Caribbean Odyssey | von Panama nach Kolumbien

Seemeilen: ~100 / 8 Tage

Schiff: „Nixwiweg“ (BEL)
Kapitän: Alain (BEL)
Passagiere: Fabian (CH), Ian (CAN), Struan (CAN), Daina (FL), Robin (FL)
Fracht: 2 Motorräder, 2 Fahrräder

Motorpannen: 2
verlorene Rettungsinsel: 1
Schwimmwesten an Bord: 1

Route: Portobelo (Panama) – Turtle Cay Marina (Panama) – San Blas Inseln (Panama) – Sapzurro (Kolumbien) – Capurganá (Kolumbien) – Turbo (Kolumbien)

Die Panamericana zieht sich zwar von Alaska bis Feuerland, ist aber nicht lückenlos. So fehlen zwischen Panama und Kolumbien um damit zwischen Zentral- und Südamerika achzig Kilometer Strasse, das sogenannte „Darien Gap“. Achzig Kilometer Dschungel, in dessen Schutz sich Leute bewegen, denen man weder bei Tag noch bei Nacht begegnen möchte. So bleiben die See und die Luft die einzigen Verbindung zwischen Zental- und Südamerika.

Daher suchten wir in Portbelo ein Schiff, um von Panama nach Kolumbien zu gelangen und fanden bereits am zweiten Tag einen belgischen Kapitän, welcher noch Passagiere für die fünftägige Überfahrt mit seinem Segelschiff suchte. Dass Kapitän Alain im Gegensatz zu professionellen, organisierten Alternativen ein kauziger aber sehr sympatischer Seebär war, gefiel uns. Auch empfahl er seine Kochkünste. Wir entschieden uns, mit ihm und drei weiteren Reisenden (Fabian aus der Schweiz und den beiden Motorradfahrern Struan und Ian aus Canada) die Reise anzutreten. Die Abfahrt war für den nächsten Tag, Donnerstag den 5. Dezember 2013, vorgesehen.

Portobelo

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Warten im Cafe Vela – der Seglertreffpunkt in Portobelo

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Aber so schnell kamen wir aus Portobelo nicht weg. Nach einigen bürokratischen Problemen mit den Leuten vom Zoll verzögerte sich die Abfahrt um einem weitere Tag. Dann, am Freitagabend nach einem Znacht aus dermassen gekochtem Hühnchen, dass er am besten mit dem Wort „Gummiadler“ umschrieben werden konnte (beissen zwecklos!), legten wir schliesslich gegen Mitternacht ab…so viel zu den Kochkünsten und einem gelungenen Start.

Poulet hacken vor der Abfahrt

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Unser Kapitän – normalerweise etwas fröhlicher

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Da der Wind auf dieser Reise gegen uns sein würde, ratterten wir die ganze Nacht vom Motor getrieben ostwärts. Spätestens jetzt erfuhren wir, wie sich starker Wellengang in einer Segel-Nussschale anfühlt und wir wurden in unserer Kabine (wir bekam die des Kapitäns, mit Doppelbett, Luxus!) durchgeschüttelt und umhergeschleudert. Daina wurde auf der Stelle seekrank und musste leiden! Doch irgendwann wurde es hell ….und plötzlich verstummte der Motor. Hmm, muss wohl so sein, dachten wir, wurden aber eines besseren belehrt. Musste nämlich keineswegs so sein. Dass auf der „Nixwiweg“ (so hiess das gute Schiff) nix angemacht war und immer wieder die halbe Kücheneinrichtung (von Passagieren und Kapitän nicht zu sprechen) durch die Gegend flog, entschärfte die Situation auch nicht. So fühlte es sich also an, den Wellen ausgeliefert zu sein!

Unser seekranker canadischer Reisegefährte

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Aber ein Segelboot hat ja Segel! Also setzten wir diese und segelten in den, „nur“ etwa zwei Stunden entfernten, nächsten Hafen zurück. Dessen bedrohliche Einfahrt, zwischen brechenden Wellen, hindurch meisterte Alain, mit etwas Hilfe beim Segel setzen und Winden drehen, gekonnt. Ernüchternd stellten wir fest, dass wir in der Nacht nur knapp 30 Kilometer zurückgelegt hatten.

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In der schönen „Turtle Cay Marina“ teilte man uns einen Platz zu und dann begann für unseren Kapitän die Suche nach dem Problem und für uns eine zweitägige, zugegebenermassen unterhaltsame Wartezeit. Im Hafen lagen eine handvoll Segelboote – oder sollte man Yacht sagen? Die Segler waren ein soziales Volk und man kam schnell ins Gespräch über dies und das, den Wind, die Boote, deren Vorzüge und Nachteile und natürlich die Strapazen des Seglerlebens. Das eigentliche Segeln, so schien es uns, ist nur der Ausgleich zur Hauptaufgabe, dem Reparieren und Instandhalten der Schiffe. Ein strenges Leben ohne Aussicht auf Besserung. Und daran durften auch wir nun teilhaben, nachdem Kapitän Alain dem Problem auf den Grund gegangen war. Hier die Details für die Spezialisten: Der Thermostat war dahin, der Motor hatte überhitzt und dabei mehrere Löcher in den Muffler geschmolzen. Aber kein Problem, der Thermostat liess sich ja ausbauen und die Löcher im Muffler mit Epoxy flicken!

Turtle Cay Marina

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Und so verliessen wir am Morgen des dritten Tages wieder frohen Mutes und mit laufendem Motor die Marina und kamen wenige Stunden später (ungefähr sechs) im Golf von San Blas an. Was wir sahen schien aus einem Bilderbuch zu stammen. Kleine, palmengekrönte Inselchen mitten im Meer. Manche waren mit nur einer Palme gesegnet und andere mit hunderten. Dies war das Gebiet der Kuna, einem Indianervolk, dessen Heimat, die 360+ Inseln im Golf von San Blas, zwar zu Panama gehören, die aber ein grosses Mass an Autonomie geniessen.

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Wir verbrachten die nächsten vier Tage ankernd vor verschiedenen Inseln in San Blas, erforschten schnorchelnd die Riffe und ihre bunten Korallen und Fische rund um die Inselchen, planschten im Wasser herum, lachten, genossen die Sonne auf dem Boot oder kochten.

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Seit den Gummiadler kochten wir meist selbst. Dies sei hervorragend, bemerkte Alain eines Tages lachend. Er habe nur eine Mahlzeit versauen müssen und seither würden wir das Kochen unter uns aufteilen! Er liess es sich dann aber doch nicht nehmen, von den Kunas Hummer und Krabben zu kaufen und diese erstklassig zuzubereiten.

Hummer und Krabben von den Kuna

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Natürlich musste auch einige Arbeit an den, von Alain optimistischen gekauften14 Flaschen „Ron Abuelo“ geleistet werden. Apéritif, wie Alain es nannte.

Doch gegen Abend des vierten Tages karibischer Inselstimmung schien uns der Wind plötzlich gütiger gesinnt. Etwas unter Zeitdruck, da Fabians Rückflug in die Schweiz anstand, beschloss unser Kapitän kurzerhand, die Überfahrt nach Kolumbien anzugehen. So wurde gegen sechs Uhr ohne grosse Ankündigung der Anker gelichtet und in See gestochen. Nur zu blöde, dass die anderen drei Mitreisenden gerade dabei waren, einen Eintopf mit Huhn zuzubereiten. Kaum hatten wir den Schutz des Riffes verlassen, warteten auch schon die grossen Wellen auf uns – schon die erste schleuderte alle drei sammt Pfannen, deren Inhalt und drei Litter Öl durchs Boot. Eine riesen Sauerei! Danach war keinem mehr nach Essen zumute und wir legten uns beim Rattern des Motors schlafen – bis dieser kurz vor Mitternacht aussetzte! Wir ahnten nichts Gutes. Doch Alain meinte dies wäre kein Problem, und suchte eine Ersatzpumpe, welche aber nicht aufzufinden war. Aber immer noch kein Problem! Wir würden einfach die Segel setzen, gegen den Wind kreuzen und das Problem am nächsten Morgen bei Tageslicht angehen – in fünf Minuten sei dies repariert. Er legte sich schlafen und wir durften draussen abwechseln, dem Autopilot Gesellschaft leisten und alle zwei Stunden den Kurs wechseln. Schlafen war bei dem Wellengang und der Schieflage des Bootes sowieso ein akrobatisches Unterfangen. Da wir ohne Motor nur auf die Segel angewiesen waren und der Wind wieder gegen uns war, mussten wir um überhaupt vorwärts zu kommen, möglichst hart am Wind segeln. Dieser kam genau dort her, wo wir hin wollten. Das Boot lag daher meist so schief, dass man sich zum schlafen irgendwo festhalten oder mit den Beinen versperren musste um überhaupt auf dem Bett liegen zu bleiben und nicht von jeder zweiten Welle durch die Gegend geschleudert zu werden.

