Georgien | im Grossen Kaukasus

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Juli 2018
8 Tage, davon 2 Ruhetage
663 km, 24’180 gestiegene Höhenmeter

Tusheti wild und ‚abgelegen‘
Abano Pass hinein und zurück
Atsunta Pass wenn aufgeben Sinn macht
Planänderung Hike-a-Bike über den Sazele-Pass
Georgische Heerstrasse überholt und abgedrängt

ROUTE | Matsimi (Grenze Azerbaijan) – Lagodekhi- Kvareli – Pshaveli – Abano-Pass 2926m (nordwärts) – Omalo (Tusheti NP) – Verkhovani – Nakaitcho-Pass (bike-hike) – Dartlo – Girevi – Atsunta-Pass – Girevi – Dartlo – Omalo – Abano-Pass (südwärts) – Pshaveli – Akhmeta – Tianeti – Roshka – Sadzele-Pass, 3087m (bike-hike) – Juta – ‚Georgische Heerstrasse‘ (Kreuzpass, 2379m) – Tbilisi (Tiflis) | Mehr zur Route hier.

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ROUTE | Lagodekhi – Tbilisi (von Osten her gefahren)   skalierbare Karte und GPX-Download hier

 

Georgien | die Rückkehr

Wir sollten in unserer Vorfreude auf die Rückkehr nach Georgien nicht enttäuscht werden. Bereits wenige Meter nach der Grenze bekam Daina von einer Frau Pflaumen in die Hand gedrückt und nur zwei Kilometer weiter wartete eine Feuerstelle im nahegelegenen Nationalpark als fantastisches Nachtlager auf uns.

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Schönes Willkommen bei der Einreise aus Azerbaijan.

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Campen beim Eingang zum Matsimi National Park, direkt an der Grenze zu Azerbaijan.

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Die Kakheti Region, im Westen Georgiens.

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Wegen eines verdorbenen Hotdogs, dem man seine üblen Absichten eigentlich hätte ansehen müssen, verbrachten wir 2 Tage in einem Hotel in Kvareli . Die Besitzer kümmerten sich rührend um ‚Guulllllli‘, wie sie Daina nannten. Gulli bedeutet auf georgisch Herz.

Doch so schön die erste Nacht beim nächtlichen Heulen der Schakale im ‚Lagodekhi Nationalpark‘, direkt an der Grenze zu Aserbaidschan, war, der eigentliche Grund für unsere Rückkehr nach Georgien blieben die Berge. Insbesondere wollten wir ‚Tusheti‘ erkunden. Diese abgelegene und im Winter über Monate von der Aussenwelt abgeschiedene Region reizte inmitten von unzugänglichen Bergen mit Pferdepfaden und wilder Natur. Direkt an der Grenze zu Russland liegt sie hinter hohen Pässen an der Grenze zu Dagestan und Tschetschenien in den Bergen des Grossen Kaukasus.

Tusheti | der Grosse Kaukasus

Tusheti liegt nicht eben am Weg und ist schwer zu erreichen. Die einzige Strasse führte über den 2936 m hohen Abano-Pass, dem ‚Tor‘ zu Tusheti. Wir erhielten bereits einen Vorgeschmack darauf, was tiefer in den Bergen und während einem Grossteil des Aufstiegs im Nebel versteckt auf uns wartete. Doch bereits beim Aufstieg zum Abano-Pass begann es zu regnen und in den folgenden beiden Tagen versanken die Berge und Pfade des ‚Tusheti‘ National Parks in Regen und Schlamm. An Weiterfahrt war nicht zu denken und nach einer Nacht im Zelt nahe des ‚Hauptortes‘ Omalo suchten wir Unterschlupf auf dem Balkon eines Guesthouses.

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Vom tropischen 400 MüM windet sich die Strasse zum Abano Pass endlos die steilen Flanken hoch.

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Die Piste ist durchwegs gut fahrbar, aber nur im Sommer geöffnet.

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Höher oben zieht Nebel auf, Regen kommt und geht.

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Blick zurück, immer schön! Doch der Weg nach oben ist noch weit.

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Die Abfahrt in den Tusheti National Park und nach Omalo lässt uns juchzend ins Tal donnern und überraschte uns mit einem unerwarteten Gegenanstieg von 800 Höhenmetern zum Schluss.

Zwei Tage später, bei den ersten Sonnenstrahlen, bepackten wir unsere Räder. Wir liessen das malerische Omalo und seine Wehrtürme hinter uns und machten uns auf, um erst in einem grossen Loop Tusheti zu erkunden und dann unser eigentliches Ziel und zugleich das grosse Fragezeichen dieser Etappe in Angriff zu nehmen. Der Atsunta-Pass lockte uns schon lange und war mit ein Grund für unsere Rückkehr nach Georgien via Armenien, Iran und Aserbaidschan.

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Frisches Brot direkt vom Bäcker hält uns in Omalo bei Laune.

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Das Dorf Verkhovani nistet sich, typisch für Tusheti, in einen steilen Hang. Die Dörfer sind grösstenteils nur im Sommer bewohnbar.

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Der Aufstieg zum Nakaicho Pass ist schmal und vom Regen durchnässt.

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Irgendwann lassen wir den Wald hinter uns, doch es bleibt steil.

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Nach dem langen Regen wollen alle an die Sonne.

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King of the Hill! In diesem verlassenen Weiler oberhalb von Verkhovani sind wir für eine Nacht die einzigen menschlichen Bewohner.

Doch bereits beim ersten Bike-Hike, von Verkhovani zum Nakaicho-Pass hinauf kamen uns Zweifel. Im steilen und oft ausgesetzten Gelände fanden wir mit unseren Sneakers nur schlecht Halt und stürzten beide mehrmals beinahe in die Tiefe. In Anbetracht dessen, dass wir uns nun auch auf Trampelpfaden für Kühe, Geissen und Schafe und den einen oder anderen Wanderer bewegten, verwunderte dies auch wenig. Und unsere Räder, richtige Panzer und in rauem Gelände nicht zu stoppen, fühlten sich auf diesen schmalen Pfaden und engen Kehren dann eben auch genauso an – sperrig, übergross und über längere Strecken und schwierige Passagen kaum tragbar. Zweifelnd erreichten wir schliesslich die kleine Ortschaft Girevi. Die Etappe über den Atsunta-Pass sollte dann aber noch länger, rutschiger und steiler werden als das, was wir gerade hinter uns hatten, und wir rechneten dafür mit bis zu vier Tagen.

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Um besser vorwärts zu kommen, binden wir unsere Lenker- und Satteltasche zu einem Rucksack zusammen. So kommen wir deutlich schneller voran.

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Blick nordwärts vom Nakaicho Pass. Unter uns wachen Wehrtürme über die Täler und in der Ferne glitzern die hohen Berge Tschetscheniens.

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Etwas höher geht noch, wir steigen von der Passhöhe weiter auf.

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Suchbild: Finde Daina.

Durch die Nähe zu Tschetschenien musste für die Weiterreise bei einem provisorisch erscheinenden Posten des georgischen Zolls eine Bewilligung eingeholt werden. Aufmunternde Geschichten darüber, wie steil und rutschig der Weg über den Pass momentan war, gab es umsonst dazu. Doch weit kamen wir nicht. Bereits nach nur wenigen Kilometern mehreren Stunden wurde uns klar, dass dies keinen Sinn machte. Der Weg, ein schmaler Fusspfad, wand sich durch steile Flanken höher und tiefer ins Tal hinein. Mühsam schoben, hoben, zogen und zerrten wir unsere schweren Räder über unendlich erscheinende Abfolgen von Felsblöcken und -platten. Dabei waren wir immer nur einen Schritt vom Abgrund entfernt. Ein Fehltritt, Stolpern oder Rutschen würde unweigerlich mehrere hundert Meter weiter unten, unschön, enden – im besten Fall nur für eines der Räder. Dieses über die Felsen Navigieren erforderte Geschick. Und leider hatten wir am Vortag den Schlüssel zum Entfernen der Pedale verloren! Nun mussten wir in engen Passagen besonders darauf achten, mit den Pedalen nicht anzustossen, um nicht von Rad und Gepäck in den Abgrund gestossen zu werden. Uns kamen ernsthafte Zweifel. War die Überquerung dieses Passes das Risiko, hier abzustürzen, wert – noch dazu in Turnschuhen?!

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Bereits vor Girevi, dem Ende der Strasse zum Atsunta Pass, haben wir zu schleppen, sind aber noch frohen Mutes.

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Nach passierter ‚Grenzkontrolle‘ sind die Pfade schmal, nur noch wenige Abschnitte fahrbar.

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Zu zweit oder allein stemmen wir die schweren Räder über jedes neue Hindernis. In unseren ‚Sneakers‘ rutschen wir regelmässig ab. Uns kommen Zweifel und schliesslich kehren wir geknickt um. Doch wissen wir, es war die richtige Entscheidung war.

Immer wieder setzten wir uns hin, haderten mit uns und wollten nicht aufgeben. Doch eigentlich wussten wir beide, dass es nur eine Antwort gab: Wir mussten umkehren. Dies taten wir schliesslich und verbrachten den Abend, am Grenzposten in Girevi wieder ‚eingestempelt‘, geknickt und lustlos in unseren Nudeln stochernd, bereits wieder näher bei Omalo.

Sadzele | neuer Pass, neuer Plan

So kam es, dass wir tags darauf den Abano Pass ein zweites Mal überquerten, diesmal in die andere Richtung. Denn bereits hatten wir einen neuen Plan ausgebrütet. Zurück in der ‚Khaketi‘-Region (400-500 MüM), Georgiens Weinanbau-Gebiet, wollten wir in einem grossen Bogen via Tianeti westwärts und wieder hoch in die Berge nach Roshka fahren um von dort über den Sadzele Pass nach Stepantsminda, auch Kasbegi genannt, an der georgischen Heerstrasse zu gelangen. Zurück im Tal fehlten uns nach Roshka knapp hundertfünfzig oft schöne und staubige Kilometer. Doch nun tickte die Uhr: Benötigten wir nach Roshka 2 Tage und für den Pass maximal 2 weitere, so blieben uns nochmals 2 Tage für die Fahrt nach Tiflis (147 km). Dies liess uns dann noch genau einen Tag, die Räder zu verpacken und dann in Kutaisi unseren Heimflug anzutreten. Sollte klappen.

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Blick zurück auf der Abfahrt vom Abano-Pass.

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Nach zwei Tagen im Flachland erreichen wir Roshka und schlagen unser Nachtlager einige hundert Meter oberhalb davon auf. In freudiger Aufregung auf den nächsten Tag.

Im 50-Häuser Dorf Roshka, bereits wieder auf 2000 MüM gelegen, hörten wir auf den Rat eines Ortskundigen und entschieden uns, entgegen unseres ‚ursprünglichen‘ Plans, für den Sadzele-Pass. Im Gegensatz zum nahen, aber etwas höheren Roshka Pass, war der ‚Sadzele‘ aber kein Wanderweg, sondern wurde vor allem von Hirten, Schafen und Ziegen genutzt. Nach einer kalten Nacht wenige hundert Höhenmeter oberhalb des Dorfes, war wieder einmal ‚Hike-a-Bike‘ angesagt Schieben. Der oft kaum sichtbare Pfad hielt uns den ganzen Morgen beschäftigt und belohnte uns mit einer endlosen Abfahrt und einem faulen Nachmittag mitten im Nirgendwo, von hohen Gipfeln umzingelt. Am nächsten Morgen erreichten wir nach wenigen Kilometern eine Ansammlung von Zelten, wo uns von verblüfften, wortkargen Zollbeamten die Einreise zurück nach Georgien genehmigt wurde ausgereist waren wir nie.

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Während nicht weit entfernt Wanderer zum Chaukhi-Pass hoch strömen, wird der Sadzele-Pass eher für die der Landwirtschaft genutzt.

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Man grüsst freundlich, hält seine Hunde zurück und geht seines Weges.

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Am Wegrand aufgefallen.

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Kurz nach Roshka verlassen wir die Strasse und folgen den schmalen Pfaden der Schaf- und Ziegenherden.

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Und bald kommt das Unvermeidliche: Wir schieben.

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Die Serpentinen scheinen kein Ende zu nehmen.

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Wir freuen uns über jedes ‚flache‘ Stück und geniessen das Panorama.

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Die letzten Meter zur ‚Passhöhe‘, bereits in freudiger Stimmung.

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Saddle Pass, 3087 MüM

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Wer hoch schiebt, darf runter fahren wenigstens den grössten Teil.

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Mit einem breiten Grinsen im Gesicht brausen wir Bilderbuch-Trails hinunter.

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Warum zurück in die Zivilisation eilen, wenn man einen letzten Nachmittag, umgeben von hohen Bergen, auf der faulen Haut liegen kann?

Keine Stunde später erreichten wir das Dorf ‚Juta‘. Nun trennten uns noch 160 Km von Tiflis, das meiste davon asphaltiert. Doch ein letztes Schotter-Ass hatten wir noch im Ärmel. Wir wollten vermeiden, uns auf der stark befahrenen Hauptstrasse nach Tiflis zu quälen. Viel lieber wollten wir auf Pisten und Schotter bleiben und uns über bellende Hirtenhunde freuen – mittlerweile hatten wir den Dreh raus.

Auf direktestem Weg (und vor allem auf Schotter!) südwärts fahrend, wollten wir zwei durch einen Pass verbundene,Paralleltäler als Abkürzung nutzen. Allerdings war unklar, ob die Strecke überhaupt befahrbar war wir hatten anderes gehört, von verschütteten Strassen und abgerutschten Hängen es nicht geglaubt und scheiterten nun bereits nach wenigen Kilometern. Und nun, da wir nichts unversucht gelassen hatten, waren wir bereit für den Verkehr. Vor uns lagen 145 Km auf der stark befahrenen ‚Georgischen Heerstrasse‘, seit der ‚Abspaltung‘ von Abchasien und Südossetien von Georgien die einzige Landverbindung nach Russland.

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Zurück auf der ‚Strasse‘ kommt der mächtige Kazbeg (5033 MüM), an der Grenze zu Russland, in Sicht. Wir passieren erste Dörfer und bereiten uns bereits auf den Schwerverkehr vor.

Die Georgische Heerstrasse | neuer Pass, neuer Plan

Doch trotz des Asphalts und starken Verkehrsaufkommens hatte diese strategisch nicht unbedeutsame Strasse ihre Reize. Von hohen Bergen und Gebirgszügen umgeben wand sie sich südwärts, über den malerischen Dschwari-Pass (Kreuzpass, 2379 m) und vorbei an Georgiens Ski- und Heliski-Destination Gudauri, einem aus dem Boden gestampften Resort mit dem Charme von Schuhschachteln inmitten einer atemberaubenden Berglandschaft. Tiflis rückte näher und der Verkehr wurde dichter, doch eine letzte Nacht im Zelt unter Sternen liessen wir uns nicht nehmen. Dann waren wir bereit für die zugegebener Massen etwas sentimentalen letzten 80 Kilometer.

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Nach den ersten Minuten auf der schwerbefahrenen ‚Georgischen Heerstrasse‘ sind wir etwas frustriert. Doch hey, es gilt zu geniessen!

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In der Abfahrt vom Kreuzpass (2379 m) sitzt plötzlich dieses Bauwerk mitten in der Berglandschaft.

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Ringsum und darüber herrscht emsiges Treiben. Touristen aus der ganzen Welt schiessen hier Selfies oder machen Tandemflüge.

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Restaurants, Raststätten: Die Vorzüge einer Hauptstrasse.

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Beasts

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Und wir!

Tiflis | Heimreise

Beim Hauptbahnhof wo Essen, Metro und abgrundtiefes Elend nicht weit ist fanden wir ein kleines Hotel mit Zimmern gross genug für unsere Räder und einem Preis tief genug für unsere Vorstellungen (21 €/Nacht mit Küche und mörderischem Geschrei). Dank dem einkalkulierten Reserve-Tag blieb uns neben der (obligatorischen) Suche nach flugfähigen Fahrradkartons und der fachgerechten Zerlegung und Verpackung der Räder auch Zeit für anderes. Für Essen zum Beispiel – denn unsere körperlichen Reserven waren aufgebraucht!

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Entlang der Heeresstrasse zieht eine Sehenswürdigkeiten nach der anderen vorbei, ladend zum Halten und Verweilen. Die Touristen sind in Scharen da. Wir verweilen bei ein paar Tassen Kaffee, beobachten das Treiben, raten Nationalitäten und blicken auf die Reise zurück.

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Tiflis, wir sind zurück!

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Im Taxi durch Tiflis. Mit Sack und Pack und (verpackten) Rädern im Kofferraum treten wir die Heimreise an. Kopf und Herz voller Bilder! ნახვამდის, auf Wiedersehen Georgien, Deine Berge, Deine Menschen!

 

Und hier die Bilder in der Galerie zum Anklicken:

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Aserbaidschan | ‚Azerbaijan Baku‘

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Juli 2018
13 Tage, davon 7 Tage im Sattel, 6 Ruhetage
611 km, 5’759 hm
100 % asphaltiert

Begegnungen – Wirte, Selfies & Coca-Cola
Alltag – Pannenstreifen, Tee & Gegenwind
Baku – wo Petro-Dollars sichtbar werden

ROUTE | Bilasuvar (Grenze Iran) – Ələt (Älät) – Baku – Qobustan Mərəzə – Samaxi – Ismaylli – Gəbələ (Gabala) – Səki (Seki) – Balakən (Balakon, Grenze Georgien) Mehr zur Route

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ROUTE | Bilasuvar – Baku – Balakən (skalierbare Karte und GPX-Download hier)

Aserbaidschan | Azerbaijan Baku!

Während andere im Schatten von Bäumen Bier tranken, feierten wir unsere Ankunft in Aserbaidschan (Azerbaijan; Azərbaycan) mit Eiscrème. Den Anblick des armenischen Einreisestempels in unseren Pässen hatte der Grenzbeamte mit einem verständnislosen, ja enttäuschten, sinngemässen ‚Nein, warum wart Ihr bei den Barbaren?!‘ kommentiert. Weiter ging er aber nicht darauf ein, wir blieben ihm eine Antwort schuldig und man hiess uns willkommen.

Vom Moment unserer Ankunft an erlebten wir die Azeri als sehr freundliche und aufgestellte Menschen, die unsere 13 Tage in Aserbaidschan mit ihrer offenen und herzlichen Art prägten. Begegnungen, wenn auch oft flüchtig und immer zufällig, die unvergessen bleiben.

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‚Selfies‘ und Tee direkt an der Grenze Iran-Aserbaidschan. Die örtliche Mode sticht ins Auge.

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Allgegenwärtiger Personenkult soll vom Zerfall der Infrastruktur ablenken: Heydər Əlirza oğlu Əliyev, ehemaliger Staatspräsident. Sein Clan hält das Land fest im Griff.

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Ausserhalb von Baku kämpfen Menschen in Azerbaijan täglich ums Überleben. Dieser Mann verkauft Fische auf der Autobahn, damit das Geld reicht.

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Für den Zustand dieser Dusche in einem Hotel in Bilasuvar trifft das Regime jedoch keine Schuld.

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Der ‚Coca-Cola-Mann‘ und seine Helfer. Unsere Wege kreuzen sich mehrmals. Beim letzten Mal hielt er auf der Gegenfahrbahn einer Autobahn an und überquerte vier Fahrspuren zu Fuss, um uns je eine Flasche Coca-Cola zu bringen.

Von unfreundlicher Art zeigten sich einzig die starken Winde, die uns hartnäckig von Baku fernhalten wollten. Wir lieferten uns stundenlange Duelle mit ihnen, wobei sie uns teils beinahe von der Strasse und in die Leitplanken bliesen. Dies nötigte uns zu ausgedehnten Teehausbesuchen, wo wir von den Wirten mit Käseplatten, Joghurt und Salaten verpflegt wurden.

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Im Kampf gegen Windböen: Kurvenlage auf endlosen Geraden vor Baku.

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Bremsen, anhalten, zurücksetzen. Für ein paar Selfies auf der Autobahn tut man doch alles.

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Musik hält das Pfeifen des Gegenwindes von den Ohren fern.

Unterschlupf fanden wir bei Einbruch der Dunkelheit in einem nagelneuen Feuerwehr-Ausbildungszentrum. Die beiden wachenden Mannen der Feuerwehr kümmerten sich rührend um uns, und nachdem wir unser selbstgekochtes Abendessen fast verschlungen hatten, luden sie uns zum Essen ein – damit wir mal etwas Richtiges zu essen hätten. Gespült wurde mit einer nicht verhandelbaren Flasche Wodka, die die Unterhaltung auf Russisch, Azeri (einer türkischen Sprache) und Englisch noch anheizte.

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Die Feuerwehr, dein Freund und Campingplatz.

Nach zwei Tagen durch Dörfer in verschiedenen infrastrukturellen Zerfalls-Stadien fanden wir uns in Baku in einer anderen Welt. Hier werden die Petro-Dollars also ausgegeben! Baku die Weltstadt – was am Stadtrand mit Villen begann, wurde in den Vororten zu grosszügigen Wohnanlagen und steigerte sich im Zentrum schliesslich zu einem Bau-Wahn à la Ashgabat. Hinter kilometerlangen, nagelneuen Hafenpromenaden und überschattet von Hochhäusern warteten Parks, Wasserspiele und Nobelboutiquen auf Besucher. In Bakus westlichem Zentrum tummelten sich vorwiegend Gäste aus der russischen und der arabischen Welt. Hotpants und Burkas assen bei McDonalds, shoppten und flanierten auf den Promenaden.

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In Baku prallen Alt und Neu ungebremst aufeinander.

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Öl wird plötzlich sichtbar. Am Stadtrand von Baku pumpen kleine und grosse Fördertürme um die Wette …

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…während im Zentrum Touristen um die Wette shoppen.

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Manche beobachten das Treiben mit Gelassenheit.

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Andere bringen sich in Pose. Baku.

Nach Baku wurde es wärmer, ja heisser! Bei Temperaturen knapp unter 50 Grad verliessen wir die Stadt im dichten Verkehr. Bei dieser Hitze lockten unnatürlich steile Schotterstrassen und grosse Umwege wenig. Wir entschieden uns stattdessen für Asphalt, mit der Aussicht auf regelmässige Abkühlung im Schatten – oder aus Gefriertruhen.

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Dieser Wirt serviert uns spannende Geschichten und heissen Tee.

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Ein Abschiedsgeschenk: Hausgemachtes Rosenwasser – man lasse sich nicht von der Flasche täuschen – gehört in Aserbaidschan in den Tee.

Die Tage flogen auf Pannenstreifen von Autobahnen und Überlandstrassen vorbei. Morgens krochen wir jeweils bereits mit stiller Vorfreude auf das Mittagessen aus dem Zelt und nachts heulten uns Schakale in den Schlaf. Trotz des sich wiederholenden Tagesablaufs blieb es dank vielen Begegnungen spannend. Von einem Wachmann lernten wir, wie Knoblauch nachts die Schlangen vom Zelt fernhält. Der Wirt eines Teehauses an der Strasse berichtete, wie er als Gefängniswärter in der Sowjetunion hätte Gefangene erschiessen sollen; darauf sei er geflüchtet. Und ein weiterer Wirt beschenkte uns zum Abschied mit einer (grossen) Flasche Rosenwasser für unseren Tee (in Azerbaijan eine Delikatesse), und – damit kein Hunger aufkommen konnte – steckten uns Brot backende Frauen dampfendes, ofenfrisches Fladenbrot sowie Passanten Früchte zu.

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Brot wird hier noch mit Stil geliefert …

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… oder an Ort und Stelle im heissen Ofen zubereitet.

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Die Bäckerin in ihrer Werkstatt.

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Während im Alltag die traditionelle Kleidung längst verschwunden scheint, finden wir auf Häusern und Mauern Bilder davon.

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Entlang dem ehemaligen Verlauf der Seidenstrasse fahren wir durch Aserbaidschan. Heute findet sich hier definitiv mehr Strasse als Seide.

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Natürlich statten wir im Städtchen Seki (Səki) der ehemaligen Karawanserei einen Besuch ab. Kamele gab es dort keine mehr…

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… dafür Touristen.

Unsere Zeit in Aserbaidschan war kurz, die Tage lang, die Strassen geteert – wir haben sie genossen.

Iran | Im Norden

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Juni 2018
9 Tage, davon 4 in Tabriz
468 km, 7’782 hm
2 Pässe, 100% geteert

«Welcome to Iran!» – Empfang mit offenen Armen
Dresscode – Jeans, Kopftuch & lange Ärmel
Menschen – im Land der Gastfreundschaft
Strasse – auf Asphalt über 1000 Hügel
Hitze – Nachmittage im Schatten

ROUTE | Agarak (Grenze Armenien) – Kharvana – Arzil – (Pass, ~2’450 m) – Ammnad – Täbris (Tabriz) – Heeris – (Pass, ~2’500m) – Meshginshahr – Kangarlu – Moradlu – Germi – Bilasuvar (Grenze Azerbaijan) Zu Karte und GPX-Datei

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ROUTE | Agarak (Grenze Armenien) – Täbris (Tabriz) – Bilasuvar (Grenze Azerbaijan) Zu Karte und GPX-Datei

Iran | Im Norden

Lange Zeit war bei einer Reise in den Iran das nötige Visum die grosse Hürde. 2004 hatte uns etwa die iranische Botschaft in Bischkek, Kirgisien, geschlagene zwei Wochen warten lassen. Diese Hürde hatten wir mit dem Erhalt des Visums in Jerewan bereits erfolgreich gemeistert. Die zweite Herausforderung war anderer Natur. Im Iran herrschen strikte Kleidervorschriften, besonders für Frauen. Das Tragen eines Kopftuchs ist – ausser in den eigenen vier Wänden – Pflicht. Ärmel und Hosenbeine müssen jeweils bis zu den Knöcheln reichen und dürfen nicht zu eng anliegen. Zwingend aber muss das Oberteil auch den Hintern bedecken. In der Praxis sind diese Regeln zwar verbindlich, werden aber für Touristinnen in den meisten Gegenden mit Nachsicht ausgelegt. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass auch Radfahren für Frauen im Iran eigentlich verboten wäre.

Ausserdem – und keinesfalls zu vernachlässigen! – lässt sich an iranischen Geldautomaten mit ausländischen Karten kein Bargeld beziehen. Die Reisekasse sollte in US Dollar oder Euro mitgeführt werden und kann vor Ort ‘schwarz’ (und zum doppelten des schlechten, offiziellen Wechselkurses) in iranische ‘Rial’ gewechselt werden. Dass die Preise im Iran jedoch nicht in ‘Rial’, sondern in ‘Toman’ (10’000 Rial = 1 Toman) angegeben werden, macht es nicht eben einfacher und scheint selbst die Iraner regelmässig zu verwirren. Die Nacht in einem Hotel in Täbris kam uns auf 600’000 Rial (60 Toman oder 8 USD) zu stehen, 1 Mal Duschen pro Person inbegriffen.

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‚Mashad Hotel‘ in Tabriz. Durch dunkle Vorhänge vor Blicken geschützt.

Mit einem Kopftuch und einer regelkonformen Über-den-Hintern-Bluse für Daina im Gepäck waren wir in Jerewan aufgebrochen und hatten uns weiter keine Gedanken mehr gemacht. Als uns aber an der iranischen Grenze plötzlich ein heisser Wind entgegenschlug, wurde es Daina mulmig. Würde sie bei dieser Hitze in Jeans und ‘Vollvermummung’ Radfahren können? Sie bekam es plötzlich mit der Angst zu tun, doch führte kein Weg daran vorbei. So schüttelte sie auf der Grenzbrücke zum Iran ein letztes Mal ihr Haar im Wind, legte das Kopftuch über und rollte die hochgekrempelten Ärmel lang.

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Iran, ab jetzt mit Kopftuch – immer.

Unser Plan für den Iran war simpel. Möglichst direkt wollten wir von der armenischen Grenze in Agarak die 160 km südlich gelegene Stadt Täbris (Tabriz) erreichen, um dann in nordwestlicher Richtung zur aserbaidschanischen Grenze zu fahren.

Die Reise durch den dünn besiedelten, bergigen und oft wüstenartigen Norden begann, keine 20 km nach unserer Einreise in den Iran, mit einer eigenartigen Begegnung. Ein Motorradfahrer hielt an und zeigte uns, nachdem er uns vor Schlangen gewarnt, mehrmals in sein Funkgerät gesprochen und ungeduldig neugierige Autofahrer durchgewunken hatte, ein Bild. Darauf war (wahrscheinlich) er selbst zu sehen, dem eine Pistole an den Kopf gedrückt wurde. Angesichts seines nicht eben glücklichen Gesichtsausdrucks auf dem Bild und der Tatsache, dass wir bei gefühlten 45 Grad mitten in einer ausgetrockneten Mondlandschaft standen, mutete dies etwas seltsam an.

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Über Hügel und Pässe windet sich die Strasse südwärts nach Tabriz …

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… und verschafft uns unerwartete Fernsicht.

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Dazwischen passieren wir einzelne Dörfer.

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‚Parvaz‘ passiert uns nach wenigen Kilometern im Iran. Er stellt Fragen, warnt uns vor Schlangen und zeigt uns merkwürdige Fotos.

Doch in den Stunden und Tagen darauf tauchten wir ein in ein Land der Gastfreundschaft. Einen ersten Geschmack davon erhielten wir, als wir gegen Abend dieses ersten Tages einen Platz für die Nacht suchten. Waren wir morgens durch menschenleere Gebiete mit scheinbar endlosen Camp-Möglichkeiten gefahren, war das Tal um uns herum nun dichter besiedelt und bis an die aufragenden Steilhänge heran mit Feldern überzogen. Schliesslich liess uns ein freundlicher Bauer neben seinem Feld campieren. Als wir gerade die letzten Nudeln aus der Pfanne kratzten, kam der Mann auf einem kleinen Esel geritten. In rührender Besorgtheit drückte er uns ein in Tuch gewickeltes Paket in die Hand: Ein Abendessen aus frischem Brot, Käse und Waben voller Bienenhonig, dazu einen Kanister voller Trinkwasser. Bevor er auf seinem Esel wieder in die Dunkelheit verschwand, hebelte er gleich auch noch das bewährte Bewässerungssystem aus Gräben, welches die Felder verband, für uns aus. Im Schein des eben aufgehenden Mondes genossen wir einen ‘Nachtisch’, der uns ob so viel Gastfreundschaft dankbar und nachdenklich stimmte.

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Nachtessen für die Reisenden. Ein Bauer überrascht uns mit einem Paket: Trinkwasser, Brot, Käse und triefende Honigwaben. Welch ein Empfang im Iran!

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Gegen Mittag sind wir für Leckereien immer gerne zu haben. Dieses Essen in einem Teehaus lässt uns noch lange davon träumen. Fast Food – nachhaltig.

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Brot kommt im Iran in vielen Formen daher. Wie oben, hauchdünn wie Papier, oder so wie hier. Was nach Skateboard aussieht, ist ein Brot. Morgens frisch beim Bäcker gekauft, wird es oft noch vor Ort verputzt.

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Wir gewöhnen uns gerne an direkt auf dem Gehsteig zubereitete Lammspiesse.

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An manchen Tagen aber ist Schatten rar und das Essen mitgebracht.

40 km vor Täbris wurde der Verkehr zusehends dichter. Die Dörfer schienen zu verschmelzen und schon bald fanden wir uns auf dem Pannenstreifen der Autobahn wieder. Nach zwei Monaten auf ruhigen Strassen, Pisten und Pfaden kam dies einem Kulturschock gleich und war ein Erlebnis für sich. Je näher wir der Stadt kamen, umso dichter wurde der Verkehr und umso mehr Spuren gesellten sich dazu. Zwischen diesen konnte man scheinbar spontan und ohne Vorwarnung wechseln! Auch schien es die Möglichkeit zu geben, ein überholendes Fahrzeug zu überholen, den Pannenstreifen für diesen Zweck zu nutzen oder darauf, falls nötig, die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen. Auch Einbahnstrassen schienen in ihrer Fahrtrichtung nur bedingt verbindlich zu sein. In einem Land, in dem der Staat die Regeln sprichwörtlich diktiert und Kontrolle allgegenwärtig ist, schien es uns oft so, als ob der Verkehr eine der wenigen Möglichkeiten für die Menschen biete, sich frei ‘auszudrücken’. Dass dies via Gaspedal geschieht, ist natürlich unglücklich.

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Eine Kreuzung mitten im Nirgendwo. Die Strasse wird breiter, der Verkehr bald dichter. Wir biegen links ab.

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Auf der Autobahn nach Tabriz – Immersion pur.

«Welcome to Tabriz!», «Welcome to Iran!», «Welcome to my country!» Immer wieder hörten wir solche Rufe von Passanten, ob alt oder jung, in der Stadt oder auf einem Feld. Menschen winkten uns im Vorbeigehen zu oder hupten hinter, vor und oft direkt neben uns. Man sprach uns an, wollte Englisch sprechen, Zeit verbringen oder uns einfach nur helfen. Beim Schlendern durch einen beliebten Park am Stadtrand von Täbris sprach uns etwa eine junge Frau an und wir verbrachten den Rest des Nachmittags bei Eiscrème und Gesprächen über das Leben, Familie, die Liebe und die Regeln hier und dort, bevor sie uns im Wagen ihrer Eltern zurück ins Zentrum fuhr.

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Tabriz mischt Tradition mit Moderne und trumpft gar mit einer westlich anmutenden Einkaufsmeile auf.

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Ein Kiosk im Zentrum von Tabriz.

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Der riesige Bazar von Tabriz, einer der grössten im Iran: Ein endloses Labyrinth von Gängen und Hallen.

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Tee oder Gewürze vielleicht?

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Nüsse in allen Formen und Grössen werden angeboten: Getrocknete Energie für lange Tage auf heissem Asphalt oder einfach handliche Snacks. Wir stocken auf.

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… und auch beim Käse greifen wir zu. Die arabischen Zahlen geben den Preis statt in der offiziellen Währung Rial in ‚Toman‘ an. Bezahlt wird trotzdem in Rial!

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Freitags ist der Bazar ausgestorben…

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Wir fahren zum beliebtesten Park der Stadt. Wir sind dort nicht die einzigen.

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Ein Nachmittag im Park. Eiscreme mit Fatima, die wir dort kennenlernen.

Anderswo wieder drückte man uns Brote in die Hand und immer wieder steckte uns jemand Früchte oder Süssigkeiten zu. Eins ums andere Mal wurden wir zum Tee eingeladen – so oft, dass wir nicht jedes Mal annehmen konnten – und während der Fahrt oder in Pausen am Strassenrand hielten Passanten an, um uns Wasser oder Getränke anzubieten oder uns wortlos kleine Geschenke in die Hände zu drücken.

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Im Bazar von Tabriz. Wir verhandeln hart, um bezahlen zu dürfen, ohne Erfolg.

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Selfie hier, Selfie da – Alltag im Iran.

Bizarr wurde es, als wir an einem heissen Nachmittag nordöstlich von Täbris von Ali in sein Haus zum Tee eingeladen wurden. Ali war mehrmals an uns vorbeigefahren und hatte schliesslich den Mut aufgebracht, uns anzusprechen und einzuladen. Wir versprachen ihm, ihn in seinem Haus im nächsten Ort zu besuchen, und tauschten Telefonnummern aus. Ali war noch keine Minute weg, da hielt das nächste Auto. Ein freundlicher Mann mit einem Rasenmäher auf der Ladefläche seines Pick-ups wollte uns zu sich nach Hause zu Tee und Essen einladen – ein Déjà-vu, was wir jedoch freundlich aber bestimmt ablehnen mussten.

Kurz darauf hielt ein weiterer Wagen. Ein junger Soldat drückte uns je eine Flasche Eistee und je eine Vanille-Eis in die Hand. Da er Dienst habe, könne er uns nicht einladen, entschuldigte er sich! Er brauste davon und schon wenige hundert Meter später, direkt am Ortseingang, wartete ein kleines Empfangskomitee von örtlichen Radfahrern auf uns zu, zusammen mit dem ‘Rasenmähermann’. Und auch Ali war da! Es wurden Fotos gemacht, Hände wurden geschüttelt und es wurde viel gelacht – am meisten lachte jedoch der sympathische Ali. Er hatte uns zuerst entdeckt, wir waren seine (wenn auch ob der gewöhnungsbedürftigen Aufmerksamkeit etwas verwirrten) Gäste.

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Wir werden erwartet – Empfang am Ortseingang.

Ali (auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin posten wir hier keine Bilder von Ali oder seiner Familie) führte uns zu seinem Haus, wo er uns seine liebe Frau Leila, seine Tochter und ihren kleinen Sohn vorstellte. Wir assen, tranken Tee, versuchten Sprachbarrieren zu überwinden und hatten eine gute Zeit. Aufgrund der Hitze mit Höchsttemperaturen weit über 40 Grad hatten wir vor, den Anstieg des bevorstehenden Passes noch am selben Abend in Angriff zu nehmen. So konnten wir zum einen im Sattel von den etwas kühleren Abendtemperaturen profitieren, zum anderen würden wir aber in der Höhe auch besser schlafen. Und dies, ohne dabei im eigenen Saft zu schmoren. Ali liess uns etwas widerwillig ziehen, bestand aber resolut darauf, mit seiner Familie im Auto voraus zu fahren und nach einigen Kilometern mit einem kleinen Snack auf uns zu warten. So jagten wir Kilometer um Kilometer den Pass hinauf, getrieben von der Angst, Ali zu enttäuschen. Doch als nach 25 km und über 1000 Höhenmetern immer noch kein Ali in Sicht war, begannen wir an Alis Plan zu zweifeln.

Schliesslich, wir hatten bereits einen Nachtplatz in der Nähe der Passhöhe ausgespäht, kamen sie zurück. Wie sich herausstellte, hatten sie an einem schönen See, nochmals 20 km weiter und bereits weit auf der anderen Seite des Passes, auf uns gewartet! Doch damit nicht genug. Mittlerweile etwas genervt, bestand Ali darauf, uns in sein Auto zu verladen. Auf Alis Drängen liessen wir unsere Räder (wenn auch sehr widerwillig) im Kuhstall von Leilas Verwandten zurück. So kam es, dass wir einen wundervollen Abend mit Ali und seiner Familie verbrachten. Die Frauen (auch seine Schwestern und sein Vater waren gekommen) tanzend im Haus, die Männer Tee trinkend auf einem Teppich im Garten, der Samowar ständig heisses Wasser für frischen Tee liefernd. Am nächsten Morgen setzte uns Ali wie versprochen wieder an derselben Stelle oben am Pass ab, wo unsere Räder von grossen, übel hustenden Hunden bewacht worden waren.

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In den Bergen leben im Sommer halbnomadische Hirten in Jurten und Zelten.

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Freundlicher Hirte. Die Rinder, Schafe und Ziegen der Nomaden grasen an den Hängen. Ihre Hunde sind gefürchtet und wollen uns ans Fleisch.

Auf unserem Weg durch den Iran änderte sich die Landschaft um uns herum ständig. Von kargen Wüsten und trockenen Flussläufen über grüne Oasen und wogende Weizenfelder bis hin zum schneebedeckten Vulkan und zu endlosen Hügeln war alles dabei. Was blieb, waren die Hitze und der von ihr diktierte Tagesablauf. Wir versuchten, so früh wie möglich auf der Strasse zu sein. In den morgendlich ‘kühlen’ Temperaturen liessen sich bereits 50 bis 70 Kilometer zurücklegen, bevor es spätestens nach 13 Uhr zu heiss zum Radfahren wurde und die Sonne uns in den Schatten zwang. Diesen suchten wir bevorzugt in Parks in Dörfern oder Städtchen. Aber auch Autobahn-Raststätten mit schattigen Rasenflächen oder bepflanzte Verkehrskreisel kamen uns gelegen – nein, wir waren nicht die Einzigen, die dort Schatten suchten. Als wir eines Mittags auf einer solchen Raststätte den Eis-Lieferanten bei seiner Arbeit beobachteten, malten wir uns aus, wie wir ihn überfallen und an seine süsse, kühle Fracht kommen würden. Dies erübrigte sich, als 20 km später eben dieser Lastwagen vor uns auf dem Pannenstreifen der Autobahn hielt und der Lieferant uns breit grinsend zwei exotische Eis in die Hände drückte. Kurz darauf war er nochmals da – er hatte vergessen, ein Selfie für Instagram mit uns zu schiessen!

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Nachmittags sind die guten Plätze im Schatten bereits besetzt. Dieser Verkäufer war in Plauderlaune.

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Diese Wanderarbeiter ziehen mit ihren Mähdreschern durchs Land. Sie drücken uns Gläser mit heissem Tee in die Hände. Und dann Selfie.

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Eiscreme, selten so gut! Bei Gegenwind und sengender Hitze drückt uns ein Eis-Lieferant auf der Autobahn je eine kühles Eis in die Hand!

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Über der Baumgrenze wird es stachlig und karg.

So freundlich die Menschen auch waren, immer wieder wurden wir mit den Regeln und Gesetzen der islamischen Republik konfrontiert, auch jenseits der Kleiderordnung. In Restaurants wurde uns ein Platz ‘bei den Familien’ zugewiesen und Teehäuser waren für Frauen tabu. Alkohol war es sowieso, obwohl wir den nach Georgien nicht wirklich vermissten. Männer sprachen erst mit mir, Frauen erst mit Daina. Als wir in einem kleinen Dorf im einzigen Laden etwas zu trinken kaufen wollten, war dort leider gerade nichts verfügbar. Kurzerhand führte uns der junge Besitzer zum nahen Teehaus, dem einzigen im Dorf. Dieses war geschlossen, wurde aber für uns aufgesperrt und es wurde Tee aufgesetzt. Während Robin im kühlen Inneren mit den Männern Tee schlürfen durfte, wurde Daina draussen in der Sonne von den Frauen des Dorfes herzlich aufgenommen und ausgefragt. Frau war unter sich. Selfies inklusive.

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Zu Teehäusern haben Frauen keinen Zutritt. Dieser freundliche Herr serviert Daina ihren Tee im Freien.

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Draussen gibt es keinen Schatten, doch viel muntere Gesellschaft!

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Die nächste Moschee ist meist nicht weit und der Rufe des Muezzin hallt weit in die Hügel hinaus.

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Regelkonform mit langer Bluse und Jeans. Unsere selbstgenähten Taschen halten, doch der Rücken von Dainas Bluse hält der täglichen Dosis Salz und Sonne nicht stand und verbleicht.

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Tee, im Iran immer und überall – getrunken mit viel Zucker.

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Auch überall: Propaganda.

Unsere Zeit im Iran war kurz. Wir hatten eigentlich nur einen Weg gesucht, von Armenien nach Azerbaijan zu fahren. Da die beiden Länder immer noch miteinander im Krieg um Berg-Karabach (Nagorno-Karabach) stehen, sind die direkten Grenzen geschlossen. Und hier kam der Iran ins Spiel. Wir wussten, dass es ein neues Kapitel dieser Reise werden würde, weg von den geliebten, staubigen Pisten und holprigen Pfaden, zurück auf die Strassen – damit zur traditionelleren Art des Radreisens – und nahmen es in Kauf.

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Glück trotz Asphalt.

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Abseits der Städte sind Irans Strassen zu fast 100% asphaltiert, aber über weite Strecken beinahe verkehrsfrei.

Hatten wir bei unserem letzten Besuch des Landes (2005, damals mit dem Rucksack von Asien her) den Iran der Städte, der gekachelten Moscheen und der historischen Stätten besucht, so wurde diese neue Reise durch den Iran der Menschen, geprägt von Freundschaft und Begegnungen. Eine Reise, die jeden Meter heissen Asphalts wert war! Aber es machte uns auch nachdenklich und zeigte uns auf, was Freiheit wirklich bedeutet und wie ein Leben ohne sie sein kann.

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Doch im Sattel sind wir frei, auch bei erbarmungslosem Gegenwind.

Nichtsdestotrotz waren wir froh, als wir am Grenzübergang in Bilasuvar nach einer letzten freundlichen Passkontrolle ins Niemandsland zu Azerbaijan entlassen wurden – und Dainas Haare wieder frei im Winde wehen durften.

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Die Mullahs wachen über dem Grenzübergang nach Azerbaijan in Bilasuvar und wollen nicht geknipst werden. Fotografiert durchs Moskitonetz aus der Dunkelheit unseres Hotelzimmers.

Galerie:

 

Armenien | Berge & Klöster

Juni 2018
21 Tage, davon 7 Ruhetage
727 km, 15’966 hm
6 Pässe, davon 3 ungeteert

Frühling – im Land der Aprikosen
Berge – Pässe & endlose Blumenwiesen
Hirtenhunde – Bestien im XXL-Format

ROUTE | Grenze Georgien (Bavra) – Trchkan Wasserfall – Shirakamut – Spitak – Vanadzor – Margahovit – Meghradzor (via H27, GPX Tracks zum Download) – Hrazdan – Arzakan – Saralanj – Yeghvard – Yerevan – Geghard – Geghamagebirge (GPX Tracks zum Download) – Nshkark – Selim Pass – Shatin – Karmrashen – Sisian – Vorotnavank Kloster – Shenantagh – Tatev (GPX Tracks Shenantagh – Tatev hier) – Karpan – Meghri (via M17) – Agarak (Grenze Iran)

ARMENIEN

Bereits die letzten Dörfer in Grenznähe zu Armenien haben sich nicht mehr georgisch angefühlt. Die Menschen sahen anders aus, sprachen armenisch und die Autos waren (noch) klappriger. Aprikosen, so hatte man uns bereits gesagt, wären in Armenien am besten. Und unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Sie waren süss, fruchtig, saftig und vor allem omnipräsent! Waren wir nicht gerade abseits jeglicher Zivilisation in den Bergen, so verging selten ein Tag, an dem uns nicht jemand frische Aprikosen in die Hände drückte. Mehr als einmal sprangen Aprikosenhändler vor uns aus ihren überfüllten kleinen Ladas, um uns mit den süssen Früchten zu überhäufen. Manchmal gab es dazu gleich auch noch anderes Gemüse.

Von den Aprikosen abgesehen, haben wir an Armenien keine Erwartungen gehabt. Umso schöner war es, ein Land voller offener, freundlicher und herzlicher Menschen bereisen zu dürfen. Passanten und Hirten kamen auf uns zu, löcherten uns mit Fragen und gaben uns Tips. Autofahrer hielten, boten uns Wasser an. Und bereits im ersten Dorf nach der Grenze drückte uns ein Soldat je ein Glacé in die Hände: „Welcome to Armenia!“

Selbst genäht für diese Reise: Satteltaschen am Sattel/Hinterradträger sowie an Lenker/Vorderradträger vermitteln ein komplett neues Fahrgefühl. Das Gewicht ist da, doch wirkt es sich (anders als die Seitentaschen) kaum auf die Fahreigenschaften des Rades aus.

Armenien blüht und strahlt in allen Farben!

Weniger freundlich begrüsst wurden wir, besonders in abgelegenen Gegenden, von den armenischen Hirtenhunden. Diese Bestien im XXL-Format drehten bei unserem Anblick teils völlig durch und wurden zu Löwen. Altbewährte Hunde-Deeskalations-Taktiken wie Brüllen, Drohen oder Gegenangriff halfen nur begrenzt. Die Hunde drehten kurz ab, nur um Sekunden später, noch wütender, wieder zum Angriff überzugehen. Es blieb uns nur, auf Hilfe zu warten und zu hoffen, dass diese eintraf, bevor die Hunde zubissen. Hilfe kam dann meist in Gestalt eines Hirten aus einem nahen Zelt geschlurft. Teils waren die Viecher aber so in Rage, dass sie die Kommandos ignorierten und von den Hirten nur durch rabiates (sprich brutales) Zerren an den Hinterbeinen von uns abgebracht werden konnten. In einem Fall machte dies einen der Hunde – sein Kopf fauchte und triefte auf Ellbogenhöhe! – so wütend, dass er den Kopf seines Kameraden keine zwei Meter neben uns zu zerfleischen begann.

Wo Hirten sind, warten oft Hunde auf uns.

Wenigstens mit den Menschen klappte die Kommunikation meist problemlos, trotz unserer rudimentären Russisch-Kenntnisse. Englisch war hier viel weiter verbreitet als im benachbarten Georgien.

Wie in der ganzen Kaukasus-Region war der Frühling 2018 sehr nass ausgefallen. Unsere erste Woche in Armenien war dann auch von Gewittern geprägt. Der Staub der Nebenstrassen verwandelte sich in klebrigen Schlamm, kleine Bäche wurden zu Flüssen und eine Passstrasse glich einer Wasserrutsche. So war statt Fahren immer wieder Schieben angesagt, und die Crocs an unseren Füssen zeigten hier ihr wahres Können.

Leicht gepackt ist gut getragen – könnte man denken.

Bei Margahovit steigen wir hoch und folgen einer alten Strasse südwärts über die Berge.

Dunkle Wolken drohen, doch meistens sind wir schneller.

In Afrika, genauer in Gabun, hatte man uns vor einigen Jahren befohlen, vor dem Besuch der Hauptstadt aus Respekt gefälligst (!) unsern alten Jeep zu waschen. In Erinnerung daran – und um unsere Chancen bei der Hotelsuche zu erhöhen – gönnten wir unseren Fahrrädern am Stadtrand von Jerewan, der Hauptstadt Armeniens, eine ordentliche Reinigung, die an ein Schaumbad grenzte.

Schaumbad for hard working bikes.

Jerewan wir kommen!

Als erstes galt es dann in Jerewan auf der iranischen Botschaft ein Visum zu ergattern. Den nötigen Antrag hatten wir bereits zwei Wochen zuvor online gestellt. Dies ist aber kein Garant dafür, das Visum auch wirklich zu bekommen. Doch die Botschaftsmitarbeiter waren freundlich und zuvorkommend. Sie hakten beim Ministerium in Teheran nach – und drei Tage später hatten wir beide ein gültiges Visum im Pass! Wir konnten es kaum glauben, hatten wir doch mit dem Schlimmsten gerechnet: Beim letzten Mal, 2004 in Bishkek, Kirgisien, hatte man uns nämlich geschlagene zwei Wochen täglich antraben und warten lassen!

Die fünf Tage in Jerewan, einer schönen, grünen und überraschend westlichen Stadt mit 1 Mio. Einwohnern, nutzten wir auch zur Planung der Weiterreise. In stunden-, wenn nicht tagelangem Studium vom Onlinekarten (Openstreetmaps, OpenHikeHD) entstand eine Route durch die Berge.

Der Plan ging auf. Unsere Route führte uns von Jerewan nach Osten durchs das Geghamagebirge (Geghama Lerrnashght’a) zum Selim-Pass – ein grosser Umweg, aber ein schöner! Nach gut 30 km ging der Asphalt in Schotter über und nochmals 15 km später war von der Strasse nichts mehr übrig. Es blieben sanfte Spuren im Gras, dort wo einmal Autos gefahren waren. Dann verschwanden auch diese. Aber Smartphone- und Offline-Navigation sei Dank, wir hatten unseren Lotsen namens Samsung in der Tasche! Vorbei an den letzten Zelten der halbnomadischen Bauern, welche jetzt hier oben ihre Sommercamps errichteten, schoben wir die Räder immer höher, bis wir auch die letzten Kühe und Schafe hinter uns gelassen hatten.

Gesucht, gefunden. Schnell sind wir abseits jeder Zivilisation.

Der nasskalte Frühling hatte seine Spuren hinterlassen, an vielen Flanken und in schattigen Passagen lag noch meterdick Schnee. Nach einer Nacht im Zelt, zwischen hunderten Felsbrocken vor dem beissenden Wind geschützt, kamen auf der Weiterfahrt unsere breiten Reifen hier so richtig in Fahrt und zauberten uns ein breites Grinsen in die Gesichter. Umgeben von schneegekrönten Bergen rollten wir über saftige Wiesen, durchquerten sumpfige Senken im Sattel und ‚cruisten‘ über grosse Schneefelder. Wir waren im Bikepack-Paradise – und es sollte noch besser kommen.

Oberhalb vom 2500 m ist der Boden noch sumpfig von der Schneeschmelze.

Vorbei am ‚Geghasar‘ mit seinen 3’443 m. Viel fehlt nicht zum Gipfel.

Oberhalb von 3’000 m liegt teils noch Schnee. Wir haben unseren Spass, für alle anderen Fahrzeuge ist die Strecke unpassierbar.

Mit der (namenlosen?) Passhöhe auf 3‘199 m erreichten wir den höchsten Punkt dieser Route. Weit unten, auf 2‘000 m, glitzerte der Sewan-See in der Sonne, direkt dahinter ‚Bergkarabach‘ (‚Nagarno Karabach‘) und die Waffenstillstandslinie zu Aserbeidschan, mit welchem Armenien seit 1991 offiziell im Krieg steht. Doch ‚Nagorno Karabach‘ war für uns ‚off limits‘. Obwohl es ruhig ist und ein Besuch problemlos möglich gewesen wäre, wollten wir nicht riskieren, deswegen dann an der iranisch-aserbeidschanischen Grenze zurückgewiesen zu werden.

Vor uns lag jetzt eine der bisher unvergesslichsten Abfahrten hinunter in die Ebene, von wo uns nur noch ein kurzer Aufstieg zum Selim-Pass (2‘410 m) trennte, der früher auch als Vardenyats Pass bekannt war. In Ermangelung eines Pfades holperten und kurvten wir an die 1000 Höhenmeter hinunter – auf einem scheinbar endlosen Teppich von farbige Blumen.

Ein Traum in bunt. Blumenwiesen soweit das Auge reicht!

Eine unvergessliche Abfahrt: 1000 Höhenmeter Blumenwiesen!

… … Blumen!

Dieser freundliche Hirte reitet verdutzt auf uns zu, als wir von hoch oben herabkommen. Seine Tipps zum Umgang mit Wölfen sind aufschlussreich … wie auch die Warnungen vor seinen Hunden!

Hier oben hatte um diese Jahreszeit niemand mit uns gerechnet! Auf der Passhöhe schlug unsere Erscheinung zwei Füchse in die Flucht, wenig später suchten zwei Wölfe das Weite. Diese wären für Menschen keine Bedrohung, erklärte uns später ein freundlicher Hirte in einer Mischung aus Russisch und Zeichensprache – man müsse sie bloss erschiessen, bevor sie beissen. Zum Abschied warnte er uns dann noch vor seinen eigenen Hunden!

Ausblick vom Selim-Pass: Armenien scheint aus Bergen zu bestehen … und die Osttürkei in der Ferne ebenso.

So schön es auch wäre, Schotterstrassen und Blumenwiesen stehen nicht täglich auf dem Programm. An manchen Tagen ist Asphalt Trumpf.

Unsere Route durch Armenien bestand aus einer einzigen Abfolge von Tälern und Pässen. Generell begannen wir nach 19 Uhr nach einem Campspot Ausschau zu halten. Einmal, nach Sisian, es begann bereits einzudunkeln und Gewitterwolken zeigten gewaltige Drohgebärden, hatten wir immer noch keinen Nachtplatz gefunden. Und dann öffnete sich unverhofft das Tal vor uns. Und gab den Blick auf ein altes Kloster frei. Das Kloster ‚Vorotnavank’ sass auf einem Felsvorsprung und bot uns, im Schein der letzten Sonnenstrahlen, seinen Schutz an – den wir dankend annahmen! Das Kloster aus dem 11. Jh. war verlassen, es war durch ein Erdbeben im Jahre 1913 teils beschädigt, aber wunderschön. So hatten wir es in all seiner Pracht für uns alleine! Mit Blick auf den alten Friedhof und den klostereigenen Aprikosengarten platzierten wir das Zelt windgeschützt im Hof und kochten, während sich rundherum das Gewitter austobte, ein bescheidenes Abendessen. Göttlich!

Und göttlich ging es dann auch gleich weiter, mit einem Besuch beim (viel bekannteren) Kloster von Tatev.

Das verlassene Kloster Vorotnavank bei Sisian bietet Schutz. Wir nehmen dankend an und campieren neben den dicken Mauern.

Wir erkunden die Kapelle, die Gemächer und alle möglichen nasskalten Kammern…

… und staunen ob der alten Steine und Inschriften.

… dieser hat jedoch seine Tücken. Er führt über einem Pass, ist teils überwachsen und die letzten zweihundert Höhenmeter sind nicht fahrbar.

Der Besuch des Klosters von Tatev will verdient sein. Wir suchen und finden einen Weg abseits von Asphalt und Verkehr …

Der Weg sei das Ziel, doch auch das Kloster ist schön.

Der Grenze zu Nagorno Karabach folgend hielten wir südwärts und erreichten schliesslich, keine 20 km von der Grenze zu Iran, den Meghri Pass. Und damit traten wir ein in eine völlig andere Welt. Das üppige Grün, das wir in Armenien so geliebt und genossen hatten, wich einer schroffen, kargen Wüstenlandschaft. Gegen Böen in Backofentemperatur fuhren wir hinab in die Hölle, die hier in trocken-staubigem Braun gehalten war.

Entlang der Grenze zu Nagorno Karabach finden sich stumme Zeugen sinnlosen Blutvergiessens, verlassen am Strassenrand. Der Helm hat mehrere Löcher …

Zwischen Mohn und Bergen: Ausblick vom Meghri-Pass (2’254 m) und zugleich nach vorne.

Doch Armenien hatte noch eine letzte Überraschung für uns bereit. Am Grenzfluss zum Iran, weniger als 20 km vor der Grenze in Agarak, wurden wir an einem Checkpoint angehalten. Zu unserem Erstaunen wurden hier unsere Pässe (und auch unsere Fotos auf Robins Telefon!) von Soldaten kontrolliert. Auf Nachfrage stellten wir erstaunt fest, dass es sich bei ihnen nicht etwa um armenische, sondern von russische Soldaten handelte. Man traute uns anscheinend nicht! Waren wir Fahrradspione? Wollten wir vielleicht heimlich den Grenzfluss durchschwimmen? Zur Sicherheit setzte man danach zwei Russen in Zivil in einem schwarzen Lada mit getönten Scheiben auf uns an. Ihren Auftrag, uns auffällig zu beschatten, unfreundlich zu kontrollieren und bedrohlich zu blicken, haben sie über eine gewisse Strecke perfekt ausgeführt.

Am Ende der Serpentinen wartet ein russischer Checkpoint auf uns. Und dahinter ein neuer Abschnitt dieser Reise: Der Iran.

Nach genau drei Wochen in Armenien war es an der Zeit weiterzuziehen. Land und Leute hatten uns begeistert, Aprikosen täglich unser Leben versüsst, und die Berge hatten sich von ihrer besten Seite gezeigt – wir wären am liebsten geblieben. Merci Armenien! Շնորհակալություն Հայաստան!

Georgien | Westlicher Kaukasus

Mai / Juni 2018
22 Tage
986 Kilometer, 21’777 gestiegene Höhenmeter

Tiflis – Sattelt die ‘Pferde’!
Kaukasus – Pässe, Schlamm & Schnee
Menschen – harte Blicke, sanfte Seelen
Pläne – Georgien, Armenien, Iran, Aserbaidschan

ROUTE | Tiflis – Gori – Sachkhere – (Track über Pass) – Ambrolauri – Tsageri – Lentheki – Zagari-Pass (2’650 m) – Ushguli – Mestia – Kutaisi – Sairme – Aspindza – Vardzia – Akhalkalaki – Ninotsminda / Bavra (Armenien)

Georgien tickt anders. Dies merkten wir gleich nach unserer Ankunft in Tiflis, als uns der Besitzer des ‘Hostels’ morgens um 5 Uhr als erstes Bier vorsetzen wollte. Er habe soeben seine neue, eigene Wodka-Destille getestet – wie uns schien erfolgreich. Nach über zwölf Stunden Reisezeit mit fünf Stunden Aufenthalt in Istanbul, mussten wir übermüdet ablehnen. Dass dies nicht immer so einfach sein sollte, würden wir in den nächsten Tagen noch feststellen.

So verbrachten wir die ersten beiden Tage in Tiflis damit, die Stadt zu erkunden, unsere Räder zusammenzusetzen und das Gepäck an den Rädern festzumachen. Einmal mehr hatten wir im Vorfeld dieser Reise unser Gepäck optimiert und neue Taschen genäht. Mehr dazu aber im Detail in einem Blogpost zum Ende der Reise, voraussichtlich Ende Juli 2018.

Ausserdem wollte auch noch die im Vorfeld (grob) geplante Route angepasst werden. Denn – wer hätte das gedacht – oberhalb von 2000 m über Meer lag immer noch Schnee und viele Pässe schienen noch unpassierbar. Doch ein neuer Plan war schnell gefasst: Wir wollten erst einmal westwärts fahren und dann, in einem grossen Bogen den ‘Kleinen Kaukasus’ erkundend, wieder nach Osten abdrehen, um schliesslich nach Baku ins benachbarte Azerbaidschan zu gelangen. Von dort wollten wir Mitte Juni nach Duschanbe in Tajikistan fliegen, um die hohen Berge des Pamir zu befahren.

Dieser Plan war gerade einmal zwei Tage alt, als wir im kleinen Städtchen Gori (der Geburtsstadt Stalins, die 2008 im Krieg um Südossetien von der russischen Armee angegriffen und besetzt worden war) der Verlockung der hohen Berge nicht widerstehen konnten. Anstatt weiter westwärts zu fahren, drehten wir nach Norden ab und folgten dem südossetischen Grenzverlauf – unerwartet Checkpoint-frei – nach Norden, wir hielten geradewegs auf die Berge zu.

Tbilisi (Tiflis): Stahlrahmen und dicke Reifen

Wir erkunden die Stadt …

…. während andere im Sonnenschein tanzen.

Stalin, im kleinen Städtchen Gori geboren, lebt in manchen Gärten weiter

Georgien blüht und wir sind mitten drin.

… andere ebenso.

Aber nicht alle stehen gerne im Mittelpunkt.

Doch wie so oft verlaufen die Strassen nicht dort, wo man sie gerne hätte. In Sachkhere versperrte uns eine Bergkette den direkten Weg und versuchte uns zu einem Umweg von etwa drei Tagen zu zwingen. Aber dank Smartphone und digitalen Karten fanden wir schnell eine direkte, wenn auch ungewissere Route von Sachkhere nach Ambrolauri. Bei der örtlichen Feuerwehr in Sachkhere, wo wir um einen Platz zum Campen im Garten gefragt hatten, hielt man die Passierbarkeit des Weges für ungewiss. Gewiss aber sei es dort steil und schlammig. Auch riet man uns – mittels ‘Google Translate’ – von jener Route ab und warnte uns insbesondere davor, die Nacht oberhalb der Baumgrenze zu verbringen. Bären, Wölfe, „Problema!“ Durch solche Aussagen etwas unter Druck, brachen wir frühmorgens auf, um die Passhöhe auf über 2100 m vor Sonnenuntergang erreichen und überqueren zu können.

Und es wurde steil. So steil, dass wir bereits auf den ersten hundert Höhenmetern Aufstieg immer öfter aus den Sätteln gezwungen wurden. Als die steinige Strasse dann in eine schlammige Offroad-Piste überging, war an Fahren nicht mehr zu denken. Stattdessen wuchteten wir unsere beladenen Räder Meter um Meter vorwärts, aufwärts. Nachmittags um 3 Uhr, auf bereits 1600 m Höhe angelangt, warfen wir für einen Moment das Handtuch – beziehungsweise die Räder in den Dreck – und beschlossen umzukehren. Wir hatten bereits 1000 Höhenmeter zurückgelegt, wovon geschätzte 900 Höhenmeter geschoben. Doch zur Passhöhe fehlten uns noch immer 500 Höhenmeter – und jetzt sollte es erst richtig steil werden. Aber es liess uns keine Ruhe.
Zwei Stunden später standen wir auf der Passhöhe – eines Passes, dessen Namen wir nicht einmal kannten. Ziemlich erschöpft schoben wir unsere Räder über ein Schneefeld, bevor wir euphorisch in den Sonnenuntergang holperten. Abwärts, natürlich weiter ohne Asphalt.

Die Feuerwehr in Sachkhere lässt uns nicht im Garten zelten, sondern stellt uns ein leeres Zimmer zur Verfügung.

Wie sagten die Jungs von der Feuerwehr: Steil …

… und schlammig! Der Regen in der Nacht zuvor macht die Sache auch nicht griffiger.

Passhöhe auf 2’100 m. Wir erhaschen erste Blicke auf die weissen Riesen des Hohen Kaukasus … und die bevorstehende Abfahrt.

Doch erst gilt es noch ein kleines Schneefeld zu überqueren. Nachdem wir unsere Räder 1’500 Höhenmeter hochgewuchtet haben, fällt diese kleine Rutschpartie nicht mehr ins Gewicht.

Von den hohen Bergen im Svaneti National Park trennte uns 160 km später ein weiterer Pass (Zagari-Pass, 2’650 m), diesmal allerdings mit wirklicher Strasse – die aber stellenweise noch unter Lawinenkegeln begraben lag und daher für den Verkehr geschlossen war. Ein Glück, dass sich Fahrräder, wenn auch mühsam, tragen lassen.

Wenige Tage später wartet bereits der nächste Pass (Zagari-Pass, 2’650m) und hält statt Schlamm Schnee für uns bereit.

Im faulen Schnee finden wir keine Zeit, uns auf die faule Haut zu legen.

Oben angekommen fallen all die Mühen des zweitägigen Anstiegs von uns ab, es bleibt pure Freude!

Freude, gefolgt von einer Abfahrt nach Ushguli.

Das 2’100 m über dem Meeresspiegel gelegene Dorf Ushguli …

… trumpft mit Wehrtürmen und Ladas auf.

Doch uns interessieren besonders Kaffee, Cola und Kekse.

Der Pass ist bezwungen, doch dauert es noch lange, bis wir einen flachen Fleck für die Nacht finden.

Auch im Kleinem Kaukasus warteten Kurven, wie hier im Borjomi-Kharagauli Nationalpark.

Dort kämpfen wir uns nicht durch den Schnee, lassen aber unsere Entourage davor posieren.

Dank dicken Reifen geht’s auch ohne Federung mit Schwung talwärts.

Wie daheim, mit staunenden Kühen auf satten Wiesen.

In Aspindza kommen wir in den Genuss schwefelhaltiger Bäder mit Soviet-Charme.

Während man im Hohen Kaukasus Wehrtürme baute, versteckte man im Kleinen Kaukasus Klöster in Höhlen und Felswänden.

Das Höhlen-Kloster von Vardzia, vor 1’000 Jahren erbaut, beherbergte einst 50’000 Menschen.

Das Wetter spielt verrückt und fährt täglich dicke Wolken auf.

Wer aufsteigt, kann Ausblicke geniessen.

Da tut jeder Sonnenstrahl wohl. Nicht nur uns.

Wir nehmen uns Zeit, erkunden Wasserfälle am Wegrand …

…. und staunen über wundersame Blumen.

…. in allen Farben.

Obwohl die Natur uns täglich aufs Neue begeisterte und mit ihrer unglaublichen Vielfalt überraschte, waren unsere drei Wochen in Georgien von den Menschen geprägt. Harte Gesichter zerbrachen innert Sekunden in freundliches Lachen. Und war das Eis erst einmal gebrochen, brachten uns die Menschen eine enorme Herzlichkeit – und auch Trinkfreude – entgegen! Immer wieder wurde uns von Wildfremden Brot und Käse gereicht oder wir wurden durch ein verschwörerisches Schnipsen gegen die eigene Kehle zum Trunk geladen.

Eine Familie nahm uns im Regen spontan bei sich auf, verwöhnte uns mit einem herzhaften Abendessen, gefolgt von Gläsern voller Wodka. Auch am nächsten Morgen liess man es sich nicht nehmen, uns gut auf den Tag vorzubereiten: Parallel zum Frühstück wurden Trinksprüche ausgebracht, bevor die Gläser, erst mit rotem und dann mit weissem Wein gefüllt, auf ex gestürzt werden mussten. Was früher bei der Tour de France ging, ging auch hier – dafür setzte dann 40 km später in der prallen Mittagssonne der Kater ein.

Diese Familie lädt uns bei strömendem Regen spontan in ihr Heim ein.

Wir bekommen ein Bett zugeteilt, während Mutter und Tochter in der Küche schlafen.

Unsere Gastgeber. Wladimir und seine Frau.

Die Nächte verbrachten wir nach Möglichkeit im Zelt. Jeweils gegen 19 Uhr begannen wir auf abzweigende Wege oder Pfade zu achten und wurden meist schnell fündig. Wir übernachteten ungestört in Blumenwiesen, zwischen Feldern oder in Wäldern. Einmal aber begingen wir den Fehler, das Zelt zu früh aufzustellen, und dies an einem Samstag. Innert kürzester Zeit statteten uns betrunkene Herren aus der Nachbarschaft einen Besuch ab. Wir wurden begrüsst und umtorkelt, es wurde über die Fahrräder gestürzt, in lauwarmen Kuhfladen ausgerutscht oder darin getanzt und man wollte uns wiederholt in Ladas verfrachten, um irgendwo Wein oder Chacha (Schnaps) zu geniessen. Während alldem wurden im Minutentakt Brüderküsse verteilt – bevor die Show wieder von vorne begann.

In Georgien wird Gastfreundschaft gross geschrieben! Wir werden von schlemmenden Familien mit Brot, Käse und Wein eingedeckt.

Restaurants locken uns mit köstlichen Snacks aus den Sätteln.

Man lässt Arbeit ruhen …

… und zwingt uns, Pausen einzulegen.

Die Prioritäten sind jedoch eindeutig!

In diesen drei Wochen wuchs in uns die Überzeugung, von unserem ursprünglichen Plan abzukommen. Anstatt nach sechs Wochen Georgien und Aserbaidschan von Baku nach Tajikistan in Zentralasien zu fliegen wurde uns klar: Wir waren gekommen, um zu bleiben – jedenfalls in der Region. Eine Runde in der ‘Nachbarschaft’ klang verlockend. Wir beschlossen, nach Armenien zu fahren und mit Glück ein Visum für den Iran zu ergattern. Von dort liesse es sich dann durch Aserbaidschan wieder zurück nach Georgien fahren – und bis dahin sollten auch die letzten Pässe des Grossen Kaukasus schneefrei sein. Mit diesem Plan im Gepäck verliessen wir Georgien und seine herzlichen Menschen und unglaublich schönen Landschaften nach drei Wochen, 986 Kilometern und 21’777 gestiegenen Höhenmetern nach Armenien. Wölfe und Bären hatten wir noch nicht gesehen – sie uns vielleicht schon. Georgia, we’ll be back!

Südkorea | Küsten und Strände

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November 2017
8 Radtage, 4 Ruhetage in Busan
533 km, 100 % asphaltiert

Gangneung – endlich am Meer!
Häfen – Fischerdörfer & Industriestädte
Südkoreas Ostküste – Klippen, Strände, Fischerdörfer
Nächte – Strände, Parks & selten Motels
Busan – ein neuer Plan: Japan!

ROUTE GANGNEUNG – BUSAN | 533 km

Route Seoul - Busan

ROUTE Gangneung – Busan | Gangneung – Donghae – Samcheok – Uljin – Pyeonghae – Ulsan – Busan (mehr oder weniger dem ‚Ostküsten-Radweg‘ folgend) GPX-Datei und zoombare Detailkarte

GANZE ROUTE SÜDKOREA | SEOUL – GANGNEUNG – BUSAN (1113 km)

Route Gangneung - Busan

ROUTE SÜDKOREA | Seoul – Gangneung – Busan (1113 km) GPX-Datei und zoombare Detailkarte

Der ‚Ostküsten-Radweg‘ von Gangneung nach Busan

Nach zwei Wochen in den schönen, aber kalten koreanischen Bergen freuten wir uns auf etwas wärmere Temperaturen. Trotzdem wollten wir nach einem Nachmittag im Olympischen Dorf unser Zelt ein letztes Mal in den Bergen aufschlagen. Nach wenigen Kilometern erreichten wir die Passhöhe und konnten erste Blicke auf das „Japanische Meer“, das die Koreaner „Ostmeer“ oder „Koreanisches Meer“ nennen, geniessen. Die ausufernde Hafenstadt Gangneung erstreckte ihre Tentakel bis weit herauf in die Berge. Ehe wir uns versahen, waren wir in immer dichter besiedeltem Gebiet. Mehrere Versuche, einen geeigneten Campspot zu finden, schlugen fehl, plötzlich drängte die Zeit. Die Sonne verschwand am Horizont und kurz darauf war es stockdunkel – während wir immer noch einen Nachtplatz suchten. Schliesslich liess man uns im Garten einer ‘Golf-Driving Range’ campieren. Erleichtert stellten wir uns im nahen Restaurant mit Schweinekopfsuppe und -würsten einer letzten Herausforderung, bevor wir uns ins Zelt verkrochen.

Gangneung machte es uns nicht leicht. Bevor wir das Zentrum erreichten, verirrten wir uns auf eine Autobahn – im morgendlichen Berufsverkehr eine nicht eben entspannende Erfahrung. Doch nun waren wir wieder auf Stadt eingestellt und landeten vollbepackt im erwachenden Markt der Stadt. Auch unsere Neugierde erwachte. Während wir fasziniert die für uns doch recht ungewöhnliche Auswahl an Trockenfischen bestaunten, beguckten die Marktfrauen uns. Ein Geben und Nehmen also. Nach über einer Woche ohne feste Unterkunft befürchteten wir allerdings, in Sachen Duft mehr zu geben als zu nehmen. Wir gönnten uns ein Zimmer mit Meerblick und taten, was getan werden musste – wir duschten und schliefen.

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Auf dem Markt von Gangneung herrscht buntes Treiben. Fische warten, Frauen schauen und man verständigt sich mit Hand und Fuss.

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Grosse Fische hängen wie Drachen aufgespannt von der Decke …

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…. und kleinere Fische tragen Stützkorsette.

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Nach all den Fischen ist uns nach Strand. Gangneung hat ihn.

Ab Gangneung folgten wir dem Verlauf der Küste südwärts, mal direkt am Meer, dann wieder über tausendundeinen Hügel weiter landeinwärts. Durch ein mehr oder weniger zusammenhängendes Netz von Radwegen, nennen wir es den ‘Ostküsten-Radweg’, wurde uns die Navigation leicht gemacht. Wir brauchten bloss bunten Plaketten am Strassenrand oder einer gelben Linie am Boden zu folgen. Aber wehe dem, der ein Schild übersah! Täglich verfuhren wir uns und standen meist plötzlich vor für Radfahrer gesperrten Autobahnabschnitten oder -tunnels. Auch an den Toren eines Atomkraftwerks wurden wir zurückgewiesen.

Dasselbe geschah, als wir, wiederum unabsichtlich, am Tor eines Endlagers für radioaktive Abfälle bei Wolsong auftauchten. Unser eigener Abfall war zwar nicht radioaktiv, doch haben wollte ihn trotzdem keiner. Öffentliche Mülleimer waren in ganz Korea rar. Es blieb uns nichts anderes übrig, als bei Besuchen in ‘Convenience Stores’ nicht nur einzukaufen, sondern gleich auch noch unseren Müll zu entsorgen – in deren Abfalleimern, nicht zwischen den Regalen wohlgemerkt.

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Supermarktbesuche dauern oft lange und grenzen an Überforderung.

Die gut 500 Küstenkilometer zwischen den beiden Städten Gangneung und Busan waren geprägt von kleinen Fischerdörfern direkt am Meer. Nachts flackerte der Schein der Fischerboote vor der Küste. Und während wir tagsüber die oft unglaublich steilen (aber meist nur einige hundert Meter langen) Steigungen hochkeuchten, winkten uns tausende am Strassenrand zum Trocknen aufgehängte Fische und Tintenfische zu. Auch Senioren, die in kleinen Gruppen die Strassen und Plätze der Dörfer fegten, hatten ihren Spass an uns – oder genehmigten sich in den Pausen ein paar Schnäpschen. Die Nächte verbrachten wir, abgesehen von einer Nacht bei einem ‘Warmshowers’-Host, im Zelt. Wir fanden schöne Campspots direkt am Strand: Ob im Schutze eines Wäldchens, in kleinen Parks, neben der Wache der örtlichen Rettungsschwimmer oder am Fuss eines Leuchtturms. Die nächtlichen Temperaturen waren ein paar Grad wärmer als wenige Tage zuvor in den Bergen, doch der Wind trieb uns meist schnell ins Zelt.

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Selbst bei der Ankunft im Dunkeln erkennen wir die Exklusivität dieses Campspots sofort und gestalten ihn zum Schlafplatz um.

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Während wir unsere Tage im Sattel verbringen, hängen andere am Strand ab.

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Strandcamping zwischen Hafenbecken und Küstenstrasse, mit den örtlichen Rettungsschwimmern als Nachbarn.

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Künstlich angelegte Wellenbrecher, vor Ort aus Beton gegossen, sind bei Fischern sehr beliebt.

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Während nachts die Lichter der Fischerboote vor der Küste schaukeln, bietet uns das Wäldchen direkt am Strand Schutz vor Wind, Kälte und neugierigen Blicken.

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Fischereihäfen zieren die Küste. In manchen geht es gemächlich zu …

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… andere erfreuen sich grösster Beliebtheit.

Im Gegensatz zur Mongolei schienen wir nicht vom Fleck zu kommen, Tagesleistungen über 80 km waren selten. Denn es war nicht einfach. Direkt am Wegrand wollten eindrückliche Tempel besucht und deren farbenprächtige Malereien erkundet sein. Strandpromenaden luden zum Flanieren mit Sack und Pack. Überall riefen uns nun öffentliche Toiletten zur täglichen Katzenwäsche. Dies waren wir unserem Gastland schuldig! Darüber hinaus lockten ‘Convenience Stores’ ganztags mit Tischen in der Sonne, Kaffee, süssen ‘Mooncakes’ und mittags leckeren Fertigmenüs. Bei dieser Gelegenheit gönnten wir jeweils Zelt und Schlafsäcken eine trocknende Dosis Sonnenstrahlen gegen das temperaturbedingte nächtliche Kondenswasser.

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Sonnenstund hat Gold im Mund – und trocknet unsere Schlafsäcke vor einem ‘CU’ Convenience Store. Wir schlürfen genüsslich Kaffee und üben uns in Geduld.

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Mikrowellen-Menüs à la Koreana – Not the real thing, aber lecker, schnell und überall zu haben. Vorteil im Vergleich zu anderen Restaurants: Man weiss, was man bekommt.

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Unverhofft locken uns Tempel aus den Sätteln. Hier der berühmte buddhistische ‚Haedong Younggungsa‘ Tempel, der sich bei Busan an die Klippen klammert. Seine Anfänge reichen ins Jahr 1376 zurück.

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Wir verlieren uns in den Details, ob in Tempeln ….

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… oder auf Fahrradbrücken.

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Katzenwäsche: Morgens um 10 Uhr erwarten uns an der Hafenpromenade von Pohang frisch geputzte Toiletten.

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Doch Pohang hat weit mehr zu bieten als saubere öffentliche Toiletten!

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Kunst im Hafen zum Beispiel.

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Pausenplätze versuchen sich gegenseitig zu überbieten.

Je weiter südlich wir entlang der koreanischen Küste kamen, umso öfter durchquerten wir Hafenstädte. Industriegebiete zogen sich endlos hin. Hyundai produziert dort Schiffe, und am Strassenrand bewerben Poster die Umweltfreundlichkeit der hier allgegenwärtigen Stahlindustrie. Stadtgrenzen waren plötzlich fliessend, nur der Verkehr nicht immer. Dass dies auch auf Radwegen vorkommt, erfuhren wir vor Ulsan. Unverhofft – und völlig unvorbereitet – fanden wir uns von einem Moment auf den anderen in einem dichten Strom von Radfahrern, der uns das Fürchten lehrte. Schichtwechsel im nahen Hyundai-Werk, Fahrrad-Rushhour!

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Viele kleine Hyundais, bereit die Welt zu erobern.

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Industrie ist Trumpf und vielerorts nicht zu übersehen.

Nach 8 Tagen erreichten wir schliesslich Busan, unser Ziel am südöstlichen Ende der Koreanischen Halbinsel. Die mit über 3 Mio. Einwohnern zweitgrösste Stadt Südkoreas erstreckt sich über mehrere Buchten und krönt sich selbst mit einer grandiosen Skyline. Tagsüber glich sie einem geschäftigen Meer aus Hochhäusern, Brücken und Strassenschluchten direkt am Meer. Doch nachts verwandelte sie sich in einen pulsierenden Brei aus grellbunten LED- Lichtern, Märkten und Fischrestaurants. Pulsierend war dann auch die Deko des (Stunden-) Hotels, in welchem wir in Hafennähe Unterschlupf fanden. Diese in Südkorea ‘Motel’ genannten Herbergen trumpfen teils mit Themenzimmern auf und schlagen mit umgerechnet 25 bis 55 USD pro Nacht und Zimmer zu Buche. Die Stundentarife dürften billiger sein. Nach zwei Nächten im fluoreszierend bemalten und mit Ultraviolett-Licht ausgeleuchteten ‘Strand-Zimmer’ wechselten wir für zwei weitere Nächte samt Räder ins ‘Büro-Zimmer’. Dort räkelte sich die gemalte Sekretärin bereits an der Wand.

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Busan, Gross- und Hafenstadt, bietet Strände, Strassenschluchten und eine grandiose Skyline.

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Im Hafen von Busan treffen wir auf ‚Hulk‘ und kommen ungeschoren davon.

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Nächtlicher Blick über den Hafen von Busan.

Neben dem täglichen Stillen des für Pausentage üblichen Heisshungers beschäftigte uns etwas anderes. Wir hatten Busan an der Südostspitze Koreas erreicht. Und nun lag, nur 200 km oder 6 Fähr-Stunden entfernt, plötzlich Japan in Reichweite. Welch ein Zufall, dass im nahen internationalen Passagierhafen beinahe täglich Fähren eben dorthin in See stachen! Ursprünglich wollten wir die Küste und die Halbinseln südlich von Busan weiter erkunden und dann irgendwie den Bogen zurück nach Seoul schlagen. Doch Japan war zu nah, die Verlockung zu gross – ehe wir uns versahen, hatten wir Tickets nach Fukuoka gebucht. Zwei Mal mit der Fähre nach Japan und zurück, Holz- oder in diesem Fall Futon-Klasse.

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Nicht nur Schall und Rauch. Busans Buchten und Häfen sind durch eine Vielzahl von bunt beleuchteten Brücken verbunden.

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Mit bereits ausgestempelten Pässen und geröntgtem Gepäck an den Rädern irren wir durch die endlosen Gänge des Fährterminals im internationalen Hafen von Busan. Auf nach Japan!

Zum Schluss die Galerie: