Perus Süden | Inkaruinen & Abra Salkantay

1’490 Kilometer

47 Tage, davon 25 „radfrei“ (9 Ayacucho, 8 Cusco)

nur 4’600 MüM Maximalhöhe

19’055 gemessene Höhenmeter

800 gestossene /getragene Höhenmeter

Bezwungene Pässe:
Abra Saracchocha (4’210 m)
Abra Sorllaca (3’970m)
Abra Salkantay (4’600m)
zwei uns unbekannte Pässe à 4’545m und 4’580m

Highlights:
Radwandern über Salkantay Pass
Sprachverlust durch Höhenkrankheit
Peru im Dunkeln: Radfahren bei Nacht und Nebel
Mit dem Rad zum Machu Picchu
Freund oder Feind: Gib mir ein Heiligenbild oder verzieh dich!

Route: Ayacucho – Tambillo – Uripa – Chincheros – Talavera – Andahuaylas – Laguna Pacucha – Ruinas Sondor – Quillabamba – Ruinas Curama – Huancarama – Abancay – Abra Sorllaca (3’970m) – Curahuasi – Mollepata – Soraypampa (Gepäck ab hier auf Pferd bis Chaullay) – Abra Salkantay (4’650m) – Chaullay – Sahuayaco (bei Lucmabamba über Brücke, nicht nach Santa Teresa) – Hidroelectrica – Aguas Calientes (via Bahndamm, nur nachts möglich!) – Ollantaytambo (Zug) – Huarocondo – Cusco – Urcos – Combapata – Yanaoca – Langui – Layo – Macarí – Ayavirí – Pucará – Juliaca – Peninsula Capachica (Capachica – Llanchon – Capachica) – Taraco – Huancané – Moho – Tilali – Puerto Acosta (Grenze Bolivien) – Escoma – Achacachi – La Paz

PERUS SÜDEN

Ayacucho, eine gemütliche und schöne Stadt, kam uns nach Wochen in den Bergen gerade gelegen. Wir suchten uns ein Hotel mit einem sonnigen Zimmer und Strassenlärm und spannten eine Woche aus. Nachdem der ‚dia de la patria‘ (Staatsfeiertag) am 28. Juli mit einer grossen Parade und viel Tamtam zelebriert worden war, kam für uns die Zeit, dem Ruf der Strasse zu folgen. Zwischen uns und Cusco lagen knapp fünfhundert Kilometer, fünf Pässe über 4’000m und dazwischen einige fiese Täler gut 2’000 Höhenmeter tiefer. Hügelig also.

in Ayacucho

in Ayacucho

in der Stimmung für Fussball

in der Stimmung für Fussball

Klatsch im Schatten

Klatsch im Schatten

Patriot

Patriot (Ayacucho)

Leckereien

Leckereien

Wir hatten in den vergangenen Wochen und Monaten die Vorzüge kleiner Nebenstrasse kennen und schätzen gelernt und auch fand sich eine solche. Damit schlugen wir den ersten beiden Pässen ein Schnippchen, dachten wir. Zwar stieg die Strasse gut hundert Meter weniger hoch, doch sorgten viele Täler dafür, dass wir trotzdem auf genügend Höhenmeter kamen. Nach achtzig, meist ansteigenden Kilometern und einer Nacht im Schopf einer freundlichen Ladenbesitzerin, spuckte uns unser Strässchen auf 4’100m zurück auf die Hauptstrasse. Was nun folgte war eine zünftige Abfahrt von vierzig Kilometern hinunter auf 2’000m. Dort galt es nämlich eine Brücke zu überqueren, sich in nun tropischen Bedingungen von ein paar Mücken stechen zu lassen, mit einer Meute betrunkener Frauen Bier zu trinken (man müsse trinken solange man könne!) und dann den langen Aufstieg zum nächsten Pass (Abra Saracchocha, 4’210 m) in Angriff zu nehmen. Dessen wie immer unmarkierte Passhöhe erreichten wir dann im Laufe des nächsten Nachmittags. Wiederum wurden wir mit dreissig Kilometern Abfahrt belohnt, worauf wir die beiden nur fünf Kilometer voneinander entfernt gelegenen Nachbarstädte Talavera und Andahuaylas erreichten. Nach einem Tag Pause entschieden wir uns für die Weiterfahrt und wiederum gegen die Hauptstrasse. Wieder liessen wir damit einen Pass aus und wieder durften wir dafür mit vielen zusätzlichen Höhenmetern bezahlen. Dafür wurden wir jedoch mit einer blauen Lagune und traumhafen Aussichten über steile Andentälern belohnt und lernte freundlichen Menschen in kleinen Dörfern kennen. Eine Nacht verbrachten wir auf dem Fussballplatz einer kleinen Dorfschule, eine andere in einem Klassenzimmer eines Internats, wo wir gleich noch von den Nachbarn bekocht wurden. Abgerundet wurde das Ganze mit den Ruinen von Sondor und Curama, beide sozusagen am Wegrand und völlig ohne Rummel.

auch auf 4'000m sind wir nicht alleine

bei Matara, am zweiten Morgen nach Ayacucho

Spurt zur Passhöhe

Spurt zur Passhöhe

Ruinas de Curama

Ruinas de Curama – keiner da!

wer baut wo was an?

Panorama kurz nach den Sondor Ruinen

brachten uns Käse, Kartoffeln und Unterhaltung

Flor und ihre Freundin brachten uns Käse, Kartoffeln und Unterhaltung

müde, hungrig, durstig

müde, hungrig, durstig

...mal in der Schule

Schulzimmercamping

ziert Hausdächer, schützt bewohner (bei Curahuasi)

ziert Hausdächer und schützt deren Bewohner (bei Curahuasi)

Knapp eine Woche nachdem wir Ayacucho verlassen hatten, erreichten wir Abancay, eine untouristische kleine Stadt. Es wurde höchste Zeit, unsere Pläne für den Besuch der hochgelobten Ruinen von Machu Picchu zu konkretisieren. Wir waren mitten in der touristische Hochsaison und ein kurzer Besuch auf der offiziellen Website machte klar, dass im ganzen August nur noch wenige ‚Plätze‘ frei waren. So reservierten wir unsere Tickets unerwartet reibungslos online (reservieren, in der Bank bezahlen, ausdrucken). Das Timing schien uns perfekt und liess uns mit fünf Tagen genügend Zeit zur Anreise. Aguas Calientes der Ausgangspunkt für Machu Picchu ist nur per Bahn (für Ausländer massiv überteuert) oder zu Fuss zu erreichen. Beides sprach uns nicht so an. So suchten und fanden wir eine Alternative: Per Rad zum Machu Picchu. Der Countdown lief.

Dabei hatten wir die Rechnung aber ohne den weit verbreiteten, relativ entspannten Umgang mit Hygiene gemacht. Dessen Folgen verwandelten Robin über Nacht in einen übelriechenden, eierrülpsenden Haufen. An weiterkommen war nicht zu denken und wir mussten einen Tag länger bleiben. Noch vier Tage zum Machu Picchu.

Tags darauf waren die dichtesten Gaswolken im Hotelzimmer abgezogen und eine Weiterfahrt war möglich. Der Aufstieg zum Pass ‚Abra Sorllaca‘ begann direkt vor unserer Haustüre und endete erst 37 km später mit dessen Passhöhe auf 3’970m. Wie üblich folgte auf einen Aufstieg eine Abfahrt, diesmal hinunter auf 2’200m. Im sympathischen Städtchen Curahuasi sanken wir erschöpft in weiche Hotelbetten. Noch drei Tage zum Machu Picchu.

Schon um sieben sausten wir die 30km hinunter zur Brücke über den Rio Apurimac auf gerade noch 1’900m. Sogleich wurden wir von Mücken und stechenden kleinen Fliegen besaugt, was uns beschwingt in den Aufstieg starten liess. Nach wenigen Kilometern bogen wir von der Hauptstrasse auf ein steil ansteigendes Bergsträsschen ab. Darauf stiegen wir im Laufe des Tages höher und höher. Entsprechend ausgelaugt erreichten wir 45 km später und insgesamt 2’111 Höhenmeter höher bei Einbruch der Dunkelheit (und gleichzeitig Anbruch einer Regennacht) das Fünf-Häuser-und-fünfzig-Esel-Dorf Soraypampa. Hier fanden wir ein überdachtes Plätzchen für unser Zelt. Wir hatten uns für unseren Sturm auf Machu Picchu die Route des ‚Salkantay-Santa Teresa-Trek‘ ausgesuch, eine bei Touristen sehr beliebte, fünftägige Alternative zum berühmten Incatrail. Noch zwei Tage zum Machu Picchu.

Ruhetag am Fusse des Salkantay

Luft schnuppern nach einer Fiebernacht (Soraypampa, am Fusse des Salkantay)

Das Fieberteufelchen hatte andere Pläne und ergriff in der Nacht die Herrschaft über Robins Körper. Damit zwang es uns, ohnehin schon in Verzug, zu einem weiteren Ruhetag, diesmal im feuchtkalten Zelt auf 3’800m. Noch ein Tag zum Machu Picchu.

Die Ruhe tat seine Wirkung und nach einer weiteren Nacht war Robin wieder munter und bereit zum Gipfelsturm – die letzte Chance Aguas Calientes noch rechtzeitig zu erreichen. Es wäre uns sowieso das Benzin (zum Kochen, nicht Fahren) ausgegangen. Hier wurde es komplizierter. Mit Soraypampa hatten wir auch das Ende der Strasse erreicht. Ab hier wurde das Tal enger, links und rechts türmten sich riesige Gletschermassen und der Pfad wies ganz klare ‚für-Pferde-Esel-und-Wanderer‘-Eigenschaften auf. Sprich steil und felsig.

In weiser Voraussicht suchten und fanden wir morgens um sieben einen Ariero (Pferde- oder Eseltreiber), der unsere Satteltaschen auf einem Pferd bis auf die Passhöhe bringen sollte. Somit blieben uns ’nur‘ noch die Räder zu schleppen – was wir etwas unterschätzt hatten. Die drei Stunden und teils steilen sechs Kilometer und 800 Höhenmeter zur Passhöhe auf 4’600m verbrachten wir damit, pustend und schnaufend unsere Räder zu schieben, sie über Steine und Bäche zu heben, eins nach dem anderen über Felsen zu hieven oder damit Geröll zu pflügen. Hier und da liessen sich auch mal ein paar Meter fahren.

fahrbar, noch

erste Meter, noch fahrbar

weit und felsig

Wo ist Daina?

Geröll-Rad-Wandern

Robin beim Geröll-Rad-Wandern

Daina, der Lastesel

Daina muss kämpfen

mighty Salkantay

Mighty Salkantay

Wenige hundert Meter unter der Passhöhe machten sich bei Daina plötzlich erste Anzeichen eines Migräneschubs bemerkbar – oder war es die Höhe? Es war die Höhe. Sie sah helle Flecken, klagte über Kopfschmerzen und konnte einen Arm nicht mehr fühlen, wollte aber weitergehen. Je höher wir kamen, umso stärker wurden diese Symptome. Auf der Passhöhe konnte sie fast nichts mehr sehen. Beunruhigender war nur noch, dass sie auch nicht mehr sprechen konnte! Nach einigen Minuten auf der Passhöhe begannen wir deshalb möglichst schnell den Abstieg. Hier kam uns zu gute, dass unser Ariero unter Zeitdruck stand und mit unserem Gepäck zusammen mit seiner übrigen Fracht bereits weiter abgestiegen war. Die nächsten sechs Kilometer führten und hievten wir unsere Räder über den holprigen, felsigen und oft ausgewaschenen Pfad abwärts. Daina funktionierte einfach, stolperte vor sich hin und wollte auch nicht auf ein Pferd aufgeladen werden. Sie konnte zwar sprechen, leider aber nur in einer unverständlichen Geheimsprache. Klingt lustig, war es aber nicht, und je länger dieser Zustand anhielt, umso verzweifelter wurde sie! So wurde ihr automatisches Stolpern bald zu einem panisch-weinenden und schluchzenden Stolpern. Nach knapp zwei Stunden und bereits sechs Kilometern im Abstieg, begann sich ihr Zustand zu bessern. Plötzlich konnte sie auf einfache Fragen mit ‚hola‘ oder ‚jo‘ antworten und auch wieder kurze Sätze sprechen. Auch ihr eigener Name fiel ihr wieder ein. Dies machte uns beiden Mut und nach einer kurzen Pause und einigen Kraftriegel, konnten wir, mit einer mittlerweile sprechenden und wieder lächelnden Daina, unseren Abstieg fortsetzen. Wir hatten ohnehin keine Wahl. Mit unserem Gepäck waren auch unsere Nahrungsmittel, unser Wasser, sowie das Zelt und damit die Möglichkeit frühzeitig zu campieren, vorübergehend ausser Reichweite.

nicht mehr gut

nicht mehr gut, aber funktionierend

nach über drei Stunden im Abstieg, wieder sprachfähig

3 Stunden im Abstieg, wieder sprechend

alta selva, kurz vor Chaullay

alta selva, kurz vor Chaullay

fahrbar?

fahrbar?

Die nächsten zwei Stunden ging es weiter bergab, doch waren mit etwas Mut an die siebzig Prozent der Strecke fahrbar. Um uns herum war der Schnee und die eisige Kälte des Passes längst einem nebeligen, feuchtkalten Dschungelklima gewichen. Gegen fünf Uhr nachmittags erreichten wir das Dorf Chaullay, bereits wieder unter 3’000m gelegen. Hier fanden wir Lorenzo, unseren ‚Ariero‘, mit unserem Gepäck. Er hatte sich Sorgen um uns gemacht und organisierte uns erst einmal eine wärmende Tasse Kaffee. Zwölf Stunden bis Machu Picchu.

Lorenzo

Ariero Lorenzo

Da es Daina wieder besser ging, entschlossen wir uns, noch ein paar Kilometer hinter uns zu bringen. Zwei Stunden holperten wir auf einer Kiesstrasse durch das, in der Dunkelheit scheinbar menschenleere Tal des Rio Teresa. Gegen acht erreichten wir erschöpft das kleine Dorf Sahuayaco. Wir konnten nicht mehr und fanden schnell ein Restaurant, in dem wir erst essen und anschliessend unser Zelt aufstellen konnten. Um neun sanken wir erschöpft in unsere Schlafsäcke. Noch neun Stunden bis Machu Picchu.

Ein letzter Funken Hoffnung, Aguas Calientes, und damit Machu Picchu, doch noch am kommenden Tag und mit gültigen Eintrittskarten zu erreichen, glimmte noch in uns. Zusätzlich zur Distanz (geschätzte fünfzig Kilometer) galt es noch eine weitere Hürde zu bewältigen: Die letzten neun Kilometer mussten in Ermangelung einer Strasse auf oder entlang den Bahnschienen gefahren werden. Dies ist nicht erwünscht und Wachposten in Hidroelectrica (dem Beginn der Bahnstrecke) sollten uns an diesem Vorhaben hindern. Erwischten sie uns, würden wir auf den Zug nach Aguas Calientes (am nächsten Nachmittag um 15.20 Uhr) warten müssen – und bis dann wären unsere Tickets verfallen. Die Chancen, in den folgenden Tagen neue kaufen zu können standen ungewiss.

Daher klingelten uns um 1.00 Uhr morgens, nach nur vier Stunden Schlaf, unsere Wecker (sicherheitshalber zwei) aus unseren Träumen. Noch fünf Stunden bis Machu Picchu. Wollten wir es schaffen, mussten wir Hidroelectrica, die Checkpoints und den Bahnhof frühstmöglich passieren…in der Hoffnung auf dösende, unachtsame oder nachlässige Wachen. Nun bei Vollmond holperten wir durch die dunkle Nacht. Im Gegensatz zum Vorabend war die Strasse nun von Häusern und Bananenplantagen gesäumt. Wo Menschen wohnen, wachen Hunde. Diese belästigten uns aus dem Schutze der Dunkelheit heraus und liessen zugleich alle anderen Hunde wissen, dass es hier zwei bleiche Nachtradler zu vertreiben galt.

Nach zwei Stunden folgten wir bei Lucmabamba einem Wegweiser und überquerten eine Brücke. Plötzlich begann die Strasse (immer noch Kies und Lehm) anzusteigen und je länger wir stiegen umso klarer wurde uns, dass wir uns im nächtlichen Peru verfahren hatten. Noch zweieinhalb Stunden bis Machu Picchu.

Nach einiger Zeit kamen wir an die hell erleuchteten Anlagen eines Wasserkraftwerks. Auf Nachfrage am Tor erfuhren wir, dass wir zwar nicht dort waren wo wir gedacht hatten, doch der Weg nach Hidroelectrica nicht mehr weit sei: „Mit dem Motorrad vierzig Minuten.“ Unsere Hoffnung sank, doch trampelten wir weiter, kontinuierlich bergauf, durch die mittlerweile mondlose Nacht. Nach einer weiteren Stunde durch ein dunkles, menschenleeres Tal – das letzte Dorf hatten wir schon vor langer Zeit hinter uns gelassen – kam plötzlich leben auf. Immer wieder überholten uns Pickups mit Blinklicht. Wenig später passierten wir mitten im scheinbaren Nichts einen (ausgeschilderten) Heliport und kurz darauf sahen wir weiter vorne Licht. Eine Mine? Ein paar Häuser? Ein Dorf? …Hidroelectrica? Irgendwo krähte ein Hahn in der Dunkelheit. Wir wurden nervös.

Kaum hatten wir unsere Lichter ausgemacht und vorsichtshalber noch eine Socke darüber gestülpt, kam auch schon ein hell erleuchteter Kontrollposten in Sicht. Ohne Licht fuhren wir auf möglichst leisen Sohlen darauf zu und, ohne die vielen Stoppschilder zu beachten, daran vorbei. Viel Licht, aber kein Mensch in Sicht. Keine fünfzig Meter weiter begannen die Bahnschienen und uns wurde klar, dass wir wirklich Hidro-Electrica und damit den Endspurt erreicht hatten. Ab jetzt mussten wir den Schienen folgen und es bestand immer noch Gefahr entdeckt zu werden. Kaum hatten wir begonnen, die Räder auf dem groben Schotter der Geleise zu schieben, tauchte vor uns auf den Gleisen eine Gestalt auf. Neben uns begann ein Hund zu jaulen. Perfekt. Ohne Hoffnung duckten wir uns an die Böschung und sahen zu, wir der Mann auf den Schienen näher kam und schliesslich, ohne uns zu beachten, an uns vorbei ging! Sofort stellten wir unsere Räder wieder auf und ’schlichen‘ weiter. Auf Eisenbahnschotter ist schlecht schleichen, schiebt man aber dazu ein schwer beladenes Fahrrad neben sich her, ist es vorbei mit der schützenden Ruhe. Mit einem von Hundegebell untermalten Höllenlärm schoben wir unsere Räder durch einen hell erleuchteten aber menschenleeren Bahnhof und danach noch hundert Meter weiter. Dann mussten wir unsere Räder über eine Böschung und einige steile Stufen hinaufschleppen. Dies ging nur gemeinsam, ein Rad nach dem anderen. Wir waren gerade dabei, das zweite Rad in den Schutz der Dunkelheit zu zerren, als sich am Bahnhof ein Schatten löste und auf den Schienen direkt auf uns zu kam. Wieder verharrten wir, wieder ging der selbe Mann an uns vorbei, wieder schenkte er uns keine Beachtung. Sogleich zerrten wir auch das zweite Rad in den Schutz der Dunkelheit. Weiter ging es den Schienen entlang, wieder ’schlichen‘ wir an hell beleuchteten Häuschen vorbei und noch einmal durften wir unsere Räder über dunkle, rutschige Stufen schleppen, stossen und ziehen. Schliesslich erreichten wir die Schienen, die uns nach Aguas Calientes bringen würden. Mit jedem Schritt liessen wir die Lichter und damit Hidro-Electrica weiter hinter uns und nachdem wir einige Zeit später eine Eisenbahnbrücke überquert hatten war klar, dass man uns nicht mehr entdecken würde. Waren wir wirklich gerade unbemerkt an den Wachposten vorbei und durch den Bahnhof hindurch geschlichen, bei dem Lärm!? Und warum hatten wir den Hund immer noch dabei? Wir konnten es selbst kaum glauben. Vor uns lagen noch neun Kilometer. Oft konnten wir auf einem schmalen Trampelpfad links oder rechts der Geleise fahren, mussten unsere Räder aber in regelmässigen Abständen über die Schienen, über kleine Kanäle und über Brücken tragen. Verbotsschilder konnten wir keine lesen. Unsere verräterischer neuer Hundefreund begleitete uns ungefragt aber ruhig.

Als an diesem Morgen um sechs Uhr die Tore zu Machu Picchu öffneten, waren wir nicht mehr weit davon entfernt. Bei einem Frühstück auf den Geleisen sahen wir die Sterne auf der Rückseite der Ruinen von Machu Picchu funkeln.

Bahndammdämmerung

Bahndammdämmerung (zwischen Hidroelectrica und Aguas Calientes)

Kurz vor sieben rollten wir, in der Touristenhölle namens Aguas Calientes ein und hatten das Rennen gegen die Zeit gewonnen – der Countdown war zu Ende. Trotz unglaublich vielen Hindernissen und einer widerspenstigen Routenwahl hatten wir es geschafft. Wir waren per Rad zum Machu Picchu gefahren – wenigstens fast, nämlich nach Aguas Calientes.

Nach zwei Stunden Hotelsuche (Hochsaison) konnten wir schliesslich am frühen Nachmittag die Ruinen mit unserer verschwitzten Anwesenheit beehren. Zusammen mit Horden von Touristen schlichen wir durch die Ruinen, staunten über die unglaubliche Anlage, machten ein paar Fotos und – für uns beinahe noch schöner – erkannten einzelne Etappen unseres nächtlichen Weges tief in den Tälern unter uns wieder. Der Weg hatte das Ziel in den Schatten gestellt. Wir waren glücklich und völlig übermüdet.

ein Hindernis der vergangenen Nacht

ein Hindernis der vergangenen Nacht

unten der Weg, oben das Ziel

unten der Weg, oben das Ziel

Legoland

Legoland

Freude herrscht!

Freude herrscht!

Um Aguas Calientes zu verlassen gab es zwei Möglichkeiten: Entweder heimlich mit dem Rad (30+ km auf Bahnschotter) oder mit dem teuren Zug. In Sorge um unsere Reifen, entschieden wir uns für den Zug am nächsten Morgen. Um die Räder richtig verstauen zu können wies man uns an, eine Stunde früher anzutraben. Dies taten wir brav und durften eine Stunde der Verwirrung und Ratlosigkeit miterleben. Unsere Räder wären länger als gewohnt und hätten in Einzelteilen gebracht werden sollen, sagte man uns. Ausserdem wäre eine Kiste nötig. Ein Gepäckwagon wäre optimal, doch gebe es keinen. Und sowieso warte man auf Autorisierung. Schliesslich konnten wir unsere Velos dank einigen äusserst hilfsbereiten Bahnarbeitern mit demontiertem Vorderrad einfach im Gepäckabteil des beinahe leeren Abteils unterbringen.

Handgepäck- geht ja

Handgepäck- geht ja!

Konkurenten

Konkurenten

Es folgten drei Stunden himmlischer Zugfahrt: Wir mussten nicht treten, konnten entspannen und kamen doch vorwärts. Ein Genuss erster Güte! Im kleinen, malerisch zwischen Inca Ruinen gelegenen Ort Ollantaytambo begann die Strasse und wir brauchten den Zug nicht mehr. Ab dort nahmen wir den kürzest möglichen Weg nach Cusco. Die erste Hälfte davon auf einer neuen, wegen Steinschlag und Bauarbeiten noch gesperrten und nicht asphaltierten Strasse. Obwohl die Strecke über gut zwanzig Kilometer noch im Bau und nicht immer befahrbar war, fand sich immer ein Weg, Hindernisse zu überwinden.

Hindernisse werden für uns beseitigt...

Hindernisse werden beseitigt…

...oder überwunden

…oder überwunden

Gut zwei Wochen, nachdem wir Ayacucho verlassen hatten, erreichten wir Cusco. In der schönen ehemaligen Hauptstadt des Inkareiches gönnten wir uns eine Woche Ruhe und unseren Rädern neue Kabel, etwas Wasser, Seife, Fett und Luft. Und natürlich musste kaputt gegangenes repariert oder (im Falle von Dainas ‚Exped‘-Matte) ersetzt werden. Davon abgesehen verbrachten wir ein Grossteil unserer Zeit mit Essen kaufen, Essen kochen und Essen essen. Wie wir in unserer Unterkunft (Hospedaje Estrellita, einer Art Treffpunkt für Radreisende) beruhigt feststellten, scheint dies die Hauptbeschäftigung der meisten Tourenradler zu sein. Dazwischen genossen wir zwischen tausenden anderen Touristen die schöne Stadt, erforschten die Märkte und froren Abends vor uns hin.

Cusco, wir kommen!

Cusco, wir kommen!

An der Kirche vorbei...

An der Kirche vorbei…

...und über die Plaza de Armas.

…und über die Plaza de Armas.

Für die verbleibende Strecke an die Grenze zu Bolivien suchten wir uns eine Mischung aus speditiver aber langweiligerer Hauptstrasse und strengen, abwechslungsreichen Nebenstrassen. Keine hundert Kilometer ausserhalb Cuscos hatte Dainas hintere Felge plötzlich beidseitig eine gewaltige Delle. Wir machten dafür ein ausgeprägtes Schlagloch vom Vortag verantwortlich, konnten aber den Schaden mit etwas „finetunig“ an den Speichen und Bremsklötzen in Zaum halten. Motiviert tauschten wir darauf den Asphalt für die nächsten Tage gegen holprige Pisten und sandige Pfade ein, versuchten mit Hilfe von vagen Aussagen den richtigen Weg zu finden und verfuhren uns stundenlang auf über 4’500m in den Weiten Perus. Leider wurde unsere Reisefreude hier immer wieder getrübt – nicht nur durch die lädierte Felge. Anders als bisher waren die Menschen zunehmend abweisend, unfreundlich und teils sogar feindlich. Dies reichte von Ignorieren in Läden und Restaurants, über feindliche Gesten, bis hin zur Erklärung, dass Fremde nur erwünscht sind, wenn sie Rosenkränze, Heiligenbilder oder andere Dinge verschenkten. Ansonsten wolle man solche wie uns, die sicherlich bewaffnet seien und Überfälle verüben würden, nicht! Etwas desillusioniert, aber immer noch unbewaffnet, suchten wir uns einen Weg zurück auf die asphaltierte Hauptstrasse, wo wir möglichst schnell – und ohne Überfälle zu verüben – nach Süden rasten.

Sind wir hier richtig?

Sind wir hier richtig?

Wolle, Wolle...

Wolle, Wolle…

...noch mehr Wolle!

…noch mehr Wolle!

Kurz vor Langui, wo uns die Polizei ein Zimmer zum Campen überliess

Fahrerflucht, kurz vor Langui

...wo uns die Polizei ein Zimmer zum zelten überliess.

…wo uns die Polizei ein Zimmer zum zelten überliess.

der Engel von Langui

der Engel von Langui

Strasse ins Nichts

Strasse nach Macari

falsch abgebogen

…leider falsch abgebogen!

zum Durchdrehen!

Zum Durchdrehen!

nach Juliaca hinein...

nach Juliaca hinein…

Da wir das Problem mit der Felge soweit im Griff zu haben glaubten, entschieden wir uns, den Titicacasee auf der abgelegenen, weniger befahrenen und in Teilen noch unasphaltierten Ostseite zu umfahren. Um am Ostufer aus Peru ausreisen zu können, mussten wir zuerst dem peruanischen Zoll in Puno einen Besuch abstatten. Dort durften wir erst eine Busse wegen unseren Überzogenen Visa bezahlen und wurden anschliessen anstandslos ausgestempelt. Nun hatten wir sechs Tage Zeit um auszureisen. Dies bescherte uns viele schöne Kilometer auf ruhigen Pisten und Strassen entlang des riesigen Titicacasees mit oft fast keinem Verkehr, dafür täglichen Regen- und Gewitterstürmen und regelmässigem, saumässigem Gegenwind. Bereits nach drei Tagen erreichten wir die Grenze zu Bolivien bei Tilali.

...und aus Juliaca heraus

…und aus Juliaca heraus

Titicacapause

Titicacapause

interessante Hüte in Llachon

Hüte und Trachten in Llachon

wer sucht der findet: abgelegene Pfade und Buchten

Wer sucht der findet: abgelegene Pfade und Buchten

Titicacameer?

Titicacameer? (Ostufer Lago Titicaca)

Radpanorama, Ostufer Lago Titicaca

Radpanorama, Ostufer Lago Titicaca

Tilali, an der Grenze zu Bolivien

Tilali, an der Grenze zu Bolivien

Diese schien Dainas Rad nicht überqueren zu wollen, denn das Hinterrad liess sich am Morgen der Ausreise plötzlich nicht mehr drehen! Erst nach stundenlangem Gefummel und nachdem wir die Bremsen fast völlig gelöst hatten, liessen sich auch noch die letzten zwei Kilometer zur Grenze zurücklegen.

Zollgebäude à la Boliviana

Zollgebäude in Puerto Acosta

Felgenreparatur am Strassenrand

Felgenreparatur am Strassenrand

Epoxy - letzte Hoffnung

Epoxy – letzte Hoffnung

Am nächsten Tag, nach unserer ersten Nacht in Bolivien, fanden wir dank eines Plattens heraus, wo das Problem wirklich lag: Die Felge hatte sich im Felgenbett (von aussen unsichtbar) über etwa 20 cm gespalten. Kein Wunder liess sich das Rad nicht zentrieren! Also Epoxy-Kleber drauf (sinnlos) und eine Stunde warten. Dann konnten wir nur noch hoffen, dass die gerissene Felge, mit der Daina schon an die 600 teils sehr holprige Kilometer zurückgelegt hatte, sie auch noch weitere 120km bis nach La Paz tragen würde. Dies tat sie tapfer und von Gewitterwolken gejagt erreichten wir den Rand des enormen Talkessels, der sich La Paz nennt.

Blick auf die 'Cordillera Real' (bei Achacachi)

Blick auf die ‚Cordillera Real‘ (bei Achacachi)

Zum Schluss wie üblich die GALERIE zum schmökern – mit diesen und weiteren Bildern:

Perus Anden | hohe Pässe, tiefe Täler

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1’117 Kilometer

22 Tage, davon 4 „radfrei“

4’940 MüM Maximalhöhe

16’613 gefahrene Höhenmeter

Höchster Aufstieg: 3’460 Höhenmeter

Bezwungene Pässe:
Abra Yantahuain (4’230m)
Paso Pacomayo (4’540m)
Punta Chanca (4’850m)
Unbekannter „Vor-Pass“ (4’870m)
Abra Rapaz (4’940m)
Abra Chucopampa (4’860m)
Abra Mio (4’760m)
Punta Fierro Cruz (4’820m)
Abra Alpamarca (4’710m)
Abra Marcavalle (3’917m)
2 unbekannte Pässchen über 4’200m

Sonst noch vor- bzw. herunter gefallen:
eingefrorenes Zelt, Räder und Wasser
Regen, Graupel, Hagel, Schnee

Erkenntnis:
Schafe husten nachts wie Menschen
Hunde heulen nachts wie Wölfe

Route: Huaraz – Conococha – Ticllos – Cajamarquilla – Llipa – Cañon – Yocchi – Cajatambo – Paso Pacomayo (4540m) – Punta Chanca (4850m) – Oyon – Abra Rapaz (4940m) – Picoy – Parquin – Abra Chucopampa (4860m) – Abra Mio (4760m) – Chungar – Punta Fierro Cruz (4820m) – Abra Alpamarca (4710m) – Yantac – Marcapomacocha – Corpacancha – Malpaso – Paccha – La Oroya – Jauja – Huancayo – Pampas – Quichuas – Mayocc – Huanta – Ayacucho

PERUS BERGE

Huaraz, auf rund 3’050 m gelegen, ist eine beschauliche, spektakulär von einer Unmenge von Sechstausender-Eisriesen umgebene Stadt zu Füssen der „Cordillera Blanca“ . Hier quartierten wir uns, mit dem Vorsatz auszuspannen, in einem gemütlichen, kleinen „Hostal“ ein.

Zu unserer Überraschung war das Hostal voller überraschend motivierter junger Kletterer und Bergsteiger (oder solchen die es gerne werden wollten) aus aller Welt. Da stiess unser Plan „einfach mal ausspannen“ auf taube Ohren. Auf die allabendlichen Fragen, welche Tours oder Treks wir denn heute gemacht, welche Berge wir bestiegen hätten, konnten wir nur mit unspektakulären Antworten à la „keine“, „nichts“ und „Räder reparieren“ dienen. Dieses Ausmass an Ignoranz, gegenüber der uns umgebenden Natur und all den sich aufdrängenden Bergsport-Möglichkeiten, stiess dann oft auf leichtes Unverständnis – was uns kalt liess. Unsere Körper schrien nach Ruhe und Erholung und wir füllten unsere sechs Tage in Huaraz mit folgenden Aktivitäten, in genau dieser Reihenfolge: Krank sein, Räder reparieren / warten, kaputtes Material ersetzen, unsere weitere Route planen, Berge von selbstgekochten Köstlichkeiten verschlingen und – Freizeit. Dies hielt uns auf Trab, gab unseren Hintern Zeit zur Entspannung und so war eine Woche im Nu verflogen!

Danach waren wir wieder bereit, hart in die Pedale zu treten. Nach einigem Hin und Her, hatten wir uns für eine (die anspruchsvollste) Route durch die Berge entschieden. Diese sollte uns quer durch die Berge und über jede Menge hohe Pässe führen, in abgelegene Regionen und Gegenden Perus und weit ab von geteerten Strassen und brummenden Lastwagen – von den ersten achtzig, kontinuierlich ansteigenden Kilometern auf der Hauptstrasse einmal abgesehen.

Dank eines verspäteten Starts, einer verlängerten Mittagspause (zugunsten des Spiels Schweiz : Argentinien) und etwas Regen kamen wir an diesem ersten Tag nicht vom Asphalt weg. Kurz vor dem Eindunkeln suchten und fanden wir einen „abgelegenen“, sprich von der Strasse möglichst unsichtbaren Zeltplatz – keine fünf Meter von der Strasse entfernt. Es folgte eine eiskalte Nacht im innen und aussen gefrorenen Zelt.

Fünf Meter neben der Strasse

keine fünf Meter neben der Strasse und doch so abgelegen

kaltes Erwachen

kaltes Erwachen

Cordillera Blanca

Cordillera Blanca

Logenplätze

Logenplätze

Zwanzig Kilometer weiter, bereits auf 4’110m, verliessen wir die asphaltierte Strasse. Wir sollten länger keinen Asphalt mehr zu Gesicht bekommen. Damit hatten wir den Verkehr und über weite Strecken auch die Zivilisation hinter uns gelassen. Das Verkehrsaufkommen der kommenden zwei Wochen hielt sich mit durchschnittlich vielleicht zwei Autos pro Tag (auf den Strassen) stark in Grenzen. Immer wieder kamen wir durch kleine, einfache Dörfer. Einige wenige davon waren lebendige lokale Handelszentren, mit etwas Verkehr und einer Bank, ja manchmal sogar Restaurants und Unterkünften. In anderen prägten eher Pferde, Kühe und Schafe das leere Strassenbild und wiederum andere waren völlig ausgestorben und nach der Schliessung nahegelegener Mienen verlassen worden. An vielen Orten waren die Menschen, allen voran die Jugend, in Hoffnung auf ein besseres Leben an die Küste gezogen.

Von nun an ging es auf mehr und weniger holprigen Naturstrassen dahin. Die nächsten Tage waren ein ständiges Auf und Ab – wobei das „Auf“ zeitlich mindestens achtzig Prozent für sich beanspruchte. Nach einem sanften Aufstieg durch spektakuläre, rollende Hügel fiel die Strecke über die nächsten zwei Tage und einhundert Kilometer, entlang einer steilen Bergflanke von über 4’000 auf gut 1’300 MüM ab, wobei sich die Natur, die Berge und nicht zuletzt die Temperatur ständig veränderten. Damit wir aber nicht aus der Form gerieten, war auch die Abfahrt immer wieder mit saftigen, teils stundenlangen Gegensteigungen versehen und forderte auch sonst volle Konzentration. Das Gelände war fast durchwegs sehr abschüssig (Leitplanken wären durchaus angebracht) und der Weg oft ausgewaschen, teils abgerutscht oder mit losen Steinbrocken oder Schotter gespickt. Dann waren da noch – wie bei einem Computerspiel die zu überwindenden Bonushindernisse – jede Menge Kühe auf der Strasse. Diesen Viehern begegnen wir seit dem kleinen Vorfall in der Cordillera Blanca mit etwas mehr (gesundem) Misstrauen.