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Als der neue Tag über einem endlos scheinenden, tiefblauen Ozean anbrach, mussten wir feststellen, dass sich die Wellen in der Nacht unsere Rettungsinsel geschnappt hatten. Eine ausgezeichnete Ergänzung zu den fehlenden Schwimmwesten und dem nichtvorhandenen Rettungsring. Zu diesem war aber wenigstens die Ortungslampe noch da, allerdings ohne Batterien. Alles sehr ermunternd! Wir waren also für die anstehende 48-Stunden-Überquerung der wilden Gewässer zwischen Panama und Kolumbien bestens ausgerüstet und uns konnte nichts passieren….ausser, dass wir eher 100 Stunden oder mehr benötigen würden. Keine guten Aussichten. Glücklicherweise sah dies Alain genauso.

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Da sich der Motor auch bei Tageslicht nicht flicken liess wurde eine Kursänderung beschlossen. Anstatt weiterhin ohne Motor, dafür mit Wind und Wellen gegen uns und somit ohne Aussicht auf Erfolg, in die hohe See hinaus zu steuern drehten wir lieber um und wollten den ersten Hafen in Kolumbien, Sapzurro, anlaufen. Kein Problem meinte Alain, laut Computer würden wir dort in 6 Stunden einlaufen – taten wir natürlich nicht. Dank des geänderten Kurses war der Wind etwas weniger gegen uns und wir kamen teils gut vorwärts – will heissen wir segelten mit zügigen 4-5 Knoten (8-9 Km/h) und kamen der Küste näher und näher…

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….bis sich der Wind aus dem Staub machte und uns ohne Antrieb und mitlerweile ziemlich frustriert auf dem Meer sitzen liess. Wir versuchten zwar noch eine alternative Wasserkühlung (per Gartenschlauch) einzubauen, doch scheiterte auch dieser Versuch dem Motor wieder Leben einzuhauchen.

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Damit aber keine Langeweile aufkommen konnte, bahnte sich gegen zehn Uhr Abends auch schon ein dunkles Gewitter am fast schon fluoreszierenden Horizont an! Eine Szene wie aus einem Piratenfilm. Dieses tobte sich die ganze Nacht mal mehr und mal weniger stark um uns herum aus. Alain meinte, dass wir eigentlich froh sein könnten, dass kein hoher Wellengang mehr herrschte, jetzt wo unser Boot ohne Wind und Motor manövrierunfähig war. Dies hat uns sehr beruhigt und wir legten uns irgendwann schlafen.

Das Gewitter klang erst gegen Morgen aus und wir erwachten auf einem nahezu glatten Meer. Wir kamen nicht vom Fleck und konnten es nicht fassen. Nach acht Tagen waren wir immer noch vor der, im Moment für uns jedoch unerreichbaren Küste Panamas – obwohl wir eigentlich schon vor drei Tagen hätten in Cartagena ankommen sollen! Das Wo war aber mittlerweile etwas in den Hintergrund gerückt, viel wichtiger schien uns überhaupt irgendwo Land zu erreichen!

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Wir erwähnten Alain gegenüber den Gedanken, den nächsten Hafen um Hilfe anzurufen. Dies, und vorallem der Preis einer Abschleppaktion (bis zu 2000 USD), gefiel ihm gar nicht! Er stieg aber einmal mehr zum Motor hinunter und versuchte nochmals alles mögliche, um diesen in Gang zu bringen. Aber das Wasser wollte den Motor einfach nicht kühlen und er überhitzte nach kurzer Zeit. So trieben wir weiterhin ziellos umher und funkten sogar einen vorbeifahrendes Handelsschiff an, mit der Bitte uns abzuschleppen. Antwort: „No se puede, no se puede. La ley no permite.“ (geht nicht, das Gesetz verbietet es“). Schliesslich hatte Alain einen Einfall. Er habe ja noch einen Generator mit einer gleichen Wasserpumpe. Eventuell unsere Rettung? Diese wurde also kurzerhand ausgebaut – um festzustellen, dass es nur „fast“ die gleiche Pumpe war.

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Aber Alain bemerkte, dass das Problem im Deckel der defekten Pumpe liegen könnte. Dieser zeigte innen Verschleisserscheinungen, war etwas abgenutzt (und schon mal geflickt!) und es liess sich im Inneren der Pumpe nicht mehr der nötige Druck aufbauen. So wurden die Deckel ausgetauscht und siehe da: Die Pumpe lief, der Motor schnurrte und lief und lief ohne dass die Temperatur anstieg! Wir schienen gerettet, wollten uns aber noch nicht in Sicherheit wiegen und voreilig zu fest freuen. So tuckerten wir langsam aber zunehmend optimistischer auf die Küste zu, welche wir nach zwei Stunden des Hoffens dann auch wirklich erreichten und in die Bucht von Sapzzuro einliefen. Definitif Zeit für einen Apéritif!!

Land in Sicht, schon deutlich optimistischer!

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Zwar waren wir hier in einem Hafen und hatten Kolumbien erreicht, doch hatte die Sache einen Haken. Aus Sapzzuro führte keine Strasse hinaus! Da dieses Dorf im sogenannten Darien liegt und von Dschungel umgeben ist wäre es jedoch auch mit Strasse zu gefährlich gewesen, es auf dem Landweg zu verlassen. Wir packten also unsere Sachen und hievten alles auf ein kleines hölzernes Motorboot, welches uns dann der Küste entlang ins nur wenige Kilometer entfernt gelegene Capurganá brachte. Wir mussten Schwimmwesten anziehen, wenigstens die, für die es eine hatte.

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In Capurganá kletterten wir froh auf den festen Boden des Piers, untersuchten unsere Räder auf transportschäden und rollten dann etwas wackelig zum Zoll, wo wir 90 Tage Aufenthalt erhielten. Wir verabschiedeten uns von Kapitän und den beiden Kanadiern. Diese fuhren zurück aufs Schiff, da erst noch ein Weg gefunden werden musste, um die Motorräder nach Turbo zu transportieren.

Wir suchten uns mit Fabian ein Hotel, wo wir nachts immer wieder durch das starke schwanken des Schiffes erwachten. Dies sollte auch noch in der zweiten Nacht an Land so kommen, denn unsere See-Gehirne brauchten wohl noch etwas Zeit für die Umstellung zurück aufs Festland.

Tags darauf traten wir die Überfahrt nach Turbo an, dem Beginn der Strasse in Kolumbien. Eine Lancha, ein gefährlich schnelles Motorboot, brachte uns, unsere Fahrräder und etwa 30 andere Passagiere in zwei Stunden nach Turbo, dem letzten Hafen unserer Überfahrt. Dafür, dass sich die meisten Einheimischen vor der Abfahrt bekreuzigten und ein Helfer am Pier noch lachend „eine fröhliche Fahrt“ gewünscht hatte, verlief dieser Teil der Reise erstaunlich sanft und planmässig. Wenigstens hier hatten wir Glück und wir erreichten Turbo planmässig im Laufe des Morgens. Endlich hatte diese Odysse ein Ende, wenn auch weit entfernt von Cartagena.

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GALLERIE ZUM BLÄTTERN

Panama | auf der Panamericana

842 Kilometer / 25 Tage

Reifenpannen: 1

Route: Guabíto – Almirante – Bocas Town – Bastimentos – Almirante – Rambála – La Mina – David – Tolé – Santiago – Aguadulce – Antón – La Chorrera – Panama City – Portobelo – Turtle Cay Marina – San Blas (Kuna Yala)

Bei strömendem Regen überquerten wir die Grenzbrücke zwischen Sixaola in Costa Rica und Guabíto in Panama und strampelten triefend die verbleibenden, hüglig-fordernden 50 Kilometer nach Almirante, von wo wir kurz vor Sonnenuntergang per Lancha (Schnellboot) zur Isla Colón, der grössten Insel der Gruppe, übersetzten.

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Unser Aufenthalt im viel gerühmten karibischen Bocas del Toro war von Regen geprägt. Wir verbrachten vier Tage in Bocas Town, von wo aus wunderschöne Strände mit dem Rad (wer eines hat) erreichbar sind – alle anderen fahren mit Bus oder Boot. Bereits unsere erste Expedition an einen Strand sollte aber scheitern. Bereits nach wenigen Kilometern gab in einer kleinen Abfahrt der „Freilauf“ an Robins Rad den Geist auf. Dies führt dazu, dass die Pedale mitdrehen und die Kette sich unter die Speichen mischt – keine angenehme Sache und obendrein etwas gefährlich. Dafür liess sich das Rad jetzt auch rückwärts fahren! Glücklicherweise waren ganz in der Nähe Arbeiten der Telefongesellschaft im Gange und so wurde das Rad kurzerhand auf die Ladefläche eines Pickups verladen und Robin wurde sammt Rad zurück ins „Town“ gefahren. Daina musste selbst in die Pedale treten. So verbrachten wir den Tag in der Werkstatt anstatt am Strand, wo sich zwar aus Mangel an Werkzeug das defekte Teil nicht ausbauen liess, sich aber glücklicherweise eine passende Hinterachse mit funktionierendem Freilauf fand und eingebaut werden konnte. Damit unsere nächsten beiden Rad-Strandausflüge dann erfolgreicher ausfielen.

Anschliessend machten wir drei Tage Regencamping am schönen, nach seinen kleinen Bewohnern benannten, „Red Frog Beach“ auf der kleinen Nachbarinsel Bastimentos. Die kleinen bunten Namensgeber verstecken sich allerdings schon im Wald. Wer sucht der findet…und in diesem Falle staunten wir auch noch.

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Dass Regen auch Vorteile haben kann erfuhren wir, als wir eines Morgens mit Erstaunen feststellen mussten, dass unser vermeintlich robustes Zelt gar nicht so wasserdicht war wie angepriesen. Als wir beim Aufwachen die Pfütze im Zelt entdeckten, setzen wir uns auf – und kurz darauf knallte auch schon ein beindicker, mehrere Meter langer Ast von einem nahen Baumriesen genau dort auf unser Zelt nieder, wo kurz zuvor noch unsere Köpfe gelegen hatten. Das Zelt hats unbeschadet überlebt, aber ob unsere Köpfe dies auch so elastisch eingesteckt hätten bezweifeln wir. Wär doch ziemlich schade um die gewesen!

Die nächsten beiden Etappen mit dem Ziel Panama City sollten uns über 730 Kilometer fordern. Der sportliche Radmechaniker in Bocas hatte die Strecke eben in elf Stunden mit dem Bus gemeistert und schätzte unsere Reisezeit auf optimistische 30 Tage – so lange dauerte es dann doch nicht. In drei Tagen überquerten wir die Kordilliere und damit die kontinentale Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik. Die Berge waren atem(be)raubend, gefühlte 60° Neigung steil, mindestens so heiss, unbarmherzig schattenfrei und voller Scheingipfel. Oben angekommen trennte uns jeweils nur eine kurze Abfahrt vom nächsten Anstieg. Kurz, wir kamen an unsere körperlichen Grenzen und Daina fiel im Anstieg sogar einmal vor Erschöpfung vom Rad. Völlig ausgelaugt mussten wir nach ein paar Stunden am Strassenrand ein Rad-Zeltboden-Notbiwak basteln um uns kurz hinzulegen. Etwas erholt und eine Stunde später am Strassenrand von einem Haufen saftiger Orangen mit Energie versorgt, erreichten wir gegen Abend nach über fünfzig Kilometern Martyrium unser Ziel, das erste Dorf am Weg. Von jetzt an gings am nächsten Tag aufwärts, beziehungsweise abwärts, denn wir erreichten nach einer wohlverdienten, ausgedehnten Abfahrt die Panamericana und kurz darauf Panamas drittgrösste Stadt, David.

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Nach zwei verdienten Ruhe-, Wasch- und Radpflegetagen in David machten wir uns an die verbleibenden 450 Kilometer, der Länge nach durch ganz Panama. Es waren lange, interessante Tage auf der Panamericana, die uns durch eine immer wechselnde, teils atemberaubende und teils eintönige, aber immer hügelige Landschaft führte. War es früh morgens teils neblig, so liess die Sonne aber selten lange auf sich warten um dann bis in den Nachmittag auf ums herunter zu brennen. Zur Sicherheit folgten aber dann meist um zwei oder drei Uhr noch ein paar Spritzer Regen.

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Wir begannen täglich früh um halb sieben Uhr, gönnten uns eine Kaffepause am Strassenrand nach etwa vierzig Kilometern, assen bei Tankstellenrestaurants oder kleinen „Tiendas“ (Läden) und nächtigten meist in „24-Stunden Hotels“ (die Betonung liegt hier eher auf „Stunden“).

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Jeder Tag brachte neue Überraschungen mit sich und es ergaben sich immer wieder Gelegenheiten zu plaudern – ob mit Passsanten, Verkäufern oder Fernfahrern. Je näher wir der Hauptstadt kamen, umso mehr nahm der Verkehr zu, umso „amerikanisierter“ wurden die Supermärkte und Tankstellen und umso breiter wurde die Panamericana selbst. Waren wir nach David auf einer normalen Strasse mit schmalem Seitenstreifen gefahren, so wurden es 2 Tage und 200 Km später zwei Spuren und nochmals 100 Kilometer später kamen dann noch Leitplanken hinzu – wir fuhren praktisch auf der Autobahn, die dann aber erst die letzten 40 km vor Panama City auch so genannt wurde.

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Nach sechs langen Tagen im Sattel überquerten wir dann am Freitag, den 29. November die „Puente de las Americas“ über den Kanal nach Panama City. Um uns nochmals zu fordern gab es hier zwar eine Art Trottoir, dieses war aber von hüfthohen Mauern begrenzt und leider zu schmal für uns mit unserem Gepäck. So blieb uns nichts anderes übrig, als mit dem restlichen Verkehr die enge und zu allem Übel rechts und links mit Mauern und Zaun begrenzte Brücke zu überqueren – reine Nervensache bei dem starken Verkehr.

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Panama City ist eine grosse, hektische aber auch vielfältige Stadt, die mit einer imposanten Skyline auftrumpft.. über die Qualität der Highrise-Gebäude liesse sich sicher streiten, besonders beim genaueren Hinsehen. Aber da die ganze Stadt etwas nach Verfall aussah mussten sich die Hochhäuser wohl anpassen – die imposanten Riesenmalls im Stile der Estados Unidos am Stadtrand hingegen nicht.

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Nach 4 Tagen Weihnachtsrummel (die Leute kamen aus ganz Panama um am „black friday“ Schnäppchen zu ergattern) schwangen wir uns wieder in die Sättel, zogen die Helme in die Stirn und fuhren wiederum hüglige 105 Km nach Portobelo – vom Pazifik an den Atlantik. Die frühmorgentliche Beinahe-Überfahrung einer Coral (eine hochgiftige, rot-weiss-schwarz geringelte kleine Schlange) und der Verlauf der Strecke entlang zweier Schleusen des Panama-Kanals waren schöne und unverhoffte Zugaben. Trotzdem erreichten wir Portobelo erschöpft.

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Der kleine, von Spaniern 1579 gegründete Hafen hat eine wilde Geschichte hinter sich, wurde er über die Jahrhunderte immer wieder von Piraten angegriffen und geplündert, so etwa vom berüchtigten Capitain Henry Morgan (der hier mit 450 Mannen zwei Wochen lang wütete) und vom britische Seefahrer Sir Francis Drake. Letzterer soll nach seinem unrühmlichen Durchfalltod (hat er wohl Salat gegessen?) vor der Bucht von Portobelo, hier in einem Bleisarg seine letzte Bleibe gefunden haben. Sicher ist sicher. Piraten wurden deshalb hier noch nie gerne gesehen, wir hingegen schon.

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Wir begannen sogleich mit der Suche nach einem Schiff, der einzigen Möglichkeit um ohne zu fliegen nach Kolumbien zu gelangen. Hielten wir erst nach einem Handelsschiff für die Überfahrt Ausschau, so suchten wir nun vermehrt nach einem Segelschiff. Dies sollte uns, im Gegensatz zu den Handelsschiffen in Kolumbien, nicht in Turbo, einer Hafenstadt mit schlechtem Ruf nahe der Grenze zu Panama, sondern direkt in Cartgena absetzen. Zudem bot es uns die Möglichkeit, ein paar Tage durch die idyllischen Inseln von San Blas zu segeln. Oh wie schön ist Panama – und es sollte noch besser werden.

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GALLERIE ZUM BLÄTTERN

Costa Rica | pura vida

670 Kilometer / 24 Tage

Reifenpannen: 0

Route: Peñas Blancas (Grenze Nicaragua) – La Cruz – Liberia – Cañas – Nuevo Arenal – La Fortuna – Venecia – Vara Blanca – Volcan Poás (2574 m.ü.M) – Vara Blanca – Heredia – San José – Turrialba – Cartago – Siquirres – Puerto Limón – Cahuita – Sixaola (Grenze Panama)

Costa Rica, „die Schweiz Zentralamerikas“ empfing uns mit einem professionellen Zollgebäude. Wir durften anstehen um die „Inmigración“ zu passieren und allen anderen wurde zudem ihr Gepäck geröngt, unseres nicht. Dies könnte natürlich daran liegen, dass wir sehr vertrauenswürdig aussehen, oder einfach daran, dass unser Gepäck draussen an den Rädern hing, da wir sozusagen gestaffelt einreisten: Während Robin die Einreiseprozedur hinter sich brachte blieb Daina draussen bei den Rädern und umgekehrt.

Einmal im Land rollten wir plötzlich auf einer vierspurigen, perfekten, leeren Strasse dahin. Welch ein Luxus! …doch zu früh gefreut! Bereits hinter dem nächsten Hügel (ausser Sichtweite der Nicas!) wurde aus der Super-Strasse eine noch-schlechter-als-in-Nicaragua-Strasse. Waren in Nicaragua wenigstens teils noch Randstreifen vorhanden, so waren diese jetzt definitiv weg. Schade eigentlich!

So rollten wir bergauf und bergab, zwischen grossen Lastwagen (links) und einer grünen pflanzlichen Wand (rechts). Das Land war wirklich so grün wie wir es in Erinnerung hatten!

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Costa Rica war ganz klar anders als die vorherigen zentralamerikanischen Staaten: Die Strassengräben waren sauberer, alles schien geregelter, Schaufenster waren an der Tagesordnung, es gab plötzlich richtige Bäckereien (!), Supermärkte en masse und auch die Preise wurden nach oben angepasst. Und noch etwas war anders: Zum ersten Mal mussten wir bei Polizei-Checkpoints unsere Pässe zeigen! Bisher waren wir überall bloss freundlich durchgewunken worden. Denn was soll bei Leuten die mit dem Rad (!) reisen schon zu holen sein?

Die ersten beiden Tage folgten wir brav der Panamericana, auch hier „Carretera Interamericana“ genannt. Diese führte uns und alle Lastwagen durch wechselnde Landschaften: Von Dschungel-grün über Pampa-grün und Reisfeld-grün bis zu Wald-grün war alles dabei.

Mitten im Nirgendwo kam uns dann plötzlich ein Tandem entgegen. Die beiden Schweizer Isabel und Fabian waren per Schiff nach Puerto Limón an der Karibikküste gereist und fuhren nun Richting Norden. Wir hielten am Strassenrand zu einem kleinen Schwatz, tauschten Infos zur Strecke und gleich auch noch Landkarten, „Nicaragua/El Salvador“ gegen „Costa Rica/Panama“. Das Foto der beiden hat sich leider selbst gelöscht!

Am dritten Tag in Costa Rica, zwischen Liberia und Cañas dann etwas Abwechslung: 50km Baustelle! Um nicht unter die Lastwagen zu kommen fuhren wir Zick Zack. Mal 500m frischer, jungfräulicher Asphalt, dann ein paar hundert Meter Schotterpiste, dann wieder Asphalt mit herausstehenden Eisen. Dazu wurden wir vor jeder Brücke zurück auf die Strasse gezwungen. Dann, morgens um halb 8 Uhr und noch halb verschlafen, übersahen wir eine sandige, nasse Passage … aus griffigem Sand wurde stellenweise Glatteis, und schwupps, schon lagen wir beide unverhofft im nassen, schmierigen Matsch wie Käfer auf dem Rücken! Zum Glück rollte der Verkehr in sicherem Abstand auf dem Asphalt neben uns.

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Wir rappelten uns auf, entschlammten uns soweit es ging und waren wenige Minuten später bereit für unsere erste Hundeattacke. Wie aus dem nichts kam eine grosse braune Bestie von hinten herangeschossen. Da wurde Daina instinktiv auch zum Tier und brüllte wie ein Löwe. Der Hund bekam gewaltige Angst und unsere neue Hunde-Abwehrstrategie war geboren.

Nach ewa 150 km auf der stark befahrenen Panamericana bogen wir bei Cañas nach Osten ab, ins Landesinnere und somit in die Berge. Über waldige Hügel arbeiteten wir uns zum Lago Arenal, am Fusse des Volcan Arenal hoch. Und plötzlich fuhren wir durch eine schweizer Berg- und Seenlandschaft, gespickt mit Abschnitten von dichtem grünem Dschungel. In der Touristenhochburg La Fortuna gönnten wir unseren Beinen einen Ruhetag und arbeiteten daran, unseren Hunger abzubauen.

am Lago Arenal

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Volcán Arenal

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Die nächsten drei Tage sollten uns über die Berge nach San José bringen. Am ersten Tag rollten wir durch eine (meist) flache Landschaft mit Ananas- und Zuckerrohrfelder nach Venezia, an die Vorläufer des Vulkans Poás. Dessen „Erfahrung“ war unser nächstes Ziel. Am zweiten Tag, nach etwa 15 km hügligem Warmfahren galt es dann ernst. Wir bogen auf die schmale Strasse nach Vara Blanca, der Passhöhe zwischen den Vulkanen Poás und Barva, ab und augenblicklich begann sie zu steigen und wurde für die nächesten 26 km nicht mehr flach. Endlos steigend, mit steilen Kurven, Teilstücke die einem fast zum Absteigen zwangen und Hunden die dasselbe versuchten. Doch die tropische Schönheit dieses Tals mit Dschungel, Nebelwäldern, Fincas, Kaffeeplantagen und wenigen Dörfern war umwerfend und hielt uns im Sattel während wir uns von etwa 300 auf 2000 Meter über Meer hochkämpften.

Weg nach Vara Blanca

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Verschnaufpause  – „Vogelparadies“ mit Traumaussicht

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Vara Blanca war weniger ein Ort als eine Kreuzung mit ein paar Häusern und es war kalt, neblig und kalt. Da kam die warme Dusche in der gemieteten „Cabina“ gerade recht! Eine warme Dusche wohlgemerkt, mit einem Warmwasser-Griff! Also eine, die das Wasser nicht wie andere beliebte Modelle direkt über dem Kopf durch Strom erhitzt, was etwas irritierend sein kann.

Am dritten Tag liessen wir unser Gepäck in der Cabina um zum Gipfelsturm anzusetzen. Je früher man oben sei, umso grösser die Chancen auf klare Sicht – im Optimalfall auf Atlantik und Pazifik. Ohne Gepäck flitzten wir plötzlich wie mit Rückenwind die restlichen 10 km und siebenhunderirgendetwas Höhenmeter hoch und waren prompt zu früh oben. Geöffnet wir um acht und als wir kurz darauf mit gelöstem Ticket an den Kraterrand hinunterfuhren war der Nebel auch schon da, sogar ziemlich viel davon. Nix mit Aussicht, dafür richtig schön windig und kalt. Die Abfahrt war dann umso schöner und es wurde mit jedem gefahrenen Meter wärmer.

Volcán Poás – bestes Wetter!

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Blick ins Tal – irgdendwie vertraut

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Je näher wir in den Grossraum von San José kamen, umso dichter wurde der Verkehr und plötzlich waren wir mittendrin. Der Verkehr war nicht so schlimm wie befürchtet und so drehten wir im Zentrum von San José ein paar Runden auf der Suche nach einer Unterkunft – die wir dann schliesslich im Staddtteil Los Yoses fanden. Die typische Eigenschaft zentralamerikanischer Städte in Cuadras gegliedert zu sein würde die Navigation etwas einfacher machen – wären da keine Einbahnstrassen.

San José

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Plato del dia – Hauptgang, Salat, Dessert und Getränk

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Nach vier kurzweiligen und zugegebenermassen etwas verfressenen Tagen in San José zog es uns dann an einem Sonntagmorgen weiter, Puerto Limon an der Atlantikküste im Visier. Als ein paar Kilometer ausserhalb der Stadt die Strasse plötzlich zu Autobahn wurde machten wir uns kurz etwas Sorgen, bevor wir von zwei freundlichn älteren Herren auf modernsten Rennrädern weitergewunken wurden. Sie versicherten uns, das Radfahr-Verbotsschild wäre hier nicht von Bedeutung, zeigten uns gleich noch wie man die Mautstationen umfahre (hinter dem Häuschen, nicht vorne) und begleiteten uns plaudernd für eine Weile. Und tatsächlich tummelten sich auf dem Pannenstreifen der Autobahn auf den nächsten 10 km ganze Radfahrergruppen in sportlichen Tricots auf federleichten Rennrädern.

Autobahn bei San José

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Kurz darauf schloss bei einem Erfrischshalt ein Reiseradler zu uns auf. Patrick aus Davos war auf den ersten Kilometern seiner Reise, die ihn auch in den Süden führen soll. Gemeinsam fuhren wir tretend und über Erlebtes plaudernd die verbleibenden etwa 30 Kilometer nach Turrialba. Dort besuchte Patrick ein Spanischschule und und wir gönnten unseren beiden Lasträdern neue Ketten – sie hatten sichs ehrlich verdient.

mit Patric

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nahe Turrialba

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„Ciclo“ in Turrialba

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 Turrialba

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Von der Küste trennten uns jetzt noch etwa 100 Kilometer. Nach erst fordernden und dann rollend-hügeligen aber wunderschönen fünfzig davon suchten wir in Siquirres eine Bleibe für die Nacht und fanden dies schliesslich bei den Bomberos, der Feuerwehr. Die vier Herren der diensthabenden 24-Stundenschicht boten uns das Gästezimmer der örtlichen Feuerwehr und gleich noch ein feines Mittagessen an. Obwohl sie arbeiteten kümmerten sie sich rührend um uns und fanden immer wieder Zeit für interessante Gespräche und das eine oder andere Spässschen. Und bevor wir am nächsten Morgen losfuhren lud man uns nach der Schichtübergabe (8.00 Uhr) noch zum gemeinsamen typischen Tico-Frühstück in der Feuerwehrküche ein: Gallo Pinto (Reis mit Bohnen, ein Gericht das Costa Rica und Nicaragua als ihre Erfindung rühmen) mit Baguette, Käse, und Natilla (Sauerrahm)….und damit wir nicht hungern sollten erhielten wir gleich noch sechs in Bananenblätter eingepackte „Tamales de Cerdo“ (in Bananenblätter eingepackte und gekochte Knödel aus Maismehl, Schweinefleisch und verschiedenen Gemüsen) mit auf den Weg.

Bomberos de Siquirres – der Kommandante machte das Foto

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Kleingetier

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Von Puerto Limón trennten uns jetzt noch 60 Kilometer auf einer stark von Schwerverkehr befahrenen Strasse die, wie wir aus aktueller Feuerwehrquelle wussten, sehr gefährlich sei. (Bilanz der letzten Nacht: drei Tote). Wir fuhren vorsichtig, schwitzten stark (43°C) und erreichten am frühen Nachmittag die vielverteufelte, bunte und etwas verlotterte Hafenstadt Puerto Limón. Die Konsequenzen unserer Ankunft sollten für die Bevölkerung nicht so schwerwiegende Folgen haben wie die Ankunft von Kolumbus und seinen Mannen auf der Insel Uvita direkt vor der Stadt. Wir nahmen keine Sklaven, suchten keinen Streit und waren am nächsten Morgen wieder weg – unterwegs zwischen Palmen und unter praller Sonne, dem Meer entlang Richtung Süden nach Cahuita. Noch 50 km nach Panama.

Stau auf der Panameriacana

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Puerto Limón

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Chiquitaland

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Das oft gerühmte Cahuita ist ein kleines, relativ touristisches Dorf mit afro-karibischem Flair direkt neben dem gleichnamigen Nationalpark an Costa Ricas Atlantikküste. Der Nationalpark, auf einer Landzunge im Meer gelegen, bot uns die Möglichkeit im Wald herum zu schleichen und Tiere zu sehen.

„Parque Nacional Cahuita“ – Traumstrände!

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Tiere im „Parque Nacional Cahuita“

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Nach vier Tagen in Cahuita setzte der Regen ein. Dies war für uns das Zeichen unsere Sachen zu packen und uns auf den kurzen (50 km) Weg nach Sixaola, an die Grenze zu Panama zu machen. Auf in ein neues Land!

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GALLERIE ZUM BLÄTTERN

Nicaragua | im wilden Westen

563 Kilometer / 38 Tage / 1 Platten

Route: Somotillo (Grenze Honduras) – Chinandega – León – Nagarote – Managua – Masaya – Granada – San Jorge – Ometepe – Rivas – San Juan del Sur – Playa Maderas – San Juan del Sur – Peñas Blancas (Grenze Costa Rica)

Montagmorgen, Kilometer 644 und die dritte Grenze unserer Reise am Rio Gausaule. Wir alten Füchse passierten die Grenze mit wehenden Fahnen (lächeln und plappern hilft auch hier) und schossen natürlich gleich auch das, von den honduranischen Grenzbeamten bewilligte, Foto auf der Grenzbrücke.

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Da hatten wir aber die Rechnung ohne die Soldaten auf der anderen Seite der Brücke gemacht. Und so wurden wir kurz darauf von Nicaraguas Grenzsoldaten ziemlich unfreundlich dazu aufgefordert, die Kamera herauszurücken. Wir sahen unsere Fotos schon verloren, doch den Nicas ging es nicht um Spionage oder ähnliches, sonderen einfach darum, dass sie persönlich nicht auf den Bildern zu sehen sein wollten – was sie waren. Wir zeigten ihnen aber nur das erste Bild (auf welchen sie nicht zu sehen waren) und schnell wurden die grimmigen Gesichter freundlich ¡Bienvenidos a Nicaragua!

Nicaragua begrüsste uns mit brandneuem Asphalt, in starkem Kontrast zu Honduras‘ löchrigen Strassen und wir rollten bereits nach wenigen Kilometern im Grenzstädtchen Somotillo ein, dem ersten Ort nach der Grenze. Dort wechselten wir erst einmal ein paar Dollar bei den „Coyotes“, den Geldwechslern auf der Strasse, machten den Markt unsicher und sogen die ersten Eindrücke von Nicaragua auf. Und siehe da, im gleichen Hotel (eines von zwei in Somotillo) trafen wir auf einen anderen Radreisenden.

in Somotillo

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Ciclistas

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Unser Weg durch Nicaragua war von Vulkanen gesäumt, manche rauchend, die meisten jedoch – es war Regenzeit – in eine dicke Wolkenmütze gehüllt. Nicaragua war Cowboy-Land, besonderes im Norden. Überall Rinderherden, Cowboys auf Pferden und natürlich, da wir ja immer noch auf der Panamericana fuhren, der eine oder andere Lastwagen unterwegs nach Costa Rica, Honduras, El Salvador oder Guatemala. Je näher wir Managua kamen, umso stärker wurde der Verkehr und umso schmaler wurde der Seitenstreifen auf welchem wir normalerweise fuhren…bis er schliesslich nur noch aus Kies und einzelnen bröseligen Flecken Asphalt bestand und uns zwang, auf der Strasse zu fahren und den Lastwagen ihre Spur streitig zu machen. Eine nervenaufreibende Angelegenheit.

Erfrischungsstopps

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unterwegs auf der „Carretera Interamericana“

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Von Somotillo aus pedalten wir via Chinandega, der heissesten Stadt Nicaraguas, nach León. Die Strecke von Chinandega nach León war mit etwa 40 km zwar kurz, war aber für einige Überraschungen gut. Es war der 15. September, Nationalfeiertag in Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala. Wir hatten im Vorfeld an verschiedenen Orten Proben beobachten können. Heute galt es aber ernst und so hielten wir neugierig an, als in einem Dorf gerade ein Umzug im Gange war. Sofort kamen wir mit Jenny und Haniel, zwei aufgeschlossenen Mädchen ins Gespräch, die uns dann gleich mit zum Festakt mit Tanz und Ansprachen in die örtliche Schule schleppten.

15. Septemer, Unabhängigkeitstag in Nicaragua

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Da sich aber ein Sturm anbahnte riet man uns, uns schleunigst auf denn Weg zu machen – wir kamen 200 m bis es in Strömen schüttete. Unter einem Baum fanden wir Zuflucht (wurden aber trotzdem tropfnass) und als der Regen nach einer halben Stunde immer noch nicht nachliess, entschlossen wir uns zur Weiterfahrt im Regen. Dainas Reifen hatte aber bereits eigene Pläne gemacht und seiner Luft die Freiheit geschenkt. Zwei freundliche Jungs auf der anderen Strassenseite winkten uns zum Glück unter das Vordach ihrer Hütte und gemeinsam flickten wir den Schlauch im Trockenen. Aber viele Köche verderben den Brei und wir mussten das Ganze nach wenigen Kilometern wiederholen. Diesmal kamen wir mit dem freundlichen Wachmann Miguel ins Gespräch, der sich danach mehrmals telefonisch meldete und rührend besorgt darum war, dass wir Nicaragua von seiner besten Seite kennenlernen.

Reifen flicken

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In León, 1524 von den Spaniern gegründet und nach Managua die zweitgrösste Stadt in Nicaragua, gönnten wir uns ein paar Tage Rast. Wir schlenderten durch die breiten Strassen mit ihrem etwas verlotterten, kolonialen Charme, schlugen uns die hungrigen Bäuche voll und besuchten das Revolutionsmuseum. Dort erhielten wir eine eindrückliche Führung durch einen verschmitzten ehemaligen Revolutionär, Kampfname „Comandante Hugo“, der in einer um Jahre jüngeren Version auf einem Teil der Fotos posierend und triumphierend zu sehen war. Er führte uns durch die düsteren Räume des Museums und spickte die geschichtlichen Ereignisse mit seinen eigenen Erlebnissen.

León und seine Kirchen

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im Revolutionsmuseum mit „Comandante Hugo“

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ehemalige Kämpfer warten auf ihren Einsatz als Museumsführer

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Graffiti in León

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Doch bereits nach wenigen Tagen juckte es uns wieder in den Beinen und so fuhren wir weiter, entlang der Cordelliere, flüchteten eine Nacht vor heftigem Regen ins kleinen Städtchen Nagarote. Kurz vor Managua machten wir am nächsten Tag die Bekanntschaft eines einheimischen Radfahrers. Orlando (ohne Gepäck dafür, auf einem klapprigen alten Renner) schloss kurz zu uns auf und so kam man tretend ins Gespräch über Gott und die Welt – mit einem Ohr immer auf die heranbrausenden Lastwagen gerichtet. Orlando wartete auch geduldig, als wir am Stadtrand von Managua in einem trockenen Wassergraben einen Platten flicken mussten. Nach getaner Arbeit trotzten wir gemeinsam dem hektischen Verkehr Managuas. Als dann des Verkehrsgewusel etwas nachliess und wir die vierspurige Ausfallstrasse nach Masaya, unserem eigentlichen Ziel an diesem Tag, erreicht hatten, verabschieden wir uns. Radfahren verbindet!

Reifenpanne vor Managua

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Doch wir sollten Masaya an diesem Tag nicht erreichen. Aber nicht etwa wegen widrigen Verhältnissen oder einem Unfall, sondern weil wir etwa 15 km nach Managua den „Parque Nacional Volcán Masaya“ passierten. Nach einem kurzen Schwatz mit der freundlichen Parkwächterin am Eingang liessen wir von unserem ursprünglichen Plan ab und beschlossen, die Nacht im Park zu campieren. Man liess uns freundlicherweise neben dem Besucherzentrum / Museum campieren. Nachdem der Park um 17 Uhr seine Tore schloss waren wir dann alleine im Park, jedenfalls fast, abgesehen von einem herumschleichenden Parkwächter, der uns einschärfte, ja nicht im Dunkeln die Vulkane erklimmen zu wollen! Wir waren brav, befolgten seine Anordnung, genossen die fantastische Aussicht über die Laguna de Masaya und wurden mit einem spektakulären Sonnenuntergang belohnt.

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Am nächsten Morgen waren wir bereit für den steilen, ohne Gepäck federleichten, Aufstieg an den Kraterrand. Es waren heisse und steile 4 km durch bizarre Lavafelder und schweflige Nebelschwaden. Und wieder wurden wir mit einer wahnsinns Aussicht belohnt.

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Am Kraterrand

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Masaya war nach dem Park eine gute, lebendige Abwechslung. Gerade an diesem Wochenende fand die alljährliche „Desfile Hipico de Masaya“ statt, ein dreistündiger Umzug zu Pferd durch die Stadt. Dabei versuchte jeder Pferdebesitzer, sich und sein Pferd von der besten Seite zu präsentieren- was oft gelang. Kurz ein Cowboy-Umzug erster Güte. Für einige standen die Pferde im Mittelpunkt, für die meisten schien es jedoch mehr um Speis und vorallem Trank zu gehen. Alles in allem also ein wilder Mix aus betrunkenen Reitern im Sonntagsgewand, Familien-Saufgelagen im Stadtpark, Jahrmarktstimmung für die Kinder und ein Transvestitentanzwettbewerb zum Schluss. Alles sehr unterhaltsam, wir sind aber nicht sicher, ob es die Pferde auch geniessen konnten.

Hipico de Masaya

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Nach Masaya statteten wir Granada am Lago Cocibola (Lake Nicaragua) einen Besuch ab. Die Stadt scheint Kirchen im Überfluss zu haben und etwa ähnlich viele Touristen. Wir hatten ein paar schöne Tage und fuhren dann 70 km nach Süden um von San Jorge mit der Fähre noch Ometepe, einer Insel im Lago Cocibola, überzusetzen. Aber soo einfach ging das dann doch nicht! Da musste zuerst Hafensteuer für Personen und am Fenster für Fahrzeuge dann noch eine Fahrrad-in-den-Hafen-Steuer bezahlt werden. Schliesslich durften wir unsere Räder über eine Planke aufs Schiff schieben. …und wie fast immer wenn wir uns aufs Wasser begeben fing es kurz darauf an zu regnen.

Granada

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Die kleine Insel Ometepe könnte mit ihren zwei Vulkanen Jim Knopfs Lummerland sein, gäbe es bloss eine Eisenbahn und einen König. Da es aber keine Eisenbahn gab, umrundeten wir Ometepe auf seinen holprigen und teils steilen Strassen zu Rad und zu fuss, schliefen im Zelt, bestaunten die Schönheit der Natur, beobachteten Brüllaffen, bewunderten bunte Vögel, wurden von Papageienlärm geweckt, plauderten mit Bauern und Fischern, futterten grosse Fische, kayakten im Sonnenuntergang auf dem See herum und traffen Reisende aus aller Welt, So verbrachten wir lustige Tage mit Shane (IRL) und Abby (USA). Und nebenbei ernährten wir ganze Moskitofamilien mit unserem reichhaltigen Blut. Kurz, das gemächliche Inselleben zog uns rasch in seinen Bann – und unsere Hängematten erledigten den Rest.

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Moyagalpa mit Blick auf Vulkan „Concepción“

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„Congos“ – Brüllaffen

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holprige Wege um Ometepe

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Vulkan Concepción

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Mit Abby und Shane auf dem Fluss

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Prozession in Altagracia

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Verschnaufpause

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wie überall in Nicaragua: Werbung für die Partei FSLN am Strassenrand

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Camping

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Lago Cocibola

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Als wir das nächste Mal auf die Uhr sahen, waren zwei Wochen um und es war an der Zeit, aufs Festland zurückzukehren.

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Rivas – Festland

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Damit wir jederzeit Kokosnüsse öffnen können sahen wir es als dringend notwendig an, eine Machete zu kaufen. Dieses Vorhaben setzten wir zurück an Land gleich in die Tat um, bevor wir die verbleibenden 30 km von dunklen Sturm- und Regenwolken gejagt an den Pazific preschten. Sie haben uns natürlich nicht einholen können! So erreichten wir verschwitzt aber mit neuer Machete San Juan del Sur, einem Surferstädtchen am Pazifik. Wo wir gleich auf mehrere bekannte Gesichter stiessen, Brendan (IRL) hatten wir schon in Antigua kennen gelernt, Abby und Shane wie auch Loz (ENG) und Jed (USA) in Ometepe. Dazu kamen noch Joanne und Neil aus Australien, die Shane schon in Südamerika und Panama getroffen hatte. Wir verbrachten dort ein paar unterhaltsame Tage und Nächte und campierten dazwischen ein paar Nächte am abgelegnen Traumstrand „Maderas“. Der Weg dorthin und wieder zurück war excellentes offroad Training und wir konnten an unseren Schlammfahrkünsten feilen, bis sich die Räder vor lauter Schlamm fast nicht mehr drehen liessen.

vom Regen gejagt

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Strand – schön streng!

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…mit „Radleibchen“

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San Juan del Sur

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„Piraten“ am Strand

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Und dann hiess es wieder einmal Abschied nehmen und auf in den Sattel, für die verbleibenden 48 km nach Peñas Blancas, der Grenze zu Costa Rica.

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Galerie in gross:

Honduras | gescheiterter Staat

ca. 140 Kilometer / 4 Tage

Route: Goascoran (Grenze El Salvador) – Nacaome – San Lorenzo – Choluteca – Gausaule / Somotillo (Grenze Nicaragua)

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Honduras, gescheiterter Staat und die Sorgenetappe für viele Panamericana-Radler. Aufgrund des bergigen Landesinneren (wer will sich das als Reiseeinstieg schon antun?), hatten wir uns bereits in Guatemala entschieden, Honduras nicht in seiner ganzen Länge zu duchqueren. So nahmen wir nur mit dessen südwestlichen Ausläufer zwischen El Salvador und Nicaragua vorlieb. Der Ruf des Landes war nicht der beste. Korrupte Polizei, Gangprobleme und Raubüberfälle an der Tagesordnung. Da wir allerdings die beiden grossen Städte Tegucigalpa und San Pedro Sula meiden würden, sollte uns dies weniger betreffen. Kein Grund zur Sorge also. So gingen wir die Grenze (dem Ruf nach schwierig und hektisch) entspannt an. Es würde schon gut gehen. Und dies tat es auch! Ein bisschen freundliches Geplauder auf salvadoranischer Seite und noch mehr davon auf honduranischer… und schwupps, schon winkte man uns freundlich durch und wünschte uns eine gute Reise…. ohne korrupte Forderungen, ohne Schwierigkeiten wegen der Räder, ohne Gepäckkontrolle. Bienvenidos a Honduras!

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So radelten wir so gegen neun Uhr morgens vergnügt und etwas verblüfft über holprigen honduranischen Asphalt. Passanten winkten, Menschen strahlten und alle Kinder waren geschniegelt. Was war los? Hatten wir uns im Datum geirrt und es war Sonntag? Wie sich herausstellte war nationaler Tag der Kinder, also allemal ein Grund sich herauszuputzen und Ballons zu halten. Auffallend aber war die plötzliche Absenz von Stacheldraht- und Elektrozäunen um Häuser und Gärten herum und auch nicht jedes Fenster und jede Tür war mehr vergittert, wie noch vor wenigen Kilometern auf der anderen Seite der Brücke. So schlimm konnte es dann wohl nicht sein.

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Weiterhin ging es durch hügeliges grün und einige wenige kleine Dörfchen aber im Kontrast zum dicht besiedelten El Salvador hat das um ein vielfaches grössere Honduras nur etwa einen Fünftel so viele Einwohner. Dies war deutlich spürbar und so erreichten wir nach teils menschenleeren 30 Km die erste kleine Stadt, Nacaome. Überrascht mussten wir feststellen, dass es in Honduras Löwen und Leoparden gibt – zu unserem Glück (und ihrem grossen Unglück) gehörten sie aber zum Zirkus,  dessen Zirkuszelt im Hintergund stand. Aus den Lautsprechern plärrte es zum Tag der Kinder: „hoy todo los niños gratis!“

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Verlockend…aber wir suchten uns lieber ein Zimmer wo es sich gut aushalten liess und der Besitz nebenan gleich noch Sättel fertigte und reparierte. Das erklärte gleich auch die roten Finger – diese waren uns beim Einchecken gleich aufgefallen. Nacaome war in Feststimmung und vor dem örtlichen Supermarkt wurden mit Eifer Piñatas verhauen und Honduras spielte ein Qualifikationsspiel gegen Panama (im TV). Ein 2:2 trübte die Freude leider etwas. Aber auch hier war bei Einbruch der Dunkelheit Rückkehr hinter Hotelmauern angesagt. Dort blieben wir dann gleich auch noch einen Tag länger, da Dainas Magendarmtrakt von aufständischen Dämonen heimgesucht wurde.

Nacaome

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Zweiter Stopp, etwa 60km weiter und Daina bei besserer Gesundheit, war Choluteca: gösser, lebendiger, auch gutes Essen (sie habens wirklich drauf, die centroamericanos!) und sympatisch.

Hotel in Choluteca

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Auch hier kamen wir immer wieder ins Gespräch mit freundlichen und oft sehr offenen Menschen. Von Fussball über Religion, den Preis unserer Fahrräder, die Mühen des täglichen Lebens bis zu unserer mysteriösen Nicht-Gringo-Herkunft (Gringos sind nur Amis) war alles wurde besprochen. So erfuhren wir zum Beispiel von einem Miguel, dass man ja in Europa vorwiegend Dosennahrung isst. Er wisse dies, weil nach dem Hurrikan Mitch, der Honduras schwerstens zugesetzt hatte, die ganzen Nahrungsmittelhilfe in Dosenform ankam – wir wissen ja auch, dass alle Südamerikaner „el condor pasa“ auf der Panflöte spielen…

Shopping am Strassenrand – kein Dosenfutter

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An unserem 4. Tag in Honduras packten wir wie gewohnt morgens um 6 Uhr unsere 100 Sachen und strampelten die restlichen, hügeligen, knapp 50 km zur Grenze am Rio Guasaule. Honduras war zu uns freundlich, sehr schön und sehr regnerisch, hügelig, grün, lebendig und in Vorfreude auf den bevorstehenden Nationalfeiertag (wie auch in Guatemala, el Salvador und Nicaragua der 15. September) überall mit blau-weiss-blauen Fähnchen bestückt.

Schwerverkehr auf der „Panamericana“

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Pause mit musikalischer Unterstützung

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Und zum Schluss wurden wir freundlichst von den zuständigen Grenzbeamten verabschiedet – mit der Erlaubnis, noch ein Foto von der Grenze zu schiessen.

Grenzrummel in Guasaule – Geldwechsler, Taxis, etc.

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Adios Honduras – Grenzbrücke über den Rio Guasaule

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…und wie gewohnt, zum Schluss die Galerie zum blättern:

El Salvador | im Land der Maras

ca. 360 Kilometer / 13 Tage / 2 Platten 

Route: La Hachadura (Grenze Guatemala) – Cara Sucia – Playa El Zonte – Playa El Tunco – La Libertad – Zacatecoluca – Usulutan – San Miguel – Santa Rosa de Lima – Goascoran (Grenze Honduras)

 

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Unser erster Grenzübertritt mit dem Fahrrad war von freundlichen Grenzbeamten, sowie auf guatemaltekischer als auch auf salvadoranischer Seite, geprägt. Zwar durfte bei der Einreise der genaue Name und Standort unseres Landes erklärt werden, da hilft nämlich auch die fragwürdige Karte auf der ersten Seite unseres Passes nichts. Daran liessen sich aber auch gleich unsere Spanischkenntnisse messen und wir durften zufrieden passieren.

Vulkane überall

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Bei brütender Hitze und angefeuert von Passanten (Erwachsene und Kinder am Strassenrand winkten freundlich und Autofahrer hupten ermunternd, während wir nur deren Hände oder hochgestreckte Daumen aus den Fenstern winken sahen – dies sollte im ganzen Land so bleiben) erreichten wir 10 km später das erste Dorf in El Salvador, Cara Sucia. Dort nächtigten wir in einem Hotel, stellten unsere innere Währung von guatemaltekischen Quetzales auf US Dollars um und machten unsere ersten Erfahrungen mit „Pupusas“, dem Nationalgericht El Salvadors. Pupusas sind mit Bohnenpaste und Käse gefüllte Tortillas welche dann von Hand (mit den Fingern) mit Tomatensauce und Krautsalat gegessen werden. Eine leckere Sache, solange man es nicht übertreibt. Werden sie doch als Frühstück, Mittag- und Abendessen serviert.

Unsere Route durch El Salvador sollte grob der „Carretera Litoral“, El Salvadors Küstenstrasse, folgen. Diese durchkreuzt das Land der Länge nach von Westen nach Osten. Im Gegensatz zur vierspurigen Panamericana (hier „Carretera Interamericana“ genannt) mit ihren Lastwagen und Abgasen, folgt die Carretera Litoral jedoch – mit teils bis zu 50 km Abstand – der Küste. Ausserdem konnten wir es so vermeiden, den Moloch San Salvador durchradeln zu müssen….so genau wollten wir das Problem mit den „Maras“ (MS13 und M14, zwei rivalisierende Strassengangs mit landesweit über 100’000 Mitgliedern) in El Salvadors Hauptstadt ja nicht kennenlernen.

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Am zweiten Tag in El Salvador radelten wir also wieder früh los und legten, angetrieben vom Gedanken an Meer und Strand, fast 100 km entlang El Salvadors Balsamküste zurück. Die ersten 50 davon waren flach und führten uns durch kleine Dörfer und Ortschaften entlang der Strasse. Diese hatte hier, wie schon in Guatemala, je eine Spur pro Richtung plus einen Randstreifen – perfekt für Fussgänger, Reiter, Ochsenkarren und „Radlaster“ wie uns. Dies galt für den Grossteil unserer Strecke in El Salvador.

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Bei regelmässigen Trink- und Futterstops kamen und kommen wir auch immer wieder ins Gespräch mit passanten, von Ladenbesitzern, Getränkehändlern und Lastwagenfahrer über den fliegenden Käse- und Wurstverkäufer bis hin zu radelnden Schuljungen. Für Unterhaltung war gesorgt, und auch für umterschiedlichste Distanz- und Topographieangaben über die uns bevorstehende Strecke!

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mobiler Käse- und Wursthändler

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Die zweiten 46 Kilometer auf der Carretera Litoral waren dann plötzlich nicht mehr flach sonder ein ständiges auf und ab – meist in Sicht- und Hörweite des Pazifiks. Wunderschön! Wir trampelten durch grünen Dschungel im Schatten der Baumriesen, über Klippen, an Buchten entlang und durften nach jedem Aufstieg wieder ein paar Kilometer ins Tal sausen.

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Schutz vor dem Regen

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„surfen“ in Formation

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So erreichten wir gegen Abend El Zonte, einen kleinen Surfstrand. Zwei Nächte hier und ein paar Tage und Nächte im 10 km weiter gelegenen El Tunco – Meer, Hängematte, Swimmingpool! – liessen uns die kleinen und grossen Anstrengungen der ersten Etappe vergessen.

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Und dann war es wieder an der Zeit, in die Sättel zu steigen. An den folgenden sechs Tagen legten wir jeweils an die 60 km pro Tag zurück. Mit einem Pausetag nach dem Motto: „am fünften Tage sollst Du ruhen“. Dank frühen Starts waren wir meist trotz häufigen Trink- und Schattenstops um die Mittagszeit am Ziel.

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So hatten wir die Nachmittage zur freien Verfügung um die jeweilige Stadt und deren Markt zu erkunden, uns die Bäuche mit leckerem Essen vollzuschlagen – oder einfach in einen tiefen Erschöpfungsschlaf zu sinken.

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Da wildes Campieren aufgrund der Sicherheitslage in El Salvador nicht so angesagt ist, nächtigten wir in billigen Absteigen oder campierten (wie in San Miguel) im örtlichen Turicentro, einer Art Freibad. Dieses war, da staatlich, auch von einer Einheit Soldaten bewacht, welche sich rührend um unsere Sicherheit besorgten.

mit den Herren des Turicentros in San Miguel

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Das Thema Sicherheit war auch in Gesprächen mit Einheimischen immer wieder ein Thema. Wir wurden mit guten Ratschlägen eingedeckt (nie nachts fahren, nur an Tankstellen nach der Richtung fragen, keinem sagen wohin wir wollen, etc.) oder gefragt, warum wir ausgerechnet „im gefährlichsten Land der Welt“ radfahren würden und ob wir keine Angst hätten. Diese Ratschläge befolgten wir brav und verliessen bei Dunkelheit die Hotels nicht mehr.

Macheten – persönliche Sicherheit und Statussymbol

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Angst hatten wir aber meist nicht, da die Menschen überall sehr freundlich waren und wir nie durch total abgelegene Gegenden fahren mussten. Dennoch waren wir erleichtert als wir nach knapp zwei Wochen im wunderschönen El Salvador ohne Probleme El Amatillo, und damit die Grenze zu Honduras erreichten.

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Und zum Schluss noch alle Bilder zum durchstöbern – Galerie in gross: