gekocht hatten, statteten uns dann noch gefühlte 50 Anwohner einen Besuch ab – ein ständiges Kommen und Gehen. Ein freundlicher junger Mann brachte uns sogar zwei Portionen „Nasi Goreng“ (gebratener Reis), da Spaghetti (die wir bereits gegessen hatten!) ja wohl nichts richtiges wäre und nur Reis uns die nötige Energie liefern könne! Wer könnte da ablehnen? Alles so unglaublich, dass wir danach mit prallvollen Bäuchen noch lange lachend und überwältigt im Zelt lagen.

 

 

Indoor-Camping im alten Bürogebäude der Elektrizitätsgesellschaft. perfekt.

 

Bezaubert von Sumatras Schönheit, erschöpft von dessen Klima und begeistert von dessen Menschen erreichten wir schliesslich nach fünf Rad-Tagen und 430 Km das, zwischen Vulkanen in den Bergen gelegenen Bukittingi. „Hello Mister! Hello Bukittingi!“