Indonesien | Sumatras Süden

 

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April 2016
17 Tage, wovon 13 Tage im Sattel
1’073 km, ~ 536 Liter Schweiss
2’037 km gefahren seit Reisebeginn

Ölpalmen, Kokospalmen & Sandstrände
Mandi, Monokultur & Monotonie
Verkehrsanarchie & erste Platten
Abschied von Sumatra, per Fähre nach Java
die Polizei, dein Freund und Wegelagerer

 

Route | Mukomuko — Sebelat — Bengkulu — Lais — Manna — Merpas — Krui — Tanjung Setia — Sedeka — Pringsewu — Bandar Lampung — Kalinda — Bakauheni — (Fähre nach Java) — Merak — Cilegon — Karangantu — Kronjo — Tangerang — Jakarta

Route von Mukomuko nach Jakarta

Route von Mukomuko nach Jakarta

 

Die Strecke, die vor uns lag verhiess zwar nicht allzu viel, trotzdem waren wir nach drei Tagen Pause im kleinen Mukomuko froh, wieder frischen Fahrtwind im Gesicht zu haben. So richtig fit waren wir jedoch beide nicht und die nächsten zwei Wochen wurden ein Gesundheits-Wechselbad. Die Hitze war oft drückend, die Luft schien zum schneiden dick und die Erfrischung einer kühlenden Dusche war oft schon nach wenigen Minuten verpufft.

 

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Mandi — Die Dusche, unser Freund und Retter, sieht in Indonesien oft so aus. Ob in Hotel, bei der ‚Polisi‘ oder an der Tankstelle. Es gibt sie in jeder erdenklichen Zerfalls- und Hygiene-Variation. Erfrischen tun sie alle!

 

Immer in Küstennähe, aber selten mit Meerblick, ging es auf und ab, während uns Ölpalmen stundenlang Spalier standen. Umso vehementer wurden wir aus der Monotonie der Monokultur gerissen, sobald wir durch Dörfer kamen und von den ersten Kindern entdeckt wurden. Diese stürmten bei unserem Anblick jeweils an die Strasse und riefen voller Freude „Tu-rist, Tu-rist, Tu-rist!“. Dies gelang sogar Kindern, die sonst wohl noch weder sprechen noch gehen konnten.

 

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Kurz nach Mukomuko verlassen wir die Küste und strampeln die nächsten Tage mehr oder weniger fröhlich und gelangweilt durch Monokulturen der palmigen Art.

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Doch Sumatra hat nicht nur Öl, sondern auch Kautschuk im Angebot.

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Noch nicht oft, aber immer wieder funkeln Wellen durch die Palmenreihen.

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Auch Katzen finden sich reichlich!

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Weiterhin sind wir gerne geknipste Gäste.

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Unsere sensationell lange Nasen sind der Hit, aber auch der Grössenvergleich sorgt für Gelächter!

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…da hat die Konkurenz keine Chance.

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In Bengkulu ist es dann an der Zeit, sich der lokalen Frisurenmode anzupassen.

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Wohl dank Robins neuer Frisur stoppt uns die Polizei von Manna eines Morgens mit quietschenden Reifen. Wir werden Teil ihrer Anti-Drogen-Kampagne!

 

Und dann, als unser Durchaltewille an einem immer dünner werdenden Faden hing und uns jede Steigung zur Weissglut trieb — in einem besonders fiesen Stück hatte Daina bereits den Abbruch der Reise beschlossen —, geschah das Unerwartete. Die Wogen der Ölpalmen lichteten sich, kühlende Lüftchen zerschnitten die Hitze und die Hügel zerflossen zu Reisfeldern. Es wurde Strand. Mit Fischerdörfern gespickte Sandstrände erstreckten sich entlang der Strasse oft Kilometerlang, das Radfahren machte plötzlich wieder mehr Spass und schliesslich erreichten wir Krui. Obwohl im kleinen Surf-Mekka an Sumatras Südküste zu dieser Jahreszeit mehr Mekka als Surf angesagt war, ‚gönnten‘ wir uns ein paar Ruhetage. Daina war krank. Dafür doppelten wir dies im Anschluss mit zwei Tagen am Strand von Tanjung Setia, keine 20 Km südlich gelegen, nach.

 

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Was sich fies und steil anfühlte, sieht von oben nicht so schlimm aus. Im Gegenteil.

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Wo die Strasse durch den Dschungel verläuft….

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….nehmen wir uns umso mehr Zeit, halten an, beobachteten und lauschen.

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Halten wir um etwas zu trinken, halten Familien an und staunen bis wir ausgetrunken haben.

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Dann Strände, endlich.

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Das süsse Leben…

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…im Häuschen am Strand…

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…mit Platz für Alle!

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Auf dunkle Wolken über Krui…

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…folgten entweder brennende Sonnenuntergänge…

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…oder stundenlanges, elektrisches Donnerwetter vom Feinsten.

 

Vor der nächsten Etappe durch einen Nationalpark wurden wir immer wieder gewarnt, da es in dessen Nähe nachts Überfälle gebe. Von verschiedenen Seiten riet man uns, die Nacht auf dieser Strecke in der Polizeistation in Sedaka zu verbringen, welche wir tatsächlich kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten. Dass uns auf den letzten Kilometern ein, mit einer Sturmhaube vermummter, Motorradfahrer ‚verfolgte‘, war bei über 30 Grad etwas unheimlich, aber wohl weniger für einen Überfall, sondern wirklich als Schutz gegen den kalten Fahrtwind gedacht. Andere Länder, andere Sitten.

 

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Im Nationalpark nimmt uns heftiger Regen jegliche Sicht. Der Himmel öffnet sich mit solcher Wucht, dass wir auch am nächsten Morgen noch nass sind. Hier der Nebel danach.

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Die Sonnenuntergänge bleiben malerisch.

 

So auch bei der Polizei. Freundlich wiesen uns die vier in Zivil herumflachsenden Polizisten einen Campingplatz vor ihrer Moschee zu — richtig gehört, jede Polizeistation hat eine Moschee — bevor plötzlich Bewegung aufkam und die Herren sich uniformierten. Anschliessend wurde das Polizeiauto am Strassenrand vor dem Tor platziert. Mit Blaulicht. Kurz darauf, wir stellten gerade in aller Ruhe unser Zelt auf, ging plötzlich ein riesiges Gezeter los, gefolgt von einer Episode ‚Guter Bulle, Böser Bulle‘ und schliesslich wechselten Geldscheine ihren Besitzer, worauf der Fahrer des kontrollierten Kleinlasters kleinlaut davon fuhr. Nicht so die ‚Polisi‘. Sie warfen sich wieder in Zivilkleider und — wer hätte das gedacht — fuhren voller Freude Im Dienstwagen zum Abendessen. Sie hatten es sich verdient!

Der Weg an Sumatras Südspitze, entlang der ‚Sundastrasse‘ führte uns durch immer dichter besiedeltes Gebiet. Der damit einhergehende, immer dichtere Verkehr, bereitete uns darauf vor, was uns auf Java erwarten sollte. Die ‚Hello Mister‘-Rufe nahmen merklich ab, die Dörfer wurden bereits städtischer und die Menschen waren zwar immer noch sehr freundlich aber merklich distanzierter. Nach Bandar Lampung fuhren wir stundenlang im Schwerverkehr Richtung Fährhafen in Bakauheni. Die malerischen Hügel und der Blick in Richtung Krakatau konnten nicht über den grässlichen Gestank der Nebel hinwegtäuschen, welche die hier angesiedelte Stahlindustrie gegen Himmel pustete. So gelangten wir schliesslich an Sumatras südlichen Zipfel und bevor wir uns versehen konnten, standen wir auf der Fähre nach Java.

 

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Je näher wir Bandar Lampung kommen, umso dichter wird der Verkehr.

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Schliesslich fahren wir in Bakauheni, an Sumatras Südspitze die Fähre nach Java. Die 2 Stunden-Überfahrt kostet pro Kopf mit Rad gerade mal 1.50 Fr. .

 

In Java liefen wir bei Einbruch der Dunkelheit in den Hafen ein. Es blieb uns gerade noch genügend Zeit, ein Zimmer in einem Hotel zu ergattern. Später kamen nicht umhin zu bemerken, dass die hauseigene Disco ihre Tore erst um Mitternacht öffnet, dafür umso lauter aufdreht. Etwas zermürbt machten wir uns darum am nächsten Tag daran, Java zu erkunden. Bis Jakarta blieben uns noch 140 Km. Wir dachten aber nicht daran diese auf direktem Weg mit allen Lastwagen zu teilen und, anders als in Südamerika, war hier die Autobahn für Radfahrer tabu. So suchten wir uns eine Route nach unserem Geschmack. Kaum die Schnellste dafür mit viel Unterhaltungswert — über Feldwege, durch Sümpfe und Reisfelder, entlang kleiner Flüsse, mitten durch einen Markt oder auf den Fussgängerweg für Pilger. Als Buleh durften wir das.

 

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Einer davon führt uns zu einer mit Pilger gefluteten Moschee…

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…umgeben von kleinen, Buffetartigen Ständen. Die Auswahl ist gross.

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Hier Reis mit Tofu.

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Aber auch an kleinen Holzbuden am Strassenrand lässt sich rasten und speisen. Immer noch dürfen Fotos mit allen Anwesenden nicht fehlen.

 

Einzig die Unterkunftssuche gestaltete sich zum ersten Mal richtig schwierig. Gegen Abend waren wir den Ausläufern Jakartas schon näher als uns lieb war und wir fanden partout keinen Zeltplatz, weder bei Schulen, Fabriken noch bei der Polisi, wo man uns jeweils weiterschickte mit den Hinweis auf ein Hotel. Das erste Hotel gab es nicht und mittlerweile war es stockfinster. Auch hatten wir trotz eines späten Starts bereits 100 km in den Beinen und unsere Rücklichter begannen auch zu schwächeln. Nicht gut. So jagten wir bereits etwas nervös in einem Strom von hunderten Scootern, oder deren Lichtern, dahin. Das zweite Hotel hatte 5***** und wir waren dreckig, das dritte Hotel war voll und die folgenden ebenso. Schliesslich, erschöpft nach einer dreistündigen Odysse durch Jakartas Vororte, fanden wir nach 21 Uhr endlich eine Bleibe für die Nacht. Ein Hotel, für das wir nur auf den ersten Blick zu dreckig waren.

Die letzten 20 km ins Stadtzentrum der 14-Mio-Stadt (oder sind es 20 Mio?) waren dann am nächsten Morgen nur noch der Nachtisch. Obwohl Jakarts Verkehr ein schlechter Ruf voraus eilte, war das Navigieren mit dem Fahrrad kein Problem — während die Autos stundenlang im Stau standen flitzten wir mit dem Flow, überholten und drängten in Lücken. Im von Korruption zerfressenen Indonesien (der Führerschein ‚kostet‘ hier umgerechnet 7.- Fr.) werden Verkehrsregeln mehr als Vorschläge verstanden, an die man sich halten kann. So können Einbahnstrassen getrost, und nicht etwa mit verminderter Geschwindigkeit, in die falsche Richtung befahren werden und ein Rot bei Kreuzungen kann durchaus auch als Grün verstanden werden. Bedenkt man dies, kann Stadtverkehr durchaus Spass machen. Sicherheit geht aber leider nicht vor.

 

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Die Landschaft ist malerisch aber dicht besiedelt.

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Solche Wege haben wir vermisst! Das Knirschen unter den Reifen zaubert uns beiden ein breites Grinsen ins Gesicht.

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Doch der Verkehr wird dichter…

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…dichter, Jakarta wird spürbar.

 

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4 Kommentare zu “Indonesien | Sumatras Süden

  1. Super Foti, spannenda Text. Und als Anti-Droga-Botschafter machendr wörklig a guat Falla:-)
    Guati Gsundheit und viel Schös witerhin!
    mamagei

  2. Hihi do stimme diar zua. Hender för des fote no drugs Geld öberko oder hetender a buass öberko weners ned kmacht heten 🙂

  3. und wieder spannend wie immer. Gute Fahrt, bleibt gesund, geniesst jede Stunde, auch wenn sie steil ist. Alles Liebe aus der Heimat. Geri

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