Caribbean Odyssey | von Panama nach Kolumbien

Seemeilen: ~100 / 8 Tage

Schiff: „Nixwiweg“ (BEL)
Kapitän: Alain (BEL)
Passagiere: Fabian (CH), Ian (CAN), Struan (CAN), Daina (FL), Robin (FL)
Fracht: 2 Motorräder, 2 Fahrräder

Motorpannen: 2
verlorene Rettungsinsel: 1
Schwimmwesten an Bord: 1

Route: Portobelo (Panama) – Turtle Cay Marina (Panama) – San Blas Inseln (Panama) – Sapzurro (Kolumbien) – Capurganá (Kolumbien) – Turbo (Kolumbien)

Die Panamericana zieht sich zwar von Alaska bis Feuerland, ist aber nicht lückenlos. So fehlen zwischen Panama und Kolumbien um damit zwischen Zentral- und Südamerika achzig Kilometer Strasse, das sogenannte „Darien Gap“. Achzig Kilometer Dschungel, in dessen Schutz sich Leute bewegen, denen man weder bei Tag noch bei Nacht begegnen möchte. So bleiben die See und die Luft die einzigen Verbindung zwischen Zental- und Südamerika.

Daher suchten wir in Portbelo ein Schiff, um von Panama nach Kolumbien zu gelangen und fanden bereits am zweiten Tag einen belgischen Kapitän, welcher noch Passagiere für die fünftägige Überfahrt mit seinem Segelschiff suchte. Dass Kapitän Alain im Gegensatz zu professionellen, organisierten Alternativen ein kauziger aber sehr sympatischer Seebär war, gefiel uns. Auch empfahl er seine Kochkünste. Wir entschieden uns, mit ihm und drei weiteren Reisenden (Fabian aus der Schweiz und den beiden Motorradfahrern Struan und Ian aus Canada) die Reise anzutreten. Die Abfahrt war für den nächsten Tag, Donnerstag den 5. Dezember 2013, vorgesehen.

Portobelo

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Warten im Cafe Vela – der Seglertreffpunkt in Portobelo

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Aber so schnell kamen wir aus Portobelo nicht weg. Nach einigen bürokratischen Problemen mit den Leuten vom Zoll verzögerte sich die Abfahrt um einem weitere Tag. Dann, am Freitagabend nach einem Znacht aus dermassen gekochtem Hühnchen, dass er am besten mit dem Wort „Gummiadler“ umschrieben werden konnte (beissen zwecklos!), legten wir schliesslich gegen Mitternacht ab…so viel zu den Kochkünsten und einem gelungenen Start.

Poulet hacken vor der Abfahrt

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Unser Kapitän – normalerweise etwas fröhlicher

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Da der Wind auf dieser Reise gegen uns sein würde, ratterten wir die ganze Nacht vom Motor getrieben ostwärts. Spätestens jetzt erfuhren wir, wie sich starker Wellengang in einer Segel-Nussschale anfühlt und wir wurden in unserer Kabine (wir bekam die des Kapitäns, mit Doppelbett, Luxus!) durchgeschüttelt und umhergeschleudert. Daina wurde auf der Stelle seekrank und musste leiden! Doch irgendwann wurde es hell ….und plötzlich verstummte der Motor. Hmm, muss wohl so sein, dachten wir, wurden aber eines besseren belehrt. Musste nämlich keineswegs so sein. Dass auf der „Nixwiweg“ (so hiess das gute Schiff) nix angemacht war und immer wieder die halbe Kücheneinrichtung (von Passagieren und Kapitän nicht zu sprechen) durch die Gegend flog, entschärfte die Situation auch nicht. So fühlte es sich also an, den Wellen ausgeliefert zu sein!

Unser seekranker canadischer Reisegefährte

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Aber ein Segelboot hat ja Segel! Also setzten wir diese und segelten in den, „nur“ etwa zwei Stunden entfernten, nächsten Hafen zurück. Dessen bedrohliche Einfahrt, zwischen brechenden Wellen, hindurch meisterte Alain, mit etwas Hilfe beim Segel setzen und Winden drehen, gekonnt. Ernüchternd stellten wir fest, dass wir in der Nacht nur knapp 30 Kilometer zurückgelegt hatten.

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In der schönen „Turtle Cay Marina“ teilte man uns einen Platz zu und dann begann für unseren Kapitän die Suche nach dem Problem und für uns eine zweitägige, zugegebenermassen unterhaltsame Wartezeit. Im Hafen lagen eine handvoll Segelboote – oder sollte man Yacht sagen? Die Segler waren ein soziales Volk und man kam schnell ins Gespräch über dies und das, den Wind, die Boote, deren Vorzüge und Nachteile und natürlich die Strapazen des Seglerlebens. Das eigentliche Segeln, so schien es uns, ist nur der Ausgleich zur Hauptaufgabe, dem Reparieren und Instandhalten der Schiffe. Ein strenges Leben ohne Aussicht auf Besserung. Und daran durften auch wir nun teilhaben, nachdem Kapitän Alain dem Problem auf den Grund gegangen war. Hier die Details für die Spezialisten: Der Thermostat war dahin, der Motor hatte überhitzt und dabei mehrere Löcher in den Muffler geschmolzen. Aber kein Problem, der Thermostat liess sich ja ausbauen und die Löcher im Muffler mit Epoxy flicken!

Turtle Cay Marina

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Und so verliessen wir am Morgen des dritten Tages wieder frohen Mutes und mit laufendem Motor die Marina und kamen wenige Stunden später (ungefähr sechs) im Golf von San Blas an. Was wir sahen schien aus einem Bilderbuch zu stammen. Kleine, palmengekrönte Inselchen mitten im Meer. Manche waren mit nur einer Palme gesegnet und andere mit hunderten. Dies war das Gebiet der Kuna, einem Indianervolk, dessen Heimat, die 360+ Inseln im Golf von San Blas, zwar zu Panama gehören, die aber ein grosses Mass an Autonomie geniessen.

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Wir verbrachten die nächsten vier Tage ankernd vor verschiedenen Inseln in San Blas, erforschten schnorchelnd die Riffe und ihre bunten Korallen und Fische rund um die Inselchen, planschten im Wasser herum, lachten, genossen die Sonne auf dem Boot oder kochten.

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Seit den Gummiadler kochten wir meist selbst. Dies sei hervorragend, bemerkte Alain eines Tages lachend. Er habe nur eine Mahlzeit versauen müssen und seither würden wir das Kochen unter uns aufteilen! Er liess es sich dann aber doch nicht nehmen, von den Kunas Hummer und Krabben zu kaufen und diese erstklassig zuzubereiten.

Hummer und Krabben von den Kuna

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Natürlich musste auch einige Arbeit an den, von Alain optimistischen gekauften14 Flaschen „Ron Abuelo“ geleistet werden. Apéritif, wie Alain es nannte.

Doch gegen Abend des vierten Tages karibischer Inselstimmung schien uns der Wind plötzlich gütiger gesinnt. Etwas unter Zeitdruck, da Fabians Rückflug in die Schweiz anstand, beschloss unser Kapitän kurzerhand, die Überfahrt nach Kolumbien anzugehen. So wurde gegen sechs Uhr ohne grosse Ankündigung der Anker gelichtet und in See gestochen. Nur zu blöde, dass die anderen drei Mitreisenden gerade dabei waren, einen Eintopf mit Huhn zuzubereiten. Kaum hatten wir den Schutz des Riffes verlassen, warteten auch schon die grossen Wellen auf uns – schon die erste schleuderte alle drei sammt Pfannen, deren Inhalt und drei Litter Öl durchs Boot. Eine riesen Sauerei! Danach war keinem mehr nach Essen zumute und wir legten uns beim Rattern des Motors schlafen – bis dieser kurz vor Mitternacht aussetzte! Wir ahnten nichts Gutes. Doch Alain meinte dies wäre kein Problem, und suchte eine Ersatzpumpe, welche aber nicht aufzufinden war. Aber immer noch kein Problem! Wir würden einfach die Segel setzen, gegen den Wind kreuzen und das Problem am nächsten Morgen bei Tageslicht angehen – in fünf Minuten sei dies repariert. Er legte sich schlafen und wir durften draussen abwechseln, dem Autopilot Gesellschaft leisten und alle zwei Stunden den Kurs wechseln. Schlafen war bei dem Wellengang und der Schieflage des Bootes sowieso ein akrobatisches Unterfangen. Da wir ohne Motor nur auf die Segel angewiesen waren und der Wind wieder gegen uns war, mussten wir um überhaupt vorwärts zu kommen, möglichst hart am Wind segeln. Dieser kam genau dort her, wo wir hin wollten. Das Boot lag daher meist so schief, dass man sich zum schlafen irgendwo festhalten oder mit den Beinen versperren musste um überhaupt auf dem Bett liegen zu bleiben und nicht von jeder zweiten Welle durch die Gegend geschleudert zu werden.

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Als der neue Tag über einem endlos scheinenden, tiefblauen Ozean anbrach, mussten wir feststellen, dass sich die Wellen in der Nacht unsere Rettungsinsel geschnappt hatten. Eine ausgezeichnete Ergänzung zu den fehlenden Schwimmwesten und dem nichtvorhandenen Rettungsring. Zu diesem war aber wenigstens die Ortungslampe noch da, allerdings ohne Batterien. Alles sehr ermunternd! Wir waren also für die anstehende 48-Stunden-Überquerung der wilden Gewässer zwischen Panama und Kolumbien bestens ausgerüstet und uns konnte nichts passieren….ausser, dass wir eher 100 Stunden oder mehr benötigen würden. Keine guten Aussichten. Glücklicherweise sah dies Alain genauso.

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Da sich der Motor auch bei Tageslicht nicht flicken liess wurde eine Kursänderung beschlossen. Anstatt weiterhin ohne Motor, dafür mit Wind und Wellen gegen uns und somit ohne Aussicht auf Erfolg, in die hohe See hinaus zu steuern drehten wir lieber um und wollten den ersten Hafen in Kolumbien, Sapzurro, anlaufen. Kein Problem meinte Alain, laut Computer würden wir dort in 6 Stunden einlaufen – taten wir natürlich nicht. Dank des geänderten Kurses war der Wind etwas weniger gegen uns und wir kamen teils gut vorwärts – will heissen wir segelten mit zügigen 4-5 Knoten (8-9 Km/h) und kamen der Küste näher und näher…

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….bis sich der Wind aus dem Staub machte und uns ohne Antrieb und mitlerweile ziemlich frustriert auf dem Meer sitzen liess. Wir versuchten zwar noch eine alternative Wasserkühlung (per Gartenschlauch) einzubauen, doch scheiterte auch dieser Versuch dem Motor wieder Leben einzuhauchen.

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Damit aber keine Langeweile aufkommen konnte, bahnte sich gegen zehn Uhr Abends auch schon ein dunkles Gewitter am fast schon fluoreszierenden Horizont an! Eine Szene wie aus einem Piratenfilm. Dieses tobte sich die ganze Nacht mal mehr und mal weniger stark um uns herum aus. Alain meinte, dass wir eigentlich froh sein könnten, dass kein hoher Wellengang mehr herrschte, jetzt wo unser Boot ohne Wind und Motor manövrierunfähig war. Dies hat uns sehr beruhigt und wir legten uns irgendwann schlafen.

Das Gewitter klang erst gegen Morgen aus und wir erwachten auf einem nahezu glatten Meer. Wir kamen nicht vom Fleck und konnten es nicht fassen. Nach acht Tagen waren wir immer noch vor der, im Moment für uns jedoch unerreichbaren Küste Panamas – obwohl wir eigentlich schon vor drei Tagen hätten in Cartagena ankommen sollen! Das Wo war aber mittlerweile etwas in den Hintergrund gerückt, viel wichtiger schien uns überhaupt irgendwo Land zu erreichen!

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Wir erwähnten Alain gegenüber den Gedanken, den nächsten Hafen um Hilfe anzurufen. Dies, und vorallem der Preis einer Abschleppaktion (bis zu 2000 USD), gefiel ihm gar nicht! Er stieg aber einmal mehr zum Motor hinunter und versuchte nochmals alles mögliche, um diesen in Gang zu bringen. Aber das Wasser wollte den Motor einfach nicht kühlen und er überhitzte nach kurzer Zeit. So trieben wir weiterhin ziellos umher und funkten sogar einen vorbeifahrendes Handelsschiff an, mit der Bitte uns abzuschleppen. Antwort: „No se puede, no se puede. La ley no permite.“ (geht nicht, das Gesetz verbietet es“). Schliesslich hatte Alain einen Einfall. Er habe ja noch einen Generator mit einer gleichen Wasserpumpe. Eventuell unsere Rettung? Diese wurde also kurzerhand ausgebaut – um festzustellen, dass es nur „fast“ die gleiche Pumpe war.

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Aber Alain bemerkte, dass das Problem im Deckel der defekten Pumpe liegen könnte. Dieser zeigte innen Verschleisserscheinungen, war etwas abgenutzt (und schon mal geflickt!) und es liess sich im Inneren der Pumpe nicht mehr der nötige Druck aufbauen. So wurden die Deckel ausgetauscht und siehe da: Die Pumpe lief, der Motor schnurrte und lief und lief ohne dass die Temperatur anstieg! Wir schienen gerettet, wollten uns aber noch nicht in Sicherheit wiegen und voreilig zu fest freuen. So tuckerten wir langsam aber zunehmend optimistischer auf die Küste zu, welche wir nach zwei Stunden des Hoffens dann auch wirklich erreichten und in die Bucht von Sapzzuro einliefen. Definitif Zeit für einen Apéritif!!

Land in Sicht, schon deutlich optimistischer!

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Zwar waren wir hier in einem Hafen und hatten Kolumbien erreicht, doch hatte die Sache einen Haken. Aus Sapzzuro führte keine Strasse hinaus! Da dieses Dorf im sogenannten Darien liegt und von Dschungel umgeben ist wäre es jedoch auch mit Strasse zu gefährlich gewesen, es auf dem Landweg zu verlassen. Wir packten also unsere Sachen und hievten alles auf ein kleines hölzernes Motorboot, welches uns dann der Küste entlang ins nur wenige Kilometer entfernt gelegene Capurganá brachte. Wir mussten Schwimmwesten anziehen, wenigstens die, für die es eine hatte.

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In Capurganá kletterten wir froh auf den festen Boden des Piers, untersuchten unsere Räder auf transportschäden und rollten dann etwas wackelig zum Zoll, wo wir 90 Tage Aufenthalt erhielten. Wir verabschiedeten uns von Kapitän und den beiden Kanadiern. Diese fuhren zurück aufs Schiff, da erst noch ein Weg gefunden werden musste, um die Motorräder nach Turbo zu transportieren.

Wir suchten uns mit Fabian ein Hotel, wo wir nachts immer wieder durch das starke schwanken des Schiffes erwachten. Dies sollte auch noch in der zweiten Nacht an Land so kommen, denn unsere See-Gehirne brauchten wohl noch etwas Zeit für die Umstellung zurück aufs Festland.

Tags darauf traten wir die Überfahrt nach Turbo an, dem Beginn der Strasse in Kolumbien. Eine Lancha, ein gefährlich schnelles Motorboot, brachte uns, unsere Fahrräder und etwa 30 andere Passagiere in zwei Stunden nach Turbo, dem letzten Hafen unserer Überfahrt. Dafür, dass sich die meisten Einheimischen vor der Abfahrt bekreuzigten und ein Helfer am Pier noch lachend „eine fröhliche Fahrt“ gewünscht hatte, verlief dieser Teil der Reise erstaunlich sanft und planmässig. Wenigstens hier hatten wir Glück und wir erreichten Turbo planmässig im Laufe des Morgens. Endlich hatte diese Odysse ein Ende, wenn auch weit entfernt von Cartagena.

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Panama | auf der Panamericana

842 Kilometer / 25 Tage

Reifenpannen: 1

Route: Guabíto – Almirante – Bocas Town – Bastimentos – Almirante – Rambála – La Mina – David – Tolé – Santiago – Aguadulce – Antón – La Chorrera – Panama City – Portobelo – Turtle Cay Marina – San Blas (Kuna Yala)

Bei strömendem Regen überquerten wir die Grenzbrücke zwischen Sixaola in Costa Rica und Guabíto in Panama und strampelten triefend die verbleibenden, hüglig-fordernden 50 Kilometer nach Almirante, von wo wir kurz vor Sonnenuntergang per Lancha (Schnellboot) zur Isla Colón, der grössten Insel der Gruppe, übersetzten.

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Unser Aufenthalt im viel gerühmten karibischen Bocas del Toro war von Regen geprägt. Wir verbrachten vier Tage in Bocas Town, von wo aus wunderschöne Strände mit dem Rad (wer eines hat) erreichbar sind – alle anderen fahren mit Bus oder Boot. Bereits unsere erste Expedition an einen Strand sollte aber scheitern. Bereits nach wenigen Kilometern gab in einer kleinen Abfahrt der „Freilauf“ an Robins Rad den Geist auf. Dies führt dazu, dass die Pedale mitdrehen und die Kette sich unter die Speichen mischt – keine angenehme Sache und obendrein etwas gefährlich. Dafür liess sich das Rad jetzt auch rückwärts fahren! Glücklicherweise waren ganz in der Nähe Arbeiten der Telefongesellschaft im Gange und so wurde das Rad kurzerhand auf die Ladefläche eines Pickups verladen und Robin wurde sammt Rad zurück ins „Town“ gefahren. Daina musste selbst in die Pedale treten. So verbrachten wir den Tag in der Werkstatt anstatt am Strand, wo sich zwar aus Mangel an Werkzeug das defekte Teil nicht ausbauen liess, sich aber glücklicherweise eine passende Hinterachse mit funktionierendem Freilauf fand und eingebaut werden konnte. Damit unsere nächsten beiden Rad-Strandausflüge dann erfolgreicher ausfielen.

Anschliessend machten wir drei Tage Regencamping am schönen, nach seinen kleinen Bewohnern benannten, „Red Frog Beach“ auf der kleinen Nachbarinsel Bastimentos. Die kleinen bunten Namensgeber verstecken sich allerdings schon im Wald. Wer sucht der findet…und in diesem Falle staunten wir auch noch.

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Dass Regen auch Vorteile haben kann erfuhren wir, als wir eines Morgens mit Erstaunen feststellen mussten, dass unser vermeintlich robustes Zelt gar nicht so wasserdicht war wie angepriesen. Als wir beim Aufwachen die Pfütze im Zelt entdeckten, setzen wir uns auf – und kurz darauf knallte auch schon ein beindicker, mehrere Meter langer Ast von einem nahen Baumriesen genau dort auf unser Zelt nieder, wo kurz zuvor noch unsere Köpfe gelegen hatten. Das Zelt hats unbeschadet überlebt, aber ob unsere Köpfe dies auch so elastisch eingesteckt hätten bezweifeln wir. Wär doch ziemlich schade um die gewesen!

Die nächsten beiden Etappen mit dem Ziel Panama City sollten uns über 730 Kilometer fordern. Der sportliche Radmechaniker in Bocas hatte die Strecke eben in elf Stunden mit dem Bus gemeistert und schätzte unsere Reisezeit auf optimistische 30 Tage – so lange dauerte es dann doch nicht. In drei Tagen überquerten wir die Kordilliere und damit die kontinentale Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik. Die Berge waren atem(be)raubend, gefühlte 60° Neigung steil, mindestens so heiss, unbarmherzig schattenfrei und voller Scheingipfel. Oben angekommen trennte uns jeweils nur eine kurze Abfahrt vom nächsten Anstieg. Kurz, wir kamen an unsere körperlichen Grenzen und Daina fiel im Anstieg sogar einmal vor Erschöpfung vom Rad. Völlig ausgelaugt mussten wir nach ein paar Stunden am Strassenrand ein Rad-Zeltboden-Notbiwak basteln um uns kurz hinzulegen. Etwas erholt und eine Stunde später am Strassenrand von einem Haufen saftiger Orangen mit Energie versorgt, erreichten wir gegen Abend nach über fünfzig Kilometern Martyrium unser Ziel, das erste Dorf am Weg. Von jetzt an gings am nächsten Tag aufwärts, beziehungsweise abwärts, denn wir erreichten nach einer wohlverdienten, ausgedehnten Abfahrt die Panamericana und kurz darauf Panamas drittgrösste Stadt, David.

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Nach zwei verdienten Ruhe-, Wasch- und Radpflegetagen in David machten wir uns an die verbleibenden 450 Kilometer, der Länge nach durch ganz Panama. Es waren lange, interessante Tage auf der Panamericana, die uns durch eine immer wechselnde, teils atemberaubende und teils eintönige, aber immer hügelige Landschaft führte. War es früh morgens teils neblig, so liess die Sonne aber selten lange auf sich warten um dann bis in den Nachmittag auf ums herunter zu brennen. Zur Sicherheit folgten aber dann meist um zwei oder drei Uhr noch ein paar Spritzer Regen.

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Wir begannen täglich früh um halb sieben Uhr, gönnten uns eine Kaffepause am Strassenrand nach etwa vierzig Kilometern, assen bei Tankstellenrestaurants oder kleinen „Tiendas“ (Läden) und nächtigten meist in „24-Stunden Hotels“ (die Betonung liegt hier eher auf „Stunden“).

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Jeder Tag brachte neue Überraschungen mit sich und es ergaben sich immer wieder Gelegenheiten zu plaudern – ob mit Passsanten, Verkäufern oder Fernfahrern. Je näher wir der Hauptstadt kamen, umso mehr nahm der Verkehr zu, umso „amerikanisierter“ wurden die Supermärkte und Tankstellen und umso breiter wurde die Panamericana selbst. Waren wir nach David auf einer normalen Strasse mit schmalem Seitenstreifen gefahren, so wurden es 2 Tage und 200 Km später zwei Spuren und nochmals 100 Kilometer später kamen dann noch Leitplanken hinzu – wir fuhren praktisch auf der Autobahn, die dann aber erst die letzten 40 km vor Panama City auch so genannt wurde.

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Nach sechs langen Tagen im Sattel überquerten wir dann am Freitag, den 29. November die „Puente de las Americas“ über den Kanal nach Panama City. Um uns nochmals zu fordern gab es hier zwar eine Art Trottoir, dieses war aber von hüfthohen Mauern begrenzt und leider zu schmal für uns mit unserem Gepäck. So blieb uns nichts anderes übrig, als mit dem restlichen Verkehr die enge und zu allem Übel rechts und links mit Mauern und Zaun begrenzte Brücke zu überqueren – reine Nervensache bei dem starken Verkehr.

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Panama City ist eine grosse, hektische aber auch vielfältige Stadt, die mit einer imposanten Skyline auftrumpft.. über die Qualität der Highrise-Gebäude liesse sich sicher streiten, besonders beim genaueren Hinsehen. Aber da die ganze Stadt etwas nach Verfall aussah mussten sich die Hochhäuser wohl anpassen – die imposanten Riesenmalls im Stile der Estados Unidos am Stadtrand hingegen nicht.

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Nach 4 Tagen Weihnachtsrummel (die Leute kamen aus ganz Panama um am „black friday“ Schnäppchen zu ergattern) schwangen wir uns wieder in die Sättel, zogen die Helme in die Stirn und fuhren wiederum hüglige 105 Km nach Portobelo – vom Pazifik an den Atlantik. Die frühmorgentliche Beinahe-Überfahrung einer Coral (eine hochgiftige, rot-weiss-schwarz geringelte kleine Schlange) und der Verlauf der Strecke entlang zweier Schleusen des Panama-Kanals waren schöne und unverhoffte Zugaben. Trotzdem erreichten wir Portobelo erschöpft.

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Der kleine, von Spaniern 1579 gegründete Hafen hat eine wilde Geschichte hinter sich, wurde er über die Jahrhunderte immer wieder von Piraten angegriffen und geplündert, so etwa vom berüchtigten Capitain Henry Morgan (der hier mit 450 Mannen zwei Wochen lang wütete) und vom britische Seefahrer Sir Francis Drake. Letzterer soll nach seinem unrühmlichen Durchfalltod (hat er wohl Salat gegessen?) vor der Bucht von Portobelo, hier in einem Bleisarg seine letzte Bleibe gefunden haben. Sicher ist sicher. Piraten wurden deshalb hier noch nie gerne gesehen, wir hingegen schon.

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Wir begannen sogleich mit der Suche nach einem Schiff, der einzigen Möglichkeit um ohne zu fliegen nach Kolumbien zu gelangen. Hielten wir erst nach einem Handelsschiff für die Überfahrt Ausschau, so suchten wir nun vermehrt nach einem Segelschiff. Dies sollte uns, im Gegensatz zu den Handelsschiffen in Kolumbien, nicht in Turbo, einer Hafenstadt mit schlechtem Ruf nahe der Grenze zu Panama, sondern direkt in Cartgena absetzen. Zudem bot es uns die Möglichkeit, ein paar Tage durch die idyllischen Inseln von San Blas zu segeln. Oh wie schön ist Panama – und es sollte noch besser werden.

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