Viehzäune

Viehzäune

erste Meter abwärts

erste Meter abwärts

„nasagäch“

Blick auf die Cordillera Huayhuash, gegenüber

Blick auf die Cordillera Huayhuash gegenüber

All dies zusammen mit ständig wechselndem, aber immer atemberaubenden Ausblicken hielt uns die ersten beiden Tage auf trab und munter. Einzig die ständig lauernden dunkeln Wolkentürme („zu dieser Jahreszeit regnet es nie“) irritierten uns etwas und brachten uns bereits nach wenigen Stunden in der ersten Abfahrt dazu, im ersten Dorf (Ticllos) beim Pfarrer um Campingerlaubnis zu fragen. Wie sich herausstellte war Padre Andres Italiener. Er war vor gut zwanzig Jahren nach Ticllos gekommen, in einer Zeit, als die Menschen hier nachts aus Angst vor den Morden und dem Terror des „Sendero Luminoso“ ihre Häuser verliessen um sich in den Feldern zu verstecken. Die Sicherheit hier hat sich seither stark verbessert und so konnte er dort eine „Don Bosco“ Werkstätte für Jugendliche aus armen und schwierigen Verhältnissen (und nebenbei noch eine Kirche) aufbauen, die er zusammen mit wechselnden Italienischen Freiwilligen leitet. Anstatt im Zelt verbrachten wir die Nacht in einem edlen Zimmer, kamen in den unerwarteten Genuss einer warmen Dusche (!) und wurden zudem zum Znacht mit köstliche Pizza verwöhnt. Dies sollte wohl die komfortabelste Unterkunft für eine lange Zeit bleiben. Die nächste Nacht campierten wir im Rohbau des Fussballstadions (!) des Vierhundertseelendorfs Llipa. Tags darauf erreichten wir schliesslich den, wohl für dieses Tal verantwortlichen, Fluss. Damit hatten wir den tiefsten Punkt – aber nicht den Tiefpunkt – der ganzen Etappe erreicht und uns stand ein Aufstieg bevor, der einem beim blossen Gedanken die Tränen in die Augen trieb. Sogar unsere Räder schlotterten vor Angst. (Wer mit all den nun folgenden Zahlen nichts anzufangen weiss, ersetze sie getrost durch „viel“, „hoch“ oder „streng“.)

Morgens geht's abwärts...

Morgens geht’s abwärts…

...mittags geht's aufwärts...

…mittags geht’s aufwärts…

...und auch nachmittags wird's nicht flacher.

…und auch nachmittags wird’s nicht flacher.

Wegelagerer, für einmal harmlos

Wegelagerer, für einmal harmlos

Über die kommenden 78 km stieg die Strasse um 3’460 Höhenmeter (!) bis zum Pass „Paso Pacomayo“ auf eine Höhe von sauerstoffarmen 4’540m an. Danach gönnte sie sich eine kurze Erholungsabfahrt von sechs Kilometern und zweihundert Höhenmetern, bloss um dann nochmals um geschlagene 470 Höhenmeter zur Punta Chanca auf 4’850m anzusteigen – Mont Blanc Niveau. Wir setzten also um die Mittagszeit ganz unten zum Aufstieg an. Kurz vor fünf Uhr erreichten wir ein bereits auf 2’690m gelegenes Dörfchen und hatten immer noch keinen geeigneten Platz für unser Zelt gefunden – flache Flecken waren hier rar, flache und von der Strasse etwas geschützte noch rarer. Freundlicherweise bot uns dann der junge Adolfo, nachdem er uns in seinem Restaurant/Laden bekocht hatte, ein Zimmer an. Wir nahmen dankend an und legten am nächsten Morgen ausgeschlafen die 25 Kilometer zur auf 3’400m gelegenen Provinzhauptstadt Cajatambo (die Betonung liegt hier nicht auf „Stadt“) zurück. Dort gönnten wir uns taktisch einen freien Nachmittag, um am nächsten Morgen möglichst zeitig den letzten, aber grössten Teil des Aufstiegs in Angriff nehmen zu können. Obwohl wir bereits um acht im Sattel sassen, erreichten wir den ersten Pass (Paso Pacomayo) auf 4’540m nach 25 km erst um ein Uhr, den zweiten (Punta Chanca, 4’850m), keine 19 km weiter, dann erst nach vier Uhr.

in Adolfos tienda

in Adolfos tienda

unterwegs nach Cajatambo

unterwegs nach Cajatambo

Pausenfreunde

Pausenfreunde

falta poco

falta poco

Blick zurück - Cajatambo schon lange ausser Sichtweite

Blick zurück – Cajatambo schon lange ausser Sichtweite

4'800m - eine Lagune hatten wir hier nicht erwartet

4’800m – eine Lagune hatten wir hier nicht erwartet

müde aber oben: 4'850m

müde aber oben: 4’850m

Der Aufstieg war durch, wenn auch spärlich, doch immer noch grüne Täler erfolgt. Hier aber, auf der anderen Seite das Passes, befanden wir uns plötzlich in atemberaubendem aber nichtsdestotrotz hochalpinem Gelände: schroffe Felsen, hohe Berge, Geröllhalden und steile, felsige Tälern. Hier wehte ein anderer, eiskalter Wind….und bereits zogen dunkle Wolken und Nebel auf. Um nicht von der Strasse abzukommen, mussten wir möglichst schnell talwärts fahren, wenigstens bis sich eine Möglichkeit zum Campen bot – denn vor dem Übernachten ganz oben war uns zu allem Überfluss bereits in Cajatambo wegen nächtlicher Überfallgefahr abgeraten worden. So holperten wir, voll eingepackt und trotzdem schlotternd, so schnell es ging (nicht sehr schnell) talwärts. Kurz vor uns die Dunkelheit völlig eingeholt hatte, kamen wir an einer Hirtenhütte vorbei, wo uns die Bewohnerin (!) auf Anfrage nicht nur gerne zwischen ihren Pferden hinterm Haus unser Zelt aufschlagen liess, sondern uns gleich auch noch mit Kuchen und gegrilltem Schafsfleisch (sie hatte Geburtstag) beschenkte. Wir waren von soviel Gastfreundschaft überwältigt und beeindruckt.

die andere Seite des Paso Pacomayo

die andere Seite des Paso Pacomayo

Blick aus dem Zelt - wir kamen von ganz oben

Blick aus dem Zelt – wir kamen von ganz oben

das Heim unserer Gastgeberin

das Heim unserer Gastgeberin

Hirtin Lydia und ihre Neffen

Hirtin Lydia und ihre Neffen

Frisch gesegnet und mit guten Ratschlägen versehen, erreichten wir am nächsten Morgen bereits nach zwei Stunden Abfahrt das kleine auf 3’630m gelegene Bergbaustädchen Oyon. Wiederum gönnten wir uns einen freien Nachmittag, vor allem im Wissen, dass am nächsten Tag der bisher höchste Pass, Abra Rapaz, mit sage und schreibe 4’940m anstand. Dessen im wahrsten Sinne atemberaubende Passhöhe knapp unter der Fünftausendermarke erreichten wir am nächsten Tag wie geplant, nach einem allerdings eher zähen 28 km langen Aufstieg über 1’410 Höhenmeter. Dafür wurden wir mit grandiosen Aussichten, endlosen, menschenleeren Tälern und Herden ängstlicher Lamas belohnt….wenigstens bis wir bei Kilometer 22 über eine erste, sozusagen vorbereitende Passhöhe überwunden hatten.

vor dem Mittagessen

vor dem Mittagessen

andere Täler, andere Farben

andere Täler, andere Farben

nur Berge und wir

nur Berge und wir

Pass vor dem Pass, auch schon auf 4'870m

Pass vor dem Pass, auch schon auf 4’870m

Dahinter herrsche plötzlich Bergbau-Schwerverkehr…grosse Lastwagen, Bagger, Schutthalden und jede Menge Menschen mit Schutzhelmen! Ganz so idyllisches Treiben hatten wir auf dieser Höhe von über 4’800m nicht erwartet. Der Spuk war aber wenige Kilometer später, eine Kurve vor der eigentlichen Passhöhe, wieder vorbei. So konnten wir die 4’940m-Aussicht und das endlose Meer von Bergketten zu unseren Füssen zwar etwas verwirrt und leicht ausser Atem in Stille geniessen.

Bergbau auf höchstem Niveau...

Bergbau auf höchstem Niveau…

...und Aussicht auf höchstem Niveau

…und Aussicht auf höchstem Niveau

viertausendneunhundertvierzig

viertausendneunhundertvierzig

Fahrt ins Tal

Fahrt ins Tal

Bevor es dem nächsten Pass an den Kragen ging, durften wir eine Abfahrt von 1’900 Höhenmeter hinunter holpern und waren danach wieder auf „nur“ 3’000m – zurück zu Feld eins, sozusagen. Nun ging es richtig zur Sache, mit Steigungen von zehn Prozent in Kombination mit losem Schotter wollte uns dieser Pass über 26 km und 1’860 Höhenmeter nichts schenken. Eigentlich kein Gebiet für schwere Räder mit schwerem Gepäck (Rad + Gepäck = 40kg plus). Wer nicht glauben will muss leiden, was wir tapfer taten.

Picoy

Picoy

Blick zurück auf Picoy, letzte Chance einzukaufen

Blick zurück auf Picoy, letzte Chance einzukaufen

Lauschangriff à la peruana

Lauschangriff à la peruana

Als es an der Zeit war, ein Nachtlager zu finden, gab es weit und breit nur steile Hänge! Kurz vor Einbruch der Dunkelheit dann plötzlich eine Hirtenhütte am Wegrand, umgeben von flacher Wiese! Der junge Hirte mit russgeschwärztem Gesicht bot uns in seiner Hütte eine Tasse Kaffee an. Das Räuberhöhlen-ähnliche Innere seiner Hütte erklärte sein schwarzes Gesicht. Er müsse über nacht ins Tal, könne uns aber zur Sicherheit seine Flinte überlassen. Anstelle der Flinte liess er seinen Hund names Rambo zurück, der sich kurz vor sieben in einen Wolf verwandelte. Darauf deutete jedenfalls das pausenloses Geheul hin. Damit hielt er uns die ganze Nacht wach…der Ehrlichkeit halber muss erwähnt sein, dass er sich ab und zu kurze Pausen (im Minutenbereich) gönnte.

camp gesucht

camp gesucht

Hirten und Schafen gehen heim

Hirten und Schafen gehen heim

Camping mit Rambo dem Wolf

Camping mit Rambo dem Wolf

Etwas ausgeruht machten wir uns am folgenden Morgen auf den teils noch vereisten, langen und steilen Weg zur Passhöhe des Abra Chucopampa auf 4’860m. Diese erreichten wir im Laufe des Morgens. Es folgte eine stundenlange Abfahrt hinunter auf 3’700 m, auf einer Piste, die jeder von uns darauf angesprochene Peruaner bloss als „feo“ (hässlich!) zu bezeichnen wusste. Die Täler durch die sie uns führte, entsprachen zum Glück genau dem Gegenteil.

den ersten Sonnenstrahlen entgegen

den ersten Sonnenstrahlen entgegen

Nach einer Stunde Fahrt: Frühstück kochen, sowie Zelt und Schlafsäcke trocknen

Nach einer Stunde Fahrt: Frühstück kochen, sowie Zelt und Schlafsäcke trocknen

früh, kalt & steil

früh, kalt & steil

später, wärmer, aber nicht weniger steil

später, wärmer, aber nicht weniger steil

beissen zur Morgenstund

beissen zur Morgenstund

Siegerlächeln! ...Anstrengung vergessen!

Siegerlächeln! …Anstrengung vergessen!

hinter der Passhöhe

hinter der Passhöhe

Das letzte Dorf hatten wir am frühen Nachmittag des Vortags, zu Beginn des Aufstiegs passiert. Dieses sollte für die nächsten drei Tage das letzte gewesen sein. Allerdings war, seit wir die Hauptstrasse verlassen hatten, bereits kein Verlass mehr auf Versorgung in den Dörfchen und wir hatten uns vorne zu immer wieder mit Nahrung (Avena, Spaghetti, Polenta sowie Fertigsuppen als Saucen), Snacks (Getreideriegel, Schokolade, Mandeln, Salzcracker) und Benzin (zum Kochen) eingedeckt und regelmässig selbst gekocht. Wasser filterten wir mit unserem Katadyn Keramikfilter (Freiheit gegen Gewicht!) jeweils direkt aus kleinen Flüssen und Bächen. Die nächsten gut hundert Kilometer ging es über drei weitere Pässe, immer auf einer „Reisehöhe“ über 4’000 Metern. Die Aufstiege waren daher im Vergleich zu den Tagen zuvor harmonisch, ja geradezu kurz. Die Landschaften hingegen immer noch malerisch weitläufig, mit Lagunen gespickt, verlassen und nur von Schaf- und Lamahirten und deren Herden bewohnt.

Kraftpaket

Kraftpaket

Hirten oder Hobbits? mit Gastgeber Inocente und Freund

Hirten oder Hobbits? mit Gastgeber Inocente und Freund

nächtliche, hustende Nachbarn

nächtliche, hustende Nachbarn

Punta Fierro Cruz (4'820m)

Punta Fierro Cruz (4’820m)

Gipfelglück

Gipfelglück

Lagune bei Punta Fierro Cruz

Lagune bei Punta Fierro Cruz

Wundernasen

Wundernasen

draussen hätte es auch noch Platz

draussen hätte es auch noch Platz

Unsere höchste Nacht im Zelt verbrachten wir über 4’700m, was durchaus seine Tücken hatte: Kaum waren die letzten Sonnenstrahlen verschwunden, war es so bitterkalt, dass wir gerade noch mit Müh und Not heisses Wasser für unser Avena kochen konnten. Eine Stunde später war unser Zelt bereits von innen und aussen mit einer funkelden Eisschicht überzogen.

campspot gesucht

campspot gesucht

morgens früh auf über 4'700m

morgens früh auf über 4’700m

Gramali & Pequeño eingefroren

Gramali & Pequeño eingefroren

vielleicht hilft Sonne, Kaffee und Avena

vielleicht hilft Sonne, Kaffee und Avena

nächtliche Kunst

nächtliche Kunst

Pünktlich zum WM Final erreichten wir das idyllisch an einer blauen Lagune gelegene Dorf Marcapomacocha und bekamen ein Zimmer im einzigen Hotel (mit integriertem einzigem Restaurant). Bonus: Das Zimmer hatte einen, im Gegensatz zur Dusche, funktionierenden Fernseher, was uns ein Finalspiel mit Lagunenblick bescherte.

noch wenige Kilometer bis Marcapomacocha

noch wenige Kilometer bis Marcapomacocha

Bienvenidos a Marcapomacocha

Bienvenidos a Marcapomacocha

Nach einem weiteren Tag auf abgelegenen Rüttelpisten, erreichten wir schliesslich den Verkehrsknotenpunkt La Oroya, eine der, Bergbau sei dank, am stärksten verschmutzten Städte der Welt. Hier mussten wir uns einfach einen Ruhetag gönnen und uns die Bäuche vollschlagen. Und damit waren wir wieder zurück auf Asphalt. Hatten wir die letzten Wochen an manchen Tagen mit Müh und Not knapp 40km zurückgelegt, so waren es nun plötzlich und fast wie von selbst 130. Doch nach nur einem Tag lautlosen Rollens zog es uns wieder zurück auf die holprigen, staubigen Nebenstrassen. Über mindestens zwei kleine Pässe – bei dem Nebel konnten wir nicht sehen ob es noch mehr waren – erreichten wir das kleine, abgelegene Städtchen Pampas. Da das Wetter in regnerischer Stimmung war und sich Regen mit staubigen Strassen gerne zu Schlamm vermischt, entschieden wir uns, unsere Route zu ändern. Wir fanden ein Strässchen, welches uns über einen weiteren Pass auf die, in einem Paralleltal tiefer gelegene Hauptstrasse brachte. Unterwegs begegneten wir jeder Menge unglaublich freundlicher Menschen. Alles Bauern, lebten sie in einfachsten Verhältnissen und waren trotzdem so herzlich und freundlich, dass wir fast nicht mehr vorwärts kamen! Wer umarmt schon wildfremde Radfahrer auf seinem Feld? Herrlich!

Gringos beschnuppern

Gringos beschnuppern

Wollhunde

Wollhunde

Unterwegs nach Pampas: Bei Nebel und eisiger Kälte

Unterwegs nach Pampas: Bei Nebel und eisiger Kälte

Pampas, alle wollen zum Sonntagsmarkt

Pampas, alle wollen zum Sonntagsmarkt

Victor hätte uns Käse geschenkt

Victor hätte uns Käse geschenkt

auf abgelegenen Pfaden nach Quichuas an die Hauptstrasse

auf abgelegenen Pfaden nach Quichuas an die Hauptstrasse

Die angebliche verkehrsreiche Hauptstrasse entpuppte sich als asphaltierte, aber einspurige Strasse. Diese wand sich für den markanten peruanischen Fahrstil (unbedacht, schnell, rücksichtslos) viel zu eng und kurvenreich durch das Tal des Rio Mantaro. So herrschte zu unserer grossen Überraschung nur wenig Verkehr und wir konnten die landschaftlich abwechslungsreichen 80 km in Ruhe schwitzend geniessen, bevor es für nochmals so viele in die koloniale Stadt Ayacucho hinaufging. Bienvenidos a Ayacucho!

Im Tal des Rio Mantaro

Im Tal des Rio Mantaro

Hauptstrasse

Hauptstrasse

Richtung Ayacucho

Richtung Ayacucho

Wahlkampf überall

Wahlkampf überall

Endlich da!

Endlich da!

Hotelsuche - und dann Füsse hoch!

Hotelsuche – und dann Füsse hoch!

…und zum Schluss folgt wie üblich die Gallerie mit den Bildern aus dem Text und weiteren:

Perus Norden | in die Anden

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1’374 Kilometer 37 Tage / davon 14 „radfrei“

4’767 MüM Maximalhöhe

24’000 gefahrene Höhenmeter

gefahrene Pässe:
Abra Barro Negro (3’600m)
Abra el Indio (3’050)
Abra Gran Chimú (3’700m)
Portachuelo de Llanganuco (4’767m)
Punta Olimpica (4’738m)

Sonst noch vorgefallen:
5 Stürze (1 x im Fluss, 1 x auf Schotter, 2 x auf Laterit)
im Schlamm festgesteckt
1 Flussüberquerung mit Boot
1 Frontalangriff durch Kuh
gefühlte 1001 Hundeattacken (sämtliche Rassen)
3 Vogelspinnen gesehen

Route: la Balsa (Grenze Ecuador) – Namballe – San Ignacio – Jaén – Bague Grande – Pedro Ruiz – Tingo Nuevo/Tingo Viejo – Leymebamba – Balsas – Celendin – Cajamarca – San Marcos – Cajabamba – Huamachuco – Mina San Simon – Mollepata – Pallasca – Sayacucha – Chuquicara – Yuramarca – Caraz – Yungay – Yanamá – Chacas – Carhuaz – Huaraz

PERUS NORDEN

Nachdem wir vor dem letzten kleinen Laden auf der ecuadorianischen Seite der Grenzbrücke von zwei jungen Peruanern anständig ausgefragt worden waren – „Warum trinken Europäer so viel Kaffee? Bitte sagt allen, sie sollen noch mehr trinken! Warum wohnen in Peru viele Amerikaner? Warum kommt ihr nicht mit dem Motorrad? Was kostet Bier in Europa? Warum bleibt ihr nicht zuhause? Fahrt ihr durch Brasilien heim? – holperten wir über die kleine Grenzbrücke nach Peru. Dort war der zuständige Zollbeamte gerade nicht auffindbar. Er schien etwas müde gewesen zu sein und hatte eine verlängertes Mittagsschläfchen eingelegt. Mit zwei Stunden Verspätung öffnete er dann um drei Uhr sein Büro, verständlicherweise etwas verärgert über die Störung und die anstehende Arbeit. Trotzdem liess er uns einreisen, wozu dann leider auch der Kollege von der Polizei aufstehen und sich die Hose zuknöpfen musste, was auch ihn nicht zu grosser Fröhlichkeit veranlasste. So waren wir schliesslich in Peru. Seit Monaten schien es ein Land in weiter Ferne – und jetzt waren wir da. Hier fing der Asphalt wieder an und wir rollten die sechs Kilometer zum ersten Dorf wie von selbst. Dort fanden wir auch gleich ein Doppelzimmer in einer „Hospedaje“. Die gute Frau wollte dafür 15 Soles (5.-Fr.). Daina, in Gedanken immer noch bei den Dollars, fand dies doch etwas viel… nach etwas rechnen konnten wir das Angebot aber doch nicht auszuschlagen! Bereits jetzt entstand bei uns aber der Eindruck, dass Peru in Sachen Entwicklung mindestens zehn Jahre hinter Ecuador und Kolumbien liegt. Dieser sollte sich bestätigen.

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Verschnaufpause

Der Regen aus Ecuador war auch schon da und wir wurden die nächsten Tage regelmässig nass. Schlimmer aber setzte der, schon seit Monaten anhaltende Regen, der bereits aufgeweichten Hügellandschaft zu. Das Resultat waren Erdrutsche ohne Ende. Mal waren Teile der Strasse weggebrochen, dann wieder war die Strasse von Teilen des Hanges verschüttet oder von Schlammmassen bedeckt. Wir kamen immer durch, aber es war weiterhin Dreckspass angesagt.

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Derrumbes – Erdrutsche über die Strasse

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und plötzlich wie in Asien

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Kaffee „strassentrocken“

Dieser erreichte wenige Tage darauf seinen Höhepunkt, als wir kurz vor Jaén, der ersten grösseren Stadt, eine „Abkürzung“ nahmen. Die „Fähre“ über den Rio Marañon (der später übrigens zum Amazonas wird) ersparte uns einen Umweg von etwa 30 Kilometern und somit eineinhalb bis zwei Stunden. Da es am Morgen geregnet hatte, wurde der schmale Weg zum Fluss zusehends weicher und matschiger und als uns nur noch wenige Kilometer vom Fluss trennten war es dann soweit: Wir klebten fest wie Fliegen am Fliegenfänger! Alles war vom Schlamm verklebt: Reifen, Schutzbleche, Bremsen, Füsse und Schuhe. Letztere liessen sich nur noch mit grösster Mühe vom Boden lösen – mit Schneeschuhgrossen Schlammtellern an den Sohlen. An Vorwärtskommen war nicht mehr zu denken! Also hiess es Räder an den Strassenrand tragen, absatteln, vom Schlamm befreien und zwar solange, bis sich sowohl Vorder- als auch Hinterrad wieder drehen liessen. Also wieder alles beladen….nur um bereits nach einem Meter und einer Reifenumdrehung wieder von vorne zu beginnen – hoffnungslos! Während wir uns abmühten und zu nichts kamen, kam uns die Sonne zu Hilfe: Der Schlamm tocknete langsam immer mehr ein. So ermuntert, versuchten wir es mit einer neuen Taktik. Diesmal barfuss hoben wir beide Fahrräder vom Rand in die Mitte der Strasse und stellten sie genau in eine frische Motorradspur. Einmal in der Spur, schoben wir vorsichtig….und siehe da, es klappte, wir kamen voran! So tappten wir nun Meter um Meter durch den Schlamm, immer auf der Hut, ja nicht aus der schmalen Spur zu kommen und erreichten nach zwei langen Kilometern wieder „festen“ Boden und wenig später das Ufer des Flusses. Die ganze Aktion hatte über zwei Stunden gedauert. Das Verladen der Räder auf das kleine Boot war dann reine Erholung.

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Fahren unmöglich

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verklebt!

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Arbeit

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„Radwandern“ – einzige Lösung

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Radverlad

Nun begann die Strasse langsam anzusteigen und brachte uns in den nächsten drei Tagen sanft von 400 auf eine Höhe von gut 2000 MüM (Meter über Meer). Im kleinen Dorf „Tingo Nuevo“, eigentlich mehr ein paar Häuser am Strassenrand, bezogen wir ein äusserst verdrecktes Zimmer in der einzig offenen Hospedaje (billige Unterkunft) des Ortes und dann hiess es für einmal wandern statt fahren. Begleitet von Rex, dem Schäferhund der Hospedaje, stiegen wir in zweieinhalb Stunden auf Zick-Zack-Pfaden zur auf 3000 MüM gelegenen Ruinenstadt Kuelap auf. Der Besuch dieser immensen, spektakulär auf einer Bergspitze gelegenen Ruinenstadt der Chachapoya-Inkas war mit ein Grund für unsere Routenwahl durch Perus Norden gewesen. Sie gilt als ruhigere (~50 Besucher pro Tag), weil relativ abgelegene Alternative zum überlaufenen Machu Picchu (2500 Besucher täglich!). Der Pfad führte uns an die Rückseite der Ruinen heran. Dies hatte den Vorteil, dass wir wohl Eintritt bezahlen mussten, aber nicht dazu gezwungen wurden einen obligatorischen Guide zum Besuch der Ruinen zu nehmen. So konnten wir die grossflächige, zu grossen Teilen noch überwachsene Anlage auf eigene Faust und nur begleitet von unserem vierbeinigen Guide Rex erkunden und in aller Ruhe die fantastischen Ausblicke auf die Umliegenden Berge und Täler geniessen.

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Regenwolken über Kuélap

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vom Regen gejagt: Ankunft in Tingo nuevo

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Ruinen von Kuélap

Nur einen verregneten Radtag weiter erreichten wir den kleinen, malerischen Ort Leymebamba. In dessen Nähe wurden 1996 über zweihundert Inka- und Chachapoya-Mumien unterschiedlichten Alters gefunden. Diese können in einem kleinen Museeum ausserhalb des Dorfes bewundert werden. Eine eindrückliche Sache! Nach Leymebamba stieg die Strasse merklich steiler an. Von gut 2200 MüM kämpften wir uns einen Morgen und dreissig Kilometer lang bis zur Passhöhe der „Abra Barro Negro“ auf 3600 MüM …. und wurden mit einer für uns ebenso überraschenden wie atemberaubenden Aussicht belohnt! Spätestens jetzt war klar: Wir waren nun wirklich in den Anden angekommen!

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in den Anden angekommen

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Zick Zack

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Kulisse: der Aufstieg des nächsten Tages

Auf die Mühe und den Schweiss des Morgens folgte dann eine spektakulären, sechzig Kilometer lange Abfahrt. Auf einer asphaltierten, einspurigen und meist extrem exponierten Strasse sausten wir durch steile Bergflanken hinunter ins Tal des Rio Marañon (ja, der mit dem Schlamm). Drei Stunden später und 2800 Höhenmeter tiefer erreichten wir das kleine Dorf Balsas, den Fluss und damit die Talsohle auf nurmehr 800 MüM. Dort campierten wir auf Anraten der Polizei im kleinen Park, mitten in der einzigen Kreuzung des Dorfes und zugleich direkt vor der Polizeistation. Es wäre hier absolut ruhig und friedlich und kein Problem, tranquilo…einzig sollen wir bitte nicht zu nahe vor ihrer Station campieren, damit sie die Angreifer im Falle eines Angriffs auf ihre Station sehen könnten. Sehr beruhigend! Wir hatten aber eine einigermassen ruhige Nacht im Park. Umso erstaunter waren wir am nächsten Morgen, als wir beim Benutzen der Polizei-Toilette sahen, dass die ganze Station blutverschmiert war – doch nicht ganz so tranquilo?!

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…nach fünf Stunden Aufstieg

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…nach sechs Stunden: Mittagsapause am Strassenrand

nach knapp neun Stunden

Panorama nach knapp neun Stunden

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unterwegs angetroffen

Am folgenden Tag stand ein Aufstieg von knapp 45 Kilometern und 2300 Höhenmetern an. Der Berg türmte sich als Koloss von einer Wand vor uns auf, der uns den ganzen Tag auf Trab halten sollte. Bei bereits brütender Hitze verliessen wir Balsas um acht Uhr morgens, erreichten die Passhöhe auf 3100 MüM erst um fünf Uhr nachmittags – neun Stunden, 7 Liter Wasser, unzählige vernichtete Schokoriegel und drei angetroffene Vogelspinnen nach unserer Abfahrt. Erschöpfungsgrad: Verlust der spanischen Sprache. Nochmals fünfzehn Kilometer später und bereits wieder 500 Höhenmeter tiefer, suchten und fanden wir im ruhigen Städtchen Celendin ein Zimmer. Dort gönnten wir uns erstmal einen Tag Auszeit, um dann die 109 Kilometer und die beiden Pässe Abra del Inca, 3050m, und Abra Gran Chimú, 3’700m, (wobei der eine im Aufstieg zum andern liegt), die uns noch von der Provinzhauptstadt Cajamarca trennten, in einem Tag zu meistern. In Cajamarca, der Stadt der irrsinnig grossen Hüte, spannten wir beinahe eine Woche aus und trafen (bereits zum vierten Mal auf dieser Reise!) auf Roman. Der war zufällig zur selben Zeit am selben Ort und gleich noch im selben Hotel untergekommen.

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Jetzt hat er wieder Luft im Pneu – und er hat sich unsere Pumpe genau angesehen, um sie nachzubauen

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Mercado de Huamachuco

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Gemüsekauf

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scharf und würzig

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Umzug in Cajamarca

Unser nächstes Etappenziel war die Cordillera Blanca. In dieser 180 Kilometern langen, mit gewaltigen Gletschern gekrönten und imensen Schneeriesen gespickten Bergkette in den nördlichen Anden Perus, tummeln sich die höchsten Berge des Landes – viele davon höher als 6000 Meter. Da bot es sich ja irgendwie an durchzufahren! Bis dorthin lagen aber noch einige Tage „Arbeit“ vor uns. Nach drei Tagen Asphalt legten wir in dem kleine Städtchen Huamachuco einen Tag Pause ein und verliessen danach die Hauptstrasse. Ab jetzt war unsere Karte zu ungenau und wir mussten uns in regelmässigen Abständen durchfragen. Immer schön aufwärts wurden die Wege zusehends holpriger und wir kamen in immer abgelegenere Gebiete wo nur noch hie und da schmutzige Gestalten aus privaten Kohleminen (Löchern im Berg) herausjohlten. Je höher wir kamen, umso steiler wurde die Schotterpiste und eine darüberliegende Schicht aus knöcheltiefem, feinstem Staub machte das Vorwärtskommen immer schwieriger und zwang uns immer öfter zum absteigen. Um fünf Uhr nachmittags hatten wir so gerade einmal vierzig Kilometer zurückgelgt. Erschöpft fanden wir auf knapp viertausend Meter Höhe einen fantastischen, einsamen Platz für unser Zelt, mit einem Meer an Bergen zu unseren Füssen.

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Kohlelaster

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Kohleschürfer – Leben mitten im Nichts

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immer höher, immer holpriger

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über den Wolken

Höhenlager

Höhenlager

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Blick bis fast ans Meer

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Reisende

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Minenlandschaft

Nach einem weiteren Tag holprigster Pisten erreichten wir am Nachmittag ein Dorf und wurden beim Verlassen von einem Mann gefragt, was wir hier eigentlich täten. Solche wie wir würden hier umgebracht und ihnen die Organe entnommen. Was für ein Spassmacher, dachten wir uns. Abends im nächsten Dorf wurden wir von verschiedenen Leuten besorgt gefragt, ob uns niemand etwas getan hätte. Wie sich herausstellte, kursierten Gerüchte über „Gringos“, die Kinder töteten um ihnen die Organe zu entnehmen. Besorgte Bürger hätten bereits Bürgerwehren gebildet und würden vielleicht etwas überstürzt handeln…aus unserer Sicht doppelt beunruhigend. Dies erklärte aber den vermeintlichen Witzbold und die bei unserem Anblick panisch in die Wälder flüchtenden Kinder. Eine rührend freundliche Hotelbesitzerin stellte uns dann für eine sichere Weiterreise ein Referenzschreiben aus – wir wurden nie danach gefragt.

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Erst hinab…

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…..

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…und auf der anderen Seite wieder hinauf!

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eine Coral zu Füssen

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Felder

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Pallasca

Drei wreitere, lange Tage standen uns noch bevor, ehe wir die weissen Gipfel der Cordillera Blanca zu Gesicht bekamen. Bergauf, bergab, von morgens früh bis zum Einbruch der Dunkelheit flitzten und holperten wir durch Schluchten und Täler, die in jedem „StarWars“-Film eine gute Figur gemacht hätten. Die Nächte verbrachten wir im Zelt: Eine davon im Hof einer netten Familie, da weiter vorne die Strasse (genauer gesagt die ganze Bergflanke) über rund hundert Meter weggerutscht war. Nachteil: schwierig zu passieren. Vorteil: Kein Verkehr weil nur für Fahrräder passierbar!

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Znacht bei Isabel, Franklin und Segundo

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sausen auf Teer

80 Kilometer Abfahrt...

80 Kilometer Abfahrt

...mit Hindernissen.

Felswand statt Strasse

Am dritten Tag, nach holprigen, staubigen siebzig Kilometern, 36 klaustrophibisch schmalen Felstunnels und über 1500 Höhenmeter durch den oft nur ein paar Meter breiten „Cañon del Pato“ (die Entenschlucht) war es dann soweit: Wir waren am Fusse der Cordillera Blanca angekommen.

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Wüste

Kaktusgesicht

Kaktusgesicht

In der Schlucht

„Cañon del Pato“

Tunnel um Tunnel um Tunnel

Tunnel um Tunnel um Tunnel

Zur Feier des Tages wurden verschiedene Panaderias (Bäckereien) im kleinen Ort Caraz heimgesucht und deren Torten getestet. Nach einem Ruhetag zu Ehren unserer Gesässknochen entschieden wir uns, uns eine längere Pause in der nur noch siebzig Kilometer entfernten Stadt Huaraz erst noch zu verdienen. Dazu schien uns eine kleine Runde durch die Berge, genauer gesagt um den mit 6’768m höchsten Berg Perus, den „Nevado Huascaran“, gerade richtig. So rollten wir für einmal gemütlich ins nur 14 Kilometer entfernte Dörfchen Yungay, um von dort am nächsten Morgen zu unserer kleinen Expedition aufbrechen zu können. Nach einem Frühstück aus Spiegelei-Sandwiches und Kaffee (in Peru das Frühstück unserer Wahl) und Proviantshopping im Markt waren wit unterwegs. Wie gewöhlich war kaum aus dem Dorf der Aspalt zuende – wir sollten ihn erst drei Tage und 120 Kilometer später wiedersehen. Den ganzen Morgen fuhren wir kontinuierlich steigend auf den riesigen, weissen Riesen „Huascaran“ zu.

Gletschersicht

Gletschersicht

Angsthasen

Angsthasen

Morgenpanorama

Morgenpanorama

Laguna Llanganuco...weiter unten

Laguna Llanganuco…weiter unten

erste Schritte

morgens, frisch aus den Büschen

Am Nachmittag wand sich die Strasse schliesslich durch eine schattige, steil ansteigende Schlucht an ihm vorbei und wir erreichten die beiden türkisglitzernden Llangauco Lagunen. Zeit, ein ruhiges Plätzchen für die Nacht zu suchen, welches wir schliesslich auf gut 3800 MüM nahe eines plätschernden Gletscherbaches fanden. Unsere nächste Tagesetappe überraschte etwas, weil auf der Karte nicht ersichtlich, mit einem Pass. Ganze fünfeinhalb Stunden benötigten wir für die 17 Kilometer und 900 Höhenmeter zum, auf stolzen 4767MüM gelegenen, Pass „Portachuelo de Llanganuco“. Dabei wurde das Panorama bei jeder der gefühlten 30 Kehren noch grandioser, der lose Schotter noch tiefer und das Anfahren noch schwieriger wurde. Dann, wenige Kehren von der Passhöhe entfernt, ein Schreckensmoment! Dem plötzlichen Frontalangriff einer Kuh mit gesenkten Hörnern, konnte Robin durch lautes Brüllen gerade noch im letzten Moment entkommen (und vor allem auf den letzten Metern). Waren die Lenkerhörnchen etwas gar provokativ montiert?

Alpamayo über der Laguna Llanganuco

Nevado Alpamayo (5947m) über der Laguna Llanganuco

Laguna Llanganuco

Laguna Llanganuco

erkämpfte Höhenmeter

erkämpfte Höhenmeter, Werk eines Morgens

Passhöhe!

Passhöhe!

vertausendsiebenhundertsiebenundsechzig!

viertausendsiebenhundertsiebenundsechzig!

Abfahrt vom Portachuelo

Abfahrt vom Portachuelo

Nach euphorischen Momenten auf der Passhöhe, freuten wir uns auf die erhoffte Abfahrt ins 30 Kilometer entfernte Dorf Yanamá….die Freude wich dann jedoch ziemlich schnell ziemlicher Frustration! Die „Strasse“ war ebenso holprig wie der Aufstieg – genau, darum hatten wir 5 1/2 Stunden für bloss 17 Km gebraucht! Bei dermassen vielen Steinbrocken in allen Grössen und Formen kamen wir abwärts kaum schneller voran als aufwärts, dies auch aus Rücksicht (oder Weitsicht?) auf unsere schwer bepackten Räder und Angst vor Speichenbrüchen. Dieser Strassenzustand sollte uns über die nächsten zwei Tage be(un)glücken und an den Rand der Verzweiflung treiben.

Schafe statt Lamas

Schafe statt Lamas

scheue Aufmerksamkeit

scheue Aufmerksamkeit

in eisigen Höhen

in eisigen Höhen

Chacas

Chacas

Der vierte und letzte Tag unserer „Tour de Cordiellera Blanca“ forderte uns nochmals mit einem Pass. Diesmal wieder auf Asphalt, flitzten wir die 30 Kilometer und 1378m Höhendifferenz zur „Punta Olimpica“ auf 4738 MüM in vier Stunden hinauf. Die fünfzig Kilometer lange Abfahrt auf der anderen Seite war wie Balsam für unsere durchgeschüttelten Seelen und wir erreichten das, auf rund 2500 MüM gelegene Städtchen Carhuaz (und damit die Talsohle des Tales, aus dem wir gestartet waren) bereits um vier Uhr Nachmittags.

Blick nach vorne

noch mehr Gletscher

Eismassen in Sicht

Eismassen in Sicht

Bereit für 50 Km Abfahrt!

Bereit für 50 Km Abfahrt!

Abfahrt von der Punta Olimpica, 4736 Meter

Abfahrt von der Punta Olimpica, 4736 Meter

Blick zurück nach oben - Huaraz wir kommen

Blick zurück nach oben – Huaraz wir kommen

Jetzt trennten uns noch 34 Kilometer Hauptstrasse, die wir am folgenden Tag noch hinter uns brachten, von Huaraz und damit von ein paar Tagen Pause. Unsere Hintern werden es uns danken!

….jetzt fehlt noch die Galerie mit obigen Fotos und noch mehr: