Argentiniens Ruta 40 | von Hitze, Pisten & Asphalt

1’421 Kilometer

30 Tage, davon 10 Tage nicht im Sattel

4’966 MüM Maximalhöhe

Ups & Downs

Abra del Acay (4’966 MüM) – noch ein Pass
Grido – Eiscreme motiviert
Argentinos – freundliche Menschen
Ruta 40 -brütende Hitze & endlose Geraden
Material – 1 gespaltene, durchgebremste Felgen
die Siesta – ein Land steht still

Route: San Antonio de los Cobres – Abra del Acay (4’966 MüM) – Cachi – Molinos – Angastaco – Cafayate – Cafayate – Santa Maria – Belén – Andolucas – Chilecito – Villa Unión – Huaco – San José de Jáchal – Rodeo – Iglesia – Bella Vista – Tocota – Villa Nueva – Calingasta – Barreal – Uspallata – las Cuevas – Tunel Cristo Redentor – Los Libertadores (Grenze Chile)– Los Andes – Calle Larga – Santiago de Chile (via Autopista 57)

ARGENTINIENS ‚RUTA 40‘

Gerne wären wir auch weiterhin über die Puna geholpert, entschieden uns aber aufgrund der prekären Situation mit unseren (beinahe) durchgebremsten Felgen für die ‚Ruta 40‘ – oder einfach ‚la Cuarenta‘.

Obwohl wir eigentlich einen Bogen um Pässe machen wollten, konnten wir es doch nicht sein lassen. Nach zwei Ruhetagen in San Antonio de los Cobres (3’760 MüM) nahmen wir den ‚Abra del Acay‘, Argentiniens höchsten Pass (offiziell 4’601 MüM, inoffiziell 4’966 MüM), in Angriff und trafen schon wenige Kilometer ausserhalb San Antonios auf die ‚Cuarenta‘, die die nächsten knapp 300 km ungeteert und somit beinahe verkehrsfrei.

erste Meter auf der Ruta 40

Erste Meter auf der Ruta 40, der Aufstieg begann…

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…forderte seine Pausen…

kurvenreicher Weg zum Abra del Acay

…hatte seine Kurven….

letzte Meter, die Luft wird dünner

…und während die Luft dünner und die Wolken dunkler wurden, kamen wir der Passhöhe näher.

Abra de Acay, Argentiniens höchster Pass

…bis es nicht mehr höher ging: Abra del Acay, mit 4’966 MüM Argentiniens höchster Pass

Nach einem Aufstieg über 32 km und 1’200 Höhenmeter wurden wir auf der Passhöhe von einem eiskalten Wind empfangen. Mit einer anfangs sehr steilen, sehr langen und sehr holprigen Abfahrt durch das atemberaubend vielfältige Valle de Calchaquis verloren wir in 169 km über 3’000. Dank unanständig vielen Gegensteigungen kamen wir über diese Distanz aber trotzdem auf fast ebensoviele erfahrene Höhenmeter und durchquerten entsprechend viele Vegetationsstufen. Aus felsig-karg auf der Passhöhe wurde bald felsig-bunt, dann staubig-wildwest und schliesslich sandig-weinbergig. Die wärmeren – sprich heissen – Temperaturen waren nur ein Vorgeschmack auf die nächsten Wochen.

erste holprige Meter in der Abfahrt

Hinter der Passhöhe dann eine andere Welt…

noch hoch über der Baumgrenze

…und immer noch hoch über der Baumgrenze…

Kurve um Kurve um Kurve, dazwischen sind Flüsse zu überqueren

…ging es Kurve um Kurve um Kurve hinab und wir entschieden uns nach einer Stunde, in den Mauern eines verfallenen Hauses Zuflucht zu suchen.

bereits 2'000 m tiefer - langsam wird es grün und heiss

Am nächsten Morgen – bereits 2’000 m tiefer und nachdem wir durch eiskalte Flüsse gewatet waren – wurde es immer grüner und heisser.

spendet uns Schatten

Erste Dörfer mit Kolonial angehauchtem Flair erwarteten uns…

erste Sichtung der berühmten argentinischen Steaks

..und wir konnten die erste Sichtung berühmter argentinischer Steaks verzeichnen.

wildwest al argentino

Wildwest-Atmosphäre

Kampf gegen die Hitze

Und der Kampf gegen die Hitze begann!

Die oft rauen Verhältnisse der ‚Cuarenta‘ und stark schwankenden Temperaturunterschiede setzten unserem ohnehin angeschlagenen Material zu. Robins Hinterradfelge war das erste Opfer und begann sich am zweiten Tag (bei Cachi) in der Mitte zu spalten. So angeschlagen erreichten wir nochmals drei Tage später die Weinregion um Cafayate. Für Wein blieb leider wenig Zeit.

Aufstehen wird mit kühleren Temperaturen belohnt

Aufstehen wurde mit kühleren Temperaturen…

Felsen, Flüsse und die Kordillera

…und guten Aussichten belohnt.

Papageien. Sie fliegen in Schwärmen und machen Radau

Papageien fliegen und lärmen in Schwärmen.

Stunde um Stunde folgt Hügel auf Hügel

Stunde um Stunde folgte Hügel auf Hügel…

...noch eine Felskamm

…Felskamm auf Felskamm…

und noch einer...

…auf Felskamm…

...auf Felskamm.

…auf Felskamm.

Auf der Suche nach passenden Felgen waren wir bereits in Chile von San Pedro mit dem Bus in die 100 Km entfernte Stadt Calama gefahren, bloss um uns relativ unfreundlich sagen zu lassen, dass Felgen dieser Dimensionen (26″ / 32 Loch / V-Brake) hier nicht aufzutreiben wären. Diesmal fuhren wir mit dem Bus in die knapp 200 km entfernte Stadt Salta. fanden wenigstens eine passende Felge und bekamen diese auch ins mitgebrachte Vorderrad eingebaut. Nach unserer Rückkehr nach Cafayate stellten wir aber fest, dass die Felge so schlecht eingespeicht war, dass sie dauernd an der Bremse anstand. Also folgte der erste von vielen Gängen zum freundlichen lokalen Radflicker Elio.

Nach einer geschlagenen Woche verliessen wir Cafayate etwas frustriert mit einem neuen, guten Hinterrad und zwei schnittigen, schlecht passenden Vorderrädern vom Typ ‚Houston 502‘. Aber Houston, we have a Problem! Die Felgen waren instabil und unsere Speichen eigentlich zu lange dafür. So sahen wir von weiteren Umwegen ins raue Gelände (meist) ab und nahmen möglichst schnell die gut 1’300 km nach Santiago de Chile im Angriff.

schönes exemplar einer argentinischen Geraden

Nach Cafayