Mongolei | der Weg nach Sibirien


September 2017
6,5 Tage im Sattel / 10 ‚Ruhetage‘
522 km, 20 % asphaltiert

Planänderung — geschlossene Grenzen & zermahlene Tretlager
Offroad nach Sibirien — über Dünen, Pässe & durch bunte Wälder
Amarbayasgalant — ein Kloster & kein Weg nach Norden
Tracks & Trails — wer sucht, der findet!

Route | Ulaanbaatar – Batsumber – Zuunkharaa – Bayangol – Khutul – Amarbayasgalant – Zuunburen – Sükhbaatar – Altanbulag (Hier geht’s zu Detailkarte & gpx-Dateien)

Zwei Tage Erholung hatten wir uns in Murun (Mörön) gönnen wollen, doch wieder einmal kam alles anders als geplant. Denn Nachfragen ergaben, dass der nächste Grenzübergang nach Russland für Nicht-Mongolen und Nicht-Russen weiterhin gesperrt blieb. Damit hatten wir zwar insgeheim bereits gerechnet, mussten nun aber einen Umweg von 700 km zur russischen Grenze in Altanbulag in Kauf nehmen.

Letzte Blicke zurück nach Murun. Uns ist noch nicht bewusst, wie bald wir dorthin zurückkehren werden.

Alle Versuche, ein Tretlager aufzutreiben schlagen fehl. So kommen unsere übergrossen Räder zu Logenplätzen im Bus nach Ulaanbaatar.

Frischen Mutes und mit einer notdürftig zurechtgelegten Alternativroute zum nächstgelegenen, für alle Nationalitäten geöffneten Grenzübergang im Gepäck, rollten wir vier Tage später auf der Hauptstrasse aus Murun hinaus. Wir kamen sechs Kilometer weit — bevor wir mit Verdacht auf ein kaputtes Tretlager an Robins Rad umkehren mussten. Ein Verdacht, der sich bestätigte. Damit waren wir mit einem Problem konfrontiert. Die nächste Möglichkeit zur Beschaffung von Ersatzteilen war gut 800 km entfernt in der Hauptstadt. Versuche, uns ein Tretlager senden zu lassen, scheiterten am Fehlen des nötigen Spezialschlüssel zum Ausbau des Lagers. Einen solchen Schlüssel selbst herzustellen, beziehungsweise einen ähnlichen Spezialschlüssel für ein altes russisches Motorrad anzupassen, misslang ebenfalls. So blieb uns nichts anderes übrig, als unsere Räder in einen Bus nach Ulaanbaatar zu packen, wo das Problem nach fünfzehnstündiger Fahrt im Handumdrehen gelöst werden konnte. Bei dieser Gelegenheit gönnten wir unseren Rädern auch neue Ketten — auch Ketten verschleissen — und der herzliche und kompetente Besitzer der ‚Giant‘-Mongolia-Vertretung stattete uns gleich noch mit einem Tretlager-Schlüssel für alle Fälle aus.

Wir waren bereit für die nächste Etappe, diese bedurfte jedoch etwas Planungsarbeit. Um die Hauptverkehrsachse zur russischen Grenze in Altanbulag zu meiden und möglichst nur ungeteerte Strassen zu befahren — es soll auch Spass machen! —, arbeiteten wir unter Zuhilfenahme dreier (!) verschiedener Landkarten sowie der Onlinekarten von ‚Openstreetmaps‘, ‚Google Maps‘ und ‚Google Earth‘ eine Route heraus, welche unwegsame, durch Flüsse abgetrennte Regionen verband. Sie stellte sich dann als abwechslungsreicher heraus, als wir zu hoffen gewagt hatten.

Ulaanbaatar verliessen wir auf geradem Weg nach Norden. Schon bald hatten wir Sand unter den Reifen und suchten unseren Weg quer durch die Berge. Den Anweisungen von Bauern folgend fuhren wir eine Route, die noch direkter war als jene, die wir im Vorfeld mittels Karten festgelegt hatten. Doch nicht alle Wege führten ans Ziel und wir standen eines Morgens vor verschlossenen Toren einer mongolischen Goldmine. Die Männer am Tor waren freundlich und hilfsbereit, doch Einlass wollte man uns nicht gewähren — und Goldbarren konnten wir aus der Ferne keine schimmern sehen. Schade eigentlich! Ein andermal fand unser Zelt aus Mangel an windgeschützten Alternativen seinen Platz zwischen Mähdreschern und Traktoren eines Camps von Feldarbeitern. Die offerierte Suppe war bei den kalten Temperaturen sehr willkommen.

Nördlich von Ulaanbaatar folgen wir immer wieder der Eisenbahnlinie.

Was wir in Südamerika und Australien gelernt haben gilt auch hier: Wo Telefonmasten sind, da ist meist auch ein Weg.

Wir kommen durch Dörfer, treffen Menschen und sorgen für Druck in den Reifen der Kleinsten.

Die Natur hält uns bei Laune, überrascht uns und lässt in dieser Gegend so manchen nach Gold suchen. Wir suchen das Glück und finden es, immer und immer wieder.

Wir fallen aus allen Wolken, als wir westlich von Bayangol plötzlich auf mächtige Dünen stossen. Umso grösser ist die Freude!

Die Pfade sind sandig. Wir feuen und verfahren uns, kommen aber trotzdem ans Ziel.

…und jagen dabei an manch einem bunten Ovoo vorbei…

…der Abendsonne entgegen.

Weiterhin zieren Jurten die Täler. Wir fragen aus Respekt um Erlaubnis zum Campen. Die Familien leben oft unter einfachsten Bedingungen und nehmen uns trotzdem mit offenen Armen auf. Schöne Momente, die uns nachdenklich stimmen.

Der Weg zum Kloster von Amarbayasgalant ist schön, abgelegen und unglaublich abwechslungsreich.

Nach zwei langen, kalten Regentagen geniessen wir die Sonne!

Eine willkommene Abwechslung auf halber Strecke nach Norden bot das buddhistische Kloster von Amarbayasgalant. Es war, dank seiner Abgeschiedenheit in den Bergen, relativ gut erhalten geblieben und lud zum Verweilen und Aufwärmen im kleinen Dorf mit dem selben Namen ein. Dass so ein Ort allerdings nur über zwei holprige Jeep-Tracks von Süden her erreichbar sein soll, konnten und wollten wir nicht glauben. Wir bohrten nach, suchten auf Google Earth nach Spuren und bekamen schliesslich Hinweise auf einen Track, welcher uns nach Norden — oder vielleicht nach Osten? — führen mochte. Wir konnten der Versuchung nicht widerstehen und brachen schliesslich auf. Zwei Tage lang fragten wir uns durch und kamen dabei durch leuchtend gelbe Wälder, wir stiegen über Pässe in Täler, die über weitere Pässe in andere Täler führten. Wir unterbrachen Nomaden beim Ausnehmen einer Ziege, bekamen aus blutigen Händen Käse geschenkt, wurden vor Wölfen gewarnt und hofften dabei immer, unser Ziel auch wirklich auf dem eingeschlagenen Weg erreichen zu können. Was wir nicht ganz ohne Erleichterung auch taten. Unter tosendem Beifall eines strahlenden Regenbogens überquerten wir, sieben erlebnisreiche Tage und 490 holprige, aber vielfältige Kilometer nach unserer Abfahrt aus Ulaanbaatar, den Fluss Orkhon nahe der kleinen Stadt Sükhbaatar — und hatten damit wieder Asphalt unter den Pneus. Es trennten uns nur noch 30 km bis zum kleinen Grenzort Altanbulag. Dahinter lag Sibirien.

Das Kloster von Amarbayasgalant, von Bergen beschützt, scheint es uns voller Teenager-Mönche zu sein.

Wir verlieren uns in den Details und Malereien des Klosters.

Sonnenstrahlen lassen das Gold für uns leuchten und wir fühlen uns nach Tibet zurückversetzt.

Amarbayasgalant, weniger ein Dorf als ein Tal voller Jurten.

Während die Menschen im Dorf ihrem Alltag nachgehen….

…wacht Buddha über dem Dorf, in Stein gemeisselt…

…und mit Gold überzogen.

Beim Kloster von Amarbayasgalant sind wir laut Karten in einer Sackgasse. Dies können und wollen wir nicht glauben. Vagen Hinweisen von Einheimischen folgend erfragen wir uns die folgenden zwei Tage unseren Weg nordwärs. Dieser führt uns über Pässe, durch leuchtend gelbe Wälder…

…und über tausend rollende Hügel. Felder soweit das Auge reicht, in der Mongolei ein seltsames Bild.

Hier werden Jurten von Mähdreschern verdrängt. John Deere is here!

Schliesslich werden wir von den Windungen des Selenge in unsere Schranken gewiesen. Dieser mächtige Fluss, er mündet später in den Baikalsee, zertrennt den Norden der Mongolei und ist auch für uns ein unüberwindbares Hindernis.

Gewitterwolken treiben uns 30 km vor sich her — und ziehen dann in Sekunden über uns hinweg.

Was bleibt ist ein fantastischer Regenbogen über dem Orkhon.

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3 Kommentare zu “Mongolei | der Weg nach Sibirien

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