Australien | Top End

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Juni / Juli 2016
24 Tage, davon 18 Radtage
1’353 Kilometer, 30% ungeteert
NT ‚Northern Territory‘
Rinder, Sand & Gegenwind


Zwischen Rindern und Rentnern
Erschöpfung im Outback
Off Road im ‚Judbarra / Gregory National Park‘
Hochsaison im ‚Litchfield National Park‘
1 Beinahe-Schlangenbiss 


Kilometerstand: 5’393 Reisekilometer durch Indonesien & Australien

 

Route | Kununurra — Timber Creek (km 227) — ‚Judbarra/ Gregory National Park‘: Bulita Campsite — Humbert Track — Humbert Top Yard — Humbert Track — Ende NP — Yaralin Community — Top Springs (km 520) — Katherine (km 810) — Lelyin (Edith Falls) — Robin Falls — Batchelor (via ‚Old Coach Road‘) — Litchfield NP: Florence Falls — Wangi Falls — Ende Park, ‚Litchfield Park Road‘ — Cox Peninsula Road, Berry Springs Turn Off — Wagait Beach — Fähre Mandorah – Cullen Bay, Darwin (km 1’353)

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Route Kununurra – Darwin

Kununurra, schön am Fluss gelegen, von Obst und Gemüsefarmen umgeben und täglich von Touristenhorden geflutet, hatte für uns einen Hauch von Trostlosigkeit an sich. Nach dem täglichen ‚Beutezügen‘ durch den einzigen Supermarkt, nahmen wir unsere Plätze in der ‚Campers Kitchen‘ des Campingplatzes ein, wo wir die Tage mit Schlemmen und der Planung der Weiterreise verbrachten. Wir wollten erst 300 km auf der ‚Duncan Road North‘ nach Süden, dann etwa 400 km auf dem ‚Buntine Highway‘ nach Osten und schliesslich grob 300 km durch den ‚Gregory NP‘ nach Norden fahren — alles ungeteert und abgelegen. Die Distanzen würden gross, 700 km zum nächsten ‚Roadhouse‘ in Kalkarinji, und ein Grossteil der Flüsse ausgetrocknet sein. Auch endlose Telefonate mit ‚Ranger ‚, Strassenbauämtern, Touristeninformationen im Umkreis von 500 km brachten uns nicht weiter. Niemand konnte uns sagen, welche Flüsse noch Wasser führten oder ob sich in für uns machbaren Abständen (konservativ geschätzt 250 km) Wasser finden lassen würde. Alle aber waren sich einig, dass wir ‚mad‘ waren und flehten uns teils an, unsere Vorhaben nochmals zu überdenken. Schliesslich gaben wir unser Vorhaben auf — ein Risiko wollten wir nicht eingehen — und strampelten die 227 relativ ereignislosen Kilometer auf dem ‚Victoria Highway‘ nach Timber Creek in zwei Tagen ab.

 

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Are you prepared? …Treibstoff? Essen? Sicherheitsausrüstung?

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Yes, we ARE prepared! Mit Ration für 12 Tage — links etwa Frühstück mit bereits portioniertem Müesli. Damit wäre auch der Treibstoff abgedeckt. Als Sicherheitsausrüstung müssen Helme und ein paar Pflaster genügen.

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Bloss, was tun gegen diese hier — und vor allem gegen deren grosse, hungrige Brüder?

Entlang der weniger befahrenen Highways suchten und fanden wir in gewohnter Manier täglich einen verborgenen Nachtlagerplatz, gut geschützt durch Gestrüpp, Termitenhügel und die Farbe unseres Zeltes. Auf den Hauptverkehrsachsen aber boten sich in regelmässigen Abständen ‚Rest Areas‘ zum Campieren an und ersparten uns die Zeltplatzsuche. Diese, meist mit einigen Tischen und Bänken — für uns Bodensitzer mittlerweile Luxus! — einem Plumpsklo und teils sogar einem Wassertank ausgestatteten Rastplätze, füllten sich jeweils im Laufe des Nachmittags mit Wohnwagen der ‚Grey Nomads‘ und verwandelten sich über Nacht in wahre Campingplätze. Natürlich kamen wir regelmässig ins Gespräch. Der Einstieg erfolgte meist etwa so: ‚These bikes have bloody fat tyres! (Diese Räder haben verdammt dicke Reifen)‘, so: ‚Where have you ridden from? (Wo seid ihr losgefahren?)‘ oder gar so: ‚Are you the mad cyclists? (seid ihr die verrückten Radfahrer?)‘. Darauf folgte, relativ unabhängig von unseren Antworten etwa ‚Good on you! (Gut gemacht)‘ oder ‚We’ve come a long way too, but not on a pushbike (Wir sind auch weit gefahren, aber nicht mit dem Rad!)‘ Dann Gelächter und die einheitliche Abschlussfeststellung: ‚You’re mad! (Ihr seid verrückt!)‘. In den meisten Fällen war der Wissensdurst daraufhin gestillt und die Herren schlenderten nach einem ’see you‘ davon — dem Hündchen hinterher, zurück zu Gattin und Wohnwagen oder weiter zum nächsten Gefährt, Bier oder Grill. Um spätestens sieben Uhr kehrte dann Ruhe ein, die Klappstühle wurden eingeklappt und die Wohnwagenvorhänge gezogen. Nur der eine oder andere verwegene Fernseher flackerte noch eine Weile, bevor sich auch die letzten Nomaden dem Schlaf ergaben.

 

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Dieser Lagerplatz ist ganz nach unserem Geschmack. Die Idylle wird aber nach Einbruch der Dunkelheit von unerwünschten Besuchern gestört. Wir sitzen brav im Dunkeln und werden nicht entdeckt.

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Ganze Landstriche werden präventiv abgebrannt. Wir sitzen in der Kohle. Hier überrascht uns nachts kein Feuer.

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Und hin und wieder geraten wir in die Flammen der magischen Art: Sonnenuntergang am Victoria River bei Timber Creek.

Im ‚Community Store‘ in Timber Creek ergatterten wir 10 Orangen — deren einer Verzehr ein tägliches Highlight in der kommenden Woche wurde — und luden 30 Liter Wasser. Zehn Kilometer später bogen wir vom Highway in den ‚Judbarra / Gregory National Park‘ ab. Wie Kinder im Sandkasten freuten wir uns, als unter unseren Reifen der Asphalt in eine Sandpiste überging. Der Nationalpark — trocken, staubig und einsam — erstreckte sich über die Ländereien einer ehemaligen ‚Station‘ (Farm) und die ‚Tracks‘ folgten, wie die meisten Highways in Australien, traditionellen und teils tausende Kilometer langen Überland-Viehrouten. Sie waren von rauher Natur, mit Felsbrocken gespickt, teils überwachsen und schienen nach jeder Kurve einen Bach oder Fluss zu durchqueren. Dass die meisten davon bereits ausgetrocknet waren, kam uns ganz gelegen. Unsere Motivation, die Bekanntschaft von Salzwasser-Krokodilen zu machen — die bösen, grossen mit den scharfen Zähnen — hielt sich in Grenzen.

 

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Die Wege im ‚Judbarra / Gregory NP‘ sind oft holprig, mit grossen und kleinen Felsbrocken gespickt….

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…und führen über Stock, Stein und durch (meist trockene) Flüsse.

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Dank einem geschätzten Verkehrsaufkommen von  1-2 Geländewagen pro Tag sind die Spuren teils überwachsen und kaum erkennbar — mit allem, was sich darauf tummelt.

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Entsprechend freuen sich die Fliegen über eine Mitfahrgelegenheit.

Nach drei Tagen Fahrt nach Süden folgten wir, nun ausserhalb des Parks, einer weiteren ehemaligen Viehroute, dem ‚Buchanan Highway‘, nach Osten — wir mussten ja nach Norden. Dies war Rinder-Land mit ‚Stations‘ von immensen Ausmassen. Von den meisten bekamen wir bloss endlose Zäune oder, in der Ferne schwebende, viehtreibenden Helikopter zu Gesicht. Hatten uns auf der ‚Gibb River Road‘ vor allem schwarze Stiere am Wegrand zugeblinzelt, so ergriffen nun plötzlich Herden dürrer, klappriger, weisser Rinder vor uns die Flucht. Diese indischen ‚Brahmin‘ Rinder gelten als ‚drought resistent‘ — Dürre resistent, ha! — und sind der Exportschlager. Sie werden zu Millionen nach Indonesien exportiert. Vorausblickend haben wir versucht, einigen ein paar Brocken ‚Bahasa Indonesia‘ zu vermitteln, stiessen aber auf wenig Verständnis.

 

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Der anschliessende ‚Buchanan Highway‘ ist teils sandig und über lange Strecken auch holperig — aber immer ist er staubig.

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Er erfüllt die Erwartungen an einen Highway weniger. Für viele Rinder ist er wohl der ‚Highway to Indonesia‘.

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Kängurus müssen sich darüber keine Sorgen machen, haben aber von sicherem Verhalten im Strassenverkehr wenig Ahnung und geraten regelmässig unter die Räder. Der Abdruck verrät, dass Kängurus ‚Schwanzläufer‘ sind.

Unvermindert blies uns täglich der Wind ins Gesicht. Die Tage waren heiss, die holprige Piste machte plötzlich immer weniger Spass und die Kilometer wollten immer härter erkämpft werden. Die Monate im Sattel ohne längere Pausen schienen sich nun bemerkbar zu machen und wir waren erschöpft, von morgens bis abends. Mitten in der Pampa, mit abgezählten Tagen an Nahrung, ein denkbar unglücklicher Zeitpunkt. Dem Wind war das egal und die Rinder zeigten sich unbeeindruckt. Als wir nach 300 km Tracks und Schotterpisten erschöpft und ausgelaugt, an einer Kreuzung mitten im Nirgendwo, das Roadhouse von ‚Top Springs‘ erreichten, schien uns dies wie ein kleiner grüner Himmel auf Erden.

 

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Müder Strampler — mit Spass trotz Erschöpfung.

Nach einem Tag Erholung auf dem bizarr grünen Rasen des angeschlossenen Zeltplatz, waren wir wieder bei Kräften. Kräftig genug jedenfalls, um uns auf die Jagd nach Katherine zu machen. Doch von Katherine trennten uns noch 291 nun durchwegs asphaltierte Kilometer — oder zweieinhalb Tage im Sattel. Von eiskaltem Coca Cola und frischem Obst träumend rasten wir nun auf dem, über weite Strecken einspurigen, ‚Buntine Highway‘ nordwärts. Und sogar der Wind, der uns wochenlang hämisch aus Südosten ins Gesicht gepustet hatte, war nun, wenn auch nicht immer, auf unserer Seite, so doch meist nicht gegen uns. Trotzdem erreichten wir Katherine, bekamen das lange herbeigesehnte eiskalte Coca Cola und hatten in Eli und Nici aus der Schweiz, die mit ihrem Toyota ‚Landcruiser‘ durch Australien reisten und auf den Grey Nomads-lastigen Caravanparks eine eher seltene Ausnahme waren, gute Gesellschaft.

 

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‚Buntine Highway‘ —  einspurige, endlose Geraden. Benannt nach dem Erfinder des zwei- und dreiteiligen Roadtrains und des doppelstöckigen Anhänger für selbige.

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Die endlosen Zäune entlang der Highways halten Rinder drinnen und uns draussen. Termiten lassen sich durch sie nicht beirren.

‚You will be eaten! (Ihr werdet gefressen)‘ Mit diesen Worten riet uns der Rangers des ‚Litchfield National Parks‘ davon ab, auf dem ‚Reynolds River Track‘ in den Park zu fahren. Der 4×4 Track, zu dieser Zeit selbst für Fahrzeuge noch geschlossen, querte stellenweise (noch) zu tiefes Wasser — gerade in Kombination mit fiesen Salzwasserkrokodilen ganz schlecht für Radfahrer. Wir folgten seinem Rat, wenn auch etwas widerwillig. So gingen wir unsere letzte Etappe in Australien gemütlicher an und liessen uns, für gerade mal 500 km von Katherine nach Darwin, 10 Tage Zeit. Wiederum kamen wir um Tage auf dem Highway, diesmal dem ‚Stuart Highway‘ mit Roadtrains voller Rinder und Wohnwagen voller Rentner, nicht völlig herum. Einmal auf ruhigeren Nebenstrassen genossen wir aber nochmals die vielfältige Natur, fanden abwechslungsreiche Campspots, lutschten an den dichter angesiedelten Roadhouses Glace und plantschten im schönen aber sehr touristischen ‚Litchfield National Park‘ im einen oder anderen Wasserloch. Dazwischen beantworteten wir weiterhin in regelmässigen Abständen Fragen.

 

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‚Dirt Roads’— gesucht und gefunden — eine, zwischen Katherine und Darwin leider rare aber sehr wilkommene Abwechslung zu den tosenden Schnellstrassen…

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…führen uns an kleinen ‚Creeks‘ mit allen möglichen komischen Namen vorbei. Obwohl dies ein Krokodil-Spielplatz, sehen wir keins.

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Wir nehmen uns Zeit für Exkursionen an seichte Gewässer…

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…verbringen einen Tag an einem ruhigen Plätzchen oberhalb der überlaufenen ‚Edith Falls‘ — wer hat hier übrigens die Namen gegeben? ‚Edith Falls’…

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…’Florence Falls‘ im Litchfield NP. Das Bild zeigt allerdings nur ein Bächlein daneben.

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Robin Falls! …muss ein Genie gewesen sein. Wir bleiben eine Nacht, sehen aber keine Fälle. Trotzdem schön.

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Aber Wasserfälle sind nicht alles, wir kurven zwischen burgenartigen Termitenbauten herum…

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…sind fasziniert von der Baukunst dieser kleinen Armeen…

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…und begeistern uns für Urzeitpflanzen. Dem Knipsen dieses Bildes folgte ein jäher, markanter Schrei, als unverhofft eine dicke, braune Schlange auf Robin zu…(Schreckssekunde, Schrei)…und nur knapp an seinem Fuss vorbei schoss. Ach, diese Touristen.

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Dann doch lieber Wasserfälle!

Schliesslich standen wir nach insgesamt 5’393 Reisekilometern überraschend plötzlich am verlassenen Strand von Wagait Beach, gegenüber von Darwin. Blieb uns nur noch, die Fähre von Mandorah hinüber nach Darwin zu nehmen (10 min) und dort Vorbereitungen für den anstehenden Flug nach Bali — wir folgen den Rindern — und von dort nach Hause zu treffen.
Have a good one, Australia!

 

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Wagait Beach: Siegerpose mit allen Beteiligten.

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…und manche spielen schon im Sand. Unser Material haben wir auf eine harte Probe gestellt. Mehr dazu in einem der nächsten ‚posts‘. Wir gehen erst mal nach Bali…

 

 

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Australien | Gibb River Road

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Juni 2016
13 Tage im Sattel, 3,5 Pausentage
994 Kilometer gesamt
Broome – Derby, 220 km, asphaltiert, 2 Tage
‚Gibb River Road‘: 743 km, 11 Tage
Pannen: 1 gerissenes Schaltkabel, 2 Platten

von Sand, Wellblech, Gegenwind
zwischen Road Trains, ‚Trailers‘ & Geländewagen
in Flüssen, Schluchten & Wasserlöchern
das Outback und die Tücken leichten Gepäcks

Route | Flug: Perth — Broome ; ab Broome per Rad: Broome — Derby (Start ‚Gibb River Road‘) — ‚Mount Barnett Roadhouse‘ (Tankstelle) — Kununurra

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‚Gibb River Road‘ inklusive Asphalt-Etappe von Broome nach Derby

Darwin, im Norden Australiens gelegen und gerade mal eine Flugstunde von Bali entfernt, war unser neues Fernziel. Anders als während unserer Zeit in Südamerika hatten wir jedoch nicht vor, die gut 4’000 Km von Perth nach Darwin in nützlicher Frist (2 Monate) tretend zu bewältigen. Wir waren wählerisch geworden und hatten einfach keine Lust auf schnurgerade Highways und garantierten Pampa-Koller. Mit dem Flug nach Australien hatten wir unser Tabu gebrochen. Wir waren während der Reise geflogen, wir würden wieder fliegen — wir buchten einen Flug. Noch einen. Aber nicht nach Darwin, sondern nach Broome.

Der Check-In für den zweieinhalbstündigen Virgin Australia -Flug nach Broome war die nächste Hürde. Fliegen mit Fahrrädern kann tückisch sein und war es in diesem Fall. Trotz gebuchten 40 kg Gepäck pro Kopf durfte jedes Gepäckstück die Marke von 23 kg nicht überschreiten. Unsere in Kartons verpackten Räder lagen mit 32, respektive 26 kg ‚leicht‘ darüber. Aber nach knapp zweistündiger, kreativer Komplett-Umpackung vor Ort checkten wir unsere Fahrräder schliesslich elegant mit 23,1 kg und 23,2 kg ein — die 300 g Übergewicht wurden grosszügig übersehen.

 

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In Broome geniessen wir Wärme und Strand — manche können wohl einfach nicht entspannen.

Als erste Etappe hatten wir die ‚Gibb River Road‘ von Derby nach Kununurra gewählt. Diese gut 700 km lange, zu 80% unbefestigte Strasse (Piste) durchs Outback versprach Natur pur und eine Prise Herausforderung. Von deren westlichem Ende in Derby trennten uns 220 Highway-Kilometer, welche wir in zwei Tagen zurücklegten.

 

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Zwischen Broome und Derby kommen wir gut voran und legen, nach einem schwierigen Start mit nur gefahrenen 30 km und zwei platten Reifen, nach drei Uhr noch 70 km zurück.

Diesem ersten Testlauf in Sachen Wasserverbrauch folgte die ernüchternde Erkenntnis, dass unser, auf Kälte eingestelltes, Munda-Biddi-Ernährungskonzept bei vorherrschenden Tagestemperaturen zwischen 32°C und 35°C nochmals zu überdenken war. Allgemein bedurfte unser erster Vorstoss ins australische Outback besonders betreffend Wasser und Nahrung einiger Vorbereitung. Unterwegs würden wir auf uns allein gestellt sein. Sollte uns eines davon auf dieser Strecke ausgehen würden wir zwar weder verhungern noch verdursten, dazu war das Verkehrsaufkommen auf dieser Strecke gross genug und etwa in der Mitte gab es gar eine Tankstelle. Aber wir hatten ja unseren Stolz.

 

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So etwas in dieser Art schwebte uns vor…

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…aber auch das würde uns gefallen.

Sicherheitshalber rechneten wir mit einer Reisezeit von bis zu vierzehn Tagen und benötigten entsprechende Mengen Frühstück, Mittag- und Abendessen, Snacks für zwischendurch und Energie-Nahrung für schwache Minuten. Dies alles wollte ausgeklügelt und errechnet — was? wieviel? wozu? — eingekauft, portioniert, abgepackt und vor allem verstaut werden. Ohne Kühlschrank und mit nur zweimal 12 Litern Stauraum pro Person in den beiden kleinen Satteltaschen, war dies eine logistische Herausforderung.

 

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Auch mit voller Beladung sind die Beiden keine Schwergewichte. Wollen aber gut parkiert werden.

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Fahrspass-Grantie auch mit Ladung. Im Gegensatz zu ‚Virgin Australia‘ gibt es bei ‚HolaVelo Dirtyways‘ mit Übergepäck keine Probleme.

Wegen den warmen Temperaturen rechneten wir mit einem gemeinsamen Verbrauch zwischen 5 und 10 L Wasser pro Tag. Aber woher würden wir das Wasser nehmen? Gemäss Routenbeschreibungen im Internet sollte sich Wasser in mehr oder weniger regelmässigen Abständen in Flüssen auffüllen und entkeimen lassen. Die vorangegangene, magere Regenzeit machte diese Option unsicher. Sicher aber sollten sich unsere PET Flaschen (2 x 1,5 L, 1 x 1 L), Bidons (2 x 1 L; 1 x 0,7 L), unser Ortlieb-Wassersack (1 x 8 L), unsere umfunktionierten Weinblasen (1 x 2 L; 1 x 4 L) , sowie der Wasserkanister (1 x 10 L) und die beiden faltbaren ‚Platypus‘-Flaschen (2 x 2 L) nach spätestens 306 km beim ‚Mount Barnett Roadhouse‘ (Tankstelle & Kiosk) auffüllen lassen.

 

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VIele Flüsse führen tatsächlich kein Wasser oder haben nur noch Tümpel für uns übrig. Haupsache Wasser!

Zu den knapp 30 L Wasser für hoffentlich drei Tage (die ‚Platypus‘-Flaschen blieben vorerst unbenutzt), gesellten sich ‚Futter‘ für zwei Wochen und zwei Liter Brennsprit. Eine ganze Menge also. Im Sinne von Transparenz und um das Ganze etwas zu veranschaulichen, gewähren wir am Ende dieses Beitrags Einblick in unseren ausgefeilten, knapp bemessenen ‚Holavelo-14-Tage-Outback-Ernährungsplan‘ und die passende ‚Holavelo-für-14-Tage-Einkaufsliste‘.

Schliesslich schwangen wir uns in die Sättel und ritten frohen Mutes dem Outback entgegen. Deutlich schwerer bepackt, als es in den vergangenen Monaten nötig gewesen war, rollten wir die ersten knapp 80 km über Asphalt, bevor dieser in eine leuchtend rote Wellblech-Piste überging. Der Spass begann und in freudiger Entzückung holperten wir dahin. Nach vier Uhr bogen wir schliesslich auf einen Trampelpfad in den Bush ein und schlugen unser erstes Bushcamp unweit eines Wasserlochs auf, wobei uns das Einhalten des empfohlenen Krokodil-Sicherheitsabstands von 50 m nicht sehr überzeugend gelang. Da wir damit aber gleich einem Rindvieh den Nachplatz streitig machten, so erklärten wir uns jedenfalls das nächtlichen Herumstreifen, Jammern und Klagen um unser Zelt, gingen wir davon aus, dass die Croc-Gefahr nicht sehr gross war.

 

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Wildes Campen am Abgrund der Bindoola Falls — grandios! Wo in der Regenzeit Wassermassen über die Kante donnern, finden wir einen der wohl spektakulärsten Campspots. Unten schwimmt ein Krokodil, oben funkeln die Sterne. Sonst Stille.

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Farbiges Erwachen. Dank milden Temperaturen lässt es sich oft unter der Netzkuppel des Innenzeltes schlafen.

Schnell fanden wir in eine, die folgende, von der Sonne bestimmte Routine — wobei genannte Zahlen nicht immer auf zwei Stellen hinaus korrekt sein mögen, jeder Tag seine eigenen Überraschungen für uns im Ärmel hatte und dies neben Sonnenaufgang und Sonnenuntergang die einzige sichere Konstante war. Hätte es aber Tage ohne Überraschungen gegeben, so hätten diese etwa wie folgt ausgesehen:

6 Uhr | Tagwache zu Vogelgezwitscher der kreativeren Art

6 Uhr bis 8 Uhr | Bereitschaft erstellen
Matten aufrollen; Schlafsäcke einpacken; Zelt abbauen; Räder bepacken; Fahrradpflege (Ketten, Zahnkränze, Umwerfer reinigen und ölen); ‚Sun Care‘ (eincremen SPF 50+); Frühstück; evtl. abwaschen; Notdurft & Morgenhygiene optional (Zahnpflege, Katzenwäsche mit max. 2 Blatt Feuchttüchern); Abfahrt

8 Uhr bis 12 Uhr | Radfahren
mehr oder weniger stündliche Verschnaufpausen (Stehen-Atmen-Trinken-Plaudern; Urinieren optional); Fotostops erlaubt (solange nicht als Vorwand benutzt); Serious Business also

10 Uhr | Znüni-Pause

12 – 13 Uhr oder 14 Uhr | Mittagspause

Entspannungsphase, möglichst im Schatten

13 oder 14 Uhr bis 16 Uhr | Radfahren
schwere Beine hin oder her! Fotostops wiederum erlaubt

16 Uhr – 17.30 Uhr | Campspot-Suche
Ausschau nach möglichen Campspots während Weiterfahrt (als Anzeichen galten Trampelpfade in Busch, vernünftige Baumdichte, Viehspuren, überwachsene Zubringer zu Sandgruben), ungesehen abbiegen & durch Busch strampeln (beim Gedanken an Schlangen eher unangenehm), Erfolg oft erst beim zweiten oder dritten Anlauf; Zelt aufstellen; Vorbereitung zur Nachtruhe treffen; Matten Aufblasen; Küche und Nahrungsmittel auspacken; Kochen; je einen Müesliriegel verdrücken; Abendessen; ‚Belohnung‘ verzehren; evtl. Abwasch; Sterne gucken & Tieren lauschen; Verarbeitung des Erlebten im persönlichen Gespräch; Flucht vor Mücken ins Zelt

18.30 Uhr: Nachtruhe!

Auch in Australiens endloser Natur waren wir selten alleine. Fliegen hefteten sich von Anfang an hemmungslos und scheinbar tagelang als blinde Passagiere an unsere Rücken und liessen keine Möglichkeit für Exkursionen in unsere Ohren, Augen und Nasenlöcher ungenutzt. Eine vermutlich schöne Art zu reisen. Jeweils pünktlich mit den letzten Sonnenstrahlen übernahmen dann Mücken die Nachtschicht und im Morgengrauen begann das Ganze wieder von vorne.

Obwohl sie schon lange kein Geheimtipp mehr war, erstaunte uns das Verkehrsaufkommen trotzdem. Bis zu 50 Fahrzeuge täglich holperten, keuchten oder rasten an uns vorbei. Viele bretterten, im Glauben ihrem Fahrwerk so Gutes zu tun, mit über 90 Sachen über die raue Piste und liessen uns oft in dichten, farblich der jeweiligen Strassenbeschaffenheit angepassten Staubwolken stehen. Die ‚Grey Nomads‘ (australische Rentner auf Winterreise) stellten den Grossteil davon. Mit ihren hoch motorisierten Geländewagen zogen sie modernste Wohnwagen, Offroad-Camping-Anhänger, Boote oder gleich mehreres davon hinter sich durch die Landschaft, winkten uns zu oder machten einfach nur ein Foto von uns — im Gegensatz zu Sumatra ohne Selfie-Sticks. Offenbar fügten wir uns nahtlos in eine lange Reihe von Sehenswürdigkeiten ein.

 

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Mit Staub und Getöse: Bis zu 50 m lange ‚Road Trains‘ sind sie hier draussen seltener anzuteffen.

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Andere schleichen auf leisen Pfoten und lassen uns wissen, wo der Sand trägt — Dingos?

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Manche wühlen bloss im Sand und hinterlassen Spuren von beeindruckender Breite.

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Die meisten Spuren beeindrucken weniger. Caravans & Trailer.

Die absoluten Highlights aber — neben uns — waren die verschiedenen ‚Gorges‘ (Schluchten) und ‚Waterholes‘ (Wasserlöcher). Dank bester Beschilderung liessen sich diese, oft mehrere Kilometer von der Strasse entfernt und von der Natur bestens verborgenen kleinen Oasen leicht finden. Mit wucherndem Grün und paradiesischen Wasserfällen luden sie zum Baden und Abkühlen ein — manche Besucher wuschen sich darin auch den Staub aus den Haaren.

 

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Wasserloch…

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…ist nicht gleich Wasserloch.

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Einige sind bewohnt.

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In manchen lässt sich’s schwimmen. Frischwasser-Krokodile beissen nur, wenn man sie verärgert…

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…oder sauber ist. Wir sind nicht in Gefahr.

Wir genossen jeden Tag in vollen Zügen. Die Natur um uns herum veränderte sich ständig, begeisterte und entschädigte uns immer und immer wieder für die, teils doch anstrengenden Stunden im Sattel, das magere Mittagessen, den Staub in den Lungen, den Dreck im Gesicht und den ständigen Kampf gegen den Wind. Besonders auf der zweiten Streckenhälfte forderte die Strasse aber oft unsere ganze Aufmerksamkeit und wartete mit langen Knochenbrecher-Wellblech-Abschnitten, sandigen Stellen oder wahren ‚Minenfeldern‘ aus scharfkantigen Reifenschlitzer-Steinen auf — exzellent!

 

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Anfang und Ende der ‚Gibb‘ sind geteert…

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….doch dazwischen pflügen wir roten Sand….

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…rasseln über Schotterpisten…

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…suchen die Optimallinie im tiefen Sand…

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…oder haben die Wahl zwischen holprigem Wellblech, weichem Sand und ganz selten festem Lehm.

In zehn Tagen hätten wir die 700 km zurücklegen können, ohne Badepausen sogar in acht. Anstatt jedoch in einer letzten langen Etappe Kununurra entgegen zu rasen entschieden wir uns, stattdessen lieber noch eine weitere Nacht unter dem gewaltigen südlichen Sternenhimmel im Busch zu zelten, zu geniessen, uns von Ameisen bedrängen zu lassen, die letzten Vorräte zu verzehren und die Rückkehr in die Welt der Supermärkte noch etwas hinaus zu schieben. Diese erreichten wir am nächsten Tag mit nur noch drei Esslöffel Rosinen, zwei Portionen Haferflocken, einigen Päckchensuppen, etwas ‚La Vache qui rit‘ und einigen scheiben Schmelzkäse — zufrieden und wie immer mit neuen Plänen.

 

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Während manche, sich ihrer Schönheit bewusst, um Aufmerksamkeit ringen…

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…geben andere ihre wahre Identität nur ungerne Preis.

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Der Besitzer dieser Hose zu Recht.

Fehlen noch die versprochenen Einblicke in den
‚Holavelo-14-Tage-Outback-Ernährungsplan‘ und die passende ‚Holavelo-für-14-Tage-Einkaufsliste‘, beides in der laienhaften ‚Outback Edition‘. Have a good one!

 

‚HOLAVELO-14-TAGE-OUTBACK-ERNÄHRUNSPLAN‘
(Portionen verstehen sich pro Person, zum Glück)

FRÜHSTÜCK
~125 g Müesli, mit einer Handvoll Rosinen, 3 EL Zucker, 3 EL Milchpulver und 1 EL Vanille!-Pudding Pulver in 1/2 L Wasser angerührt, 14 Portionen im Vorfeld abgepackt.
Getränk: Wasser

ZNÜNI-PAUSE
1 Müesliriegel (Geschmack Aprikose, Schokolade oder Waldfrüchte),
4 gedörrte Pflaumen
4 gedörrte Aprikosen

MITTAGESSEN
1 Wrap (aus papierdünnem ‚Mountain Bread‘, 2/8 ‚la vache qui rit‘ oder 2 Scheinen Schmelzkäse und 4-8 Sprenkel getrocknete Tomaten, an 3 Tagen zusätzlich Brocken von Beef Jerky, Trockenfleisch, eher nüchtern).
1 Wrap mit ~1,7 EL Erdnussbutter, Nutella oder Kombination davon
+ an drei Tagen zusätzlich ‚Indomie‘ Fertignudeln mit Trockenerbsen
+ an drei Tagen zusätzlich 1/2 Frucht (Apfel oder Orange).
Getränk: Wasser

ABENDESSEN
Couscous gewürzt mit Suppenpulver & Trockenerbsen, evtl, Getrocknete Tomaten (an 5 Abenden)
Polenta gewürzt wie Couscous (an 2 Abenden)
Spaghetti mit Sauce aus Tomatenmark oder Suppenpulver, optional mit Erbsen (an 2 Abenden)
‚Indomie‘ Fertignudeln, mit Trockenerbsen & 4 EL Reis (an 1 Abend)

SNACKS
1 zusätzlicher Müesliriegel
+ sporadisch eine Handvoll gesalzene Nüsse (gemischt)

BELOHNUNG
1 x täglich 6-7 Fruchtgummis (süss & sauer, im Vorfeld abgepackt)

 

‚HOLAVELO-FÜR-14-TAGE-EINKAUFSLISTE‘
für 2 Personen, passend zum ‚Holavelo-14-Tage-Outback-Ernährungsplan‘

Müesli, 3 x 750 g
Pudding Vanille (Pulver), 100 g
‚Mountain Bread‘, 5 x 8 Wraps
Käse ‚ La Vache qui rit‘, 4 x 8/8
Schmelzkäse, 1 x 12 Scheiben
Erdnussbutter, 500g
Schokoaufstrich, 400g
Tomaten sonnengetrocknet, 2 Packungen
Erbsen getrocknete, 400 g
Nudeln Indomie ‚Mie Goreng‘, 10 x 180g
Couscous, 1 kg
Polenta, 500 g
Spaghetti Nr. 5 (schnellkoched), 500g
Reis Basmati, 3 Tassen
2 x Päckchensuppe ‚Minestrone‘
2 x Päckchensuppe ‚Süsskartoffel & Karrotten‘
2 x Päckchensuppe ‚Chicken Noodles‘
2 x Quicksoup Tomate
Tomatenmark, 3 Beutel à 50 g
gesalzene Nüsse, 250 g
Müesliriegel, 36 Stück
Rosinen, 1 kg
getrocknete Aprikosen, 500 g
getrocknete Pflaumen, 500 g
Fruchtgummis, 3 x 200 g
3 Äpfel
3 Orangen

 

 

Australien | Munda Biddi

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Mai 2016
20 Tage, davon 18 Tage im Sattel
920 km, 95% off road
Australiens ‚Munda Biddi Trail‘

Weshalb es uns nach Australien verschlug
Sand, Schotter, Singeltrack
Nasse Wochen, kühle Tage, kalte Nächte
Küsten, Wälder, Hütten-Camping

 

Route | Jakarta — Flug via Bali — Perth (AUS) — Bus nach Albany— Start ‚Munda Biddi Trail‘: — Albany — Denmark — Walpole — Northcliffe — Pemberton — Manjimup — Nannup — Collie — Dwellingup — Dandalup Damm (für uns das Ende des ‚Munda Biddi Trail‘) — Mandurah — Zug nach Perth

 

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Die Route des vollständigen ‚Munda Biddi Trail‘ auf Google Maps‘. Wir fuhren von Süden nach Norden und verliessen ihn nordwestlich von Mandurah.

Das bevorstehende Java, mit einer sensationellen Bevölkerungs- und Verkehrsdichte, versprach verkehrsreiche Tage im Sattel und die Aussicht auf abgelegenen Pfade oder gar aufregend-holprige Routen schien klein. Der Beginn des Fastenmonats Ramadan im Juni stimmte uns auch nicht eben optimistisch. Dessen Konsequenzen im Alltag, geschlossene Restaurants und nur heimliches Essen und Trinken tagsüber, hatten wir bereits 2012 bei unserem ersten Aufenthalt in Sumatra erleben dürfen. Besonders für immer-hungrige Radfahrer keine verlockenden Aussichten.

Auch das Ablaufdatum unseres Indonesischen Visums rückte näher. Ein- und Ausreisetag mit eingerechnet hatte man uns 60 Tage zugestanden und diese neigten sich langsam aber sicher dem Ende zu. Es war an der Zeit unsere Möglichkeiten abzuwägen. Visum-Verlängerungen sind aufwändig, theoretisch machbar aber nicht ganz unproblematisch. Als Alternative dazu kam einzig ein ‚Visa Run‘, die Aus- und wieder Einreise nach Singapur oder Malaysia, per Flugzeug oder Fähre, in Frage.

Wenn schon fliegen, dann gleich richtig! …sagten wir uns und so kam es, dass wir am 1. Mai 2016 unsere Räder vor dem Flughafen von Perth, Australien, zusammenschraubten und anschliessend auf Radwegen in die Stadt rollten. Unser Gastgeber für die ersten Tage, Tom, Freund und Weggefährte durch Teile Patagoniens ein Jahr zuvor, empfing uns mit offenen Armen. Bei ihm und seinen drei aufgestellten Mitbewohnern betrieben wir erst ein paar Tage feinstes Terassen-Camping und überwanden so den Kulturschock einer Rückkehr zurück in den Überfluss einer westlichen Konsumgesellschaft leichter.

 

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Tom empfing uns mit offenen Armen in Perth. Zweimal.

Dann war es an der Zeit, dass unsere Räder Busfahren lernten. Ein weiteres Novum und für unsere eigenen Reisen bisher ein ‚No Go‘. Aber wie wir in Indonesien gelernt hatten, sind Regeln da, um sie zu brechen — auch selbst auferlegte. So gelangten wir nach Albany und ans südliche Ende des ‚Munda Biddi Trails‘. Dieser war genau das, was sein Name in der Sprache der lokalen Noongar Aborigines bedeutet — ‚ein Pfad durch den Wald‘. Genauer, ein über 1000 Kilometer langer Mountainbike-Pfad.

 

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Wir dürfen vorstellen, ‚Manolito‘ und ‚ Gordo‘ — die beiden breitfüssigen Gefährten unserer Wahl. Vollbepackt mit Proviant für mehrere Tage.

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Unser Fussabdruck mit gerdae mal 2 Bar. Wir sind gewappnet für Australiens Sand und Kies und fahren dicke Reifen statt dicke Autos.

Der Trail, zu geschätzten 95% ungeteert, wurde von der dazu ins Leben gerufenen ‚Munda Biddi Foundation‘ markiert und in Stand gehalten, durchquerte Nationalparks und folgte auf den ersten Etappen der wilden, rauen Südküste. Dann begann er sich langsam landeinwärts zu winden, oft durch hohe, sich immer wieder verändernde Eukalyptuswälder. Er bediente sich dazu einer Mischung aus Forst- und Feuerstrassen, Waldwegen und herrlichen, teils langen Abschnitten von eigens angelegten, oft auf langen Strecken schmalen, einspurigen Pfaden durch den Busch.

 

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Nach zwei Monaten Asphalt ist dies wie im Himmel.

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Der Sand ist mal weiss und weich, der Himmel mal blau aber oft grau.

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…. Farben fliessen in einander….

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Sandige Pisten….

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…und Schotterstrassen wechseln sich ab. Die teils langen Singletrackpassagen geniessen wir zu sehr, um Fotostops einzulegen.

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Untergrund und Wälder verändern sich um uns herum.

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Vereinzelte Sonnenstrahlen bringen Licht ins Dunkel…

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….alte Holzbrücken verbinden Teilstücke…

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…und an manchen Tagen bestimmt der Regen die Landschaft.

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Auch Kangurus dürfen in Australien nicht fehlen. Manche davon so gross wie wir, fliehen sie in Horden vor uns.

Obwohl es oft so schien und der Trail ein Natur-Pur-Wildnis-Erlebnis vermittelte, war die nächste Ortschaft nie weiter als 70Km entfernt. Ausserdem war der Pfad so angelegt, dass er in regelmässigen Abständen (alle 100 bis 150 km) durch kleine Ortschaften führte, wo sich sich Nahrungsmittel aufstocken oder auch einmal die Vorzüge der Zivilisation — man denke an eine heisse Dusche — geniessen liessen. In sehr kurzen Abständen von etwa 45 Km waren eigens für diesen Zweck ‚Huts‘ errichtet worden. Sorgfältig angelegt und immer idyllisch, abgelegen im Wald platziert, waren diese ‚Huts‘ vom Feinsten. Sie boten auf stockbettartigen Holzplattformen trockene Campingplätze für 10-20 Personen und waren jeweils mit Plumpsklo und zwei grossen Regenwassertanks ausgerüstet, die zu dieser Jahreszeit bestens gefüllt waren.

 

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Ganze Landstriche sind in der Vergangenheit grossflächigen Waldbränden zum Opfer gefallen. Manche vor Jahren. Hier hat das Leben wieder Einzug gehalten.

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Dieser Wald brannte erst im Januar 2016. Was bleibt ist zu gespenstisch, um nicht unsere Räder zu verstecken.

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Bäume verkohlten und spriessen wieder neu.

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Auch diese Hütte wurde in Mitleidenschaft gezogen…

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Plastikfenster schmelzen. Zurück bleiben surrile Formen.

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Die ‚huts‘ sind meist mitten im Wald versteckt…

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Sie bieten Schlafplätze auf zwei Etagen. Türen sucht man vergeblich.

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Essensrationen wollen geplant sein, in diesem Falle für 5 Tage. Unsere selbst gemachten Framebags tragen den Grossteil davon ohne klagen.

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Wir kochen morgens Kaffee und abends Pasta, Polenta oder Couscous.

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Im Munda-Biddi-all-inklusiv-Sorglospaket ist auch eine bestimmte Anzahl spektakulärer Sonnenuntergänge über dem australischen ‚bush‘ enthalten.

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Bei so viel Luxus ist wildes Campen nicht regelmässig angesagt, dann ist es aber umso schöner.

Der Pfad war also ein Rundum-Sorglos Paket, gemacht um die Natur geniessen zu können. Diese zeigte uns immer wieder ihre kalte, nasse Schulter und — aus der Hitze Sumatras kommend — schlotterten wir manche Nächte in unseren dünnen Sommerschlafsäcken vor uns hin. Dies war die Quittung dafür, Australien unvorbereitet einen Besuch abzustatten. Da bei Regen die Vorteile eines Daches über den Köpfen jene eines Zeltes ganz klar überwogen, passten wir uns oft dem vorgegebenen Rythmus der Hütten an und verbrachten relativ kurze Tage im Sattel. Wir genossen die Trails und den Komfort der Hütten, nahmen uns dafür unterwegs Zeit um die Natur zu betrachten und zu geniessen, dehnten Mittagspausen aus und sahen uns all die merkwürdigen australischen Pflanzen genauer an — viele davon hatten sich ganz klar nicht an ihren Bauplan.

 

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Wir entdecken Australiens Natur. Blumen winken uns auf alten Monoliten zu.

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Buchten laden zum verweilen ein.

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Am Wegrand bestaunen wir scheinbar sprechende Samenkapseln…

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…und beobachten Insekten auf flauschigen Früchten…

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Der Regen lässt Pilze aus dem Boden schiessen…

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…die uns in unterschiedlichsten Farben und Formen Spalier stehen.

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Uns manchmal ….legen wir Pausen auch einfach nur so ein.

Dort hatten wir auch hin und wieder beste Gesellschaft anderer Radfahrer, die teils alleine aber meist in kleinen Gruppen auf dem ‚Munda Biddi Trail‘ unterwegs waren. Während unseren 18 Tagen auf dem Trail begegneten wir elf Radfahrern in sechs Gruppen — kein allzu grosses Gedränge also!

 

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In den Munda Biddi Hütten schliesst man Bekanntschaften, teilt Geschichten, brütet über Karten, beäugt Ausrüstung und Setup und wird inspiriert. Diese vier hier sind beste Gesellschaft.

Nach achtzehn Tagen auf dem Trail, mit noch zwei Tagesetappen vor uns, kam die unverhoffte Wendung. In Dwellingup, einem kleinen Nest mit einem Laden, einem Hotel/Bar/ATM, einer Post/Campingladen/ATM, einem Campingplatz und einer Touristeninformation, ging uns das Bargeld aus. Beide ATMs (Bancomaten) wollten nichts von unseren unterschiedlichsten Karten wissen. Ohne Geld und ohne Vorräte sahen wir uns plötzlich gezwungen, den Trail in Richtung der nächsten Stadt, Mandurah, und deren ATMs zu verlassen. Dies taten wir aber nicht, ohne noch eine letzte und fahrerisch eine der anspruchsvollsten, ausgewaschensten und schönsten Etappen zur nächsten Hütten nahe, ‚Dandalup Dam‘ gelegen, zu fahren. Dort verbrachten wir noch eine Nacht mit Blick auf die Küste und das Meer und verputzen unsere wenigen verbliebenen Vorräte, bevor wir uns nach 920 gefahrenen Kilometern, vom Trail verabschiedeten. Über Mandurah, dann wieder mit Geld in den Taschen und neuen Plänen im Hinterkopf, gelangten wir zurück nach Perth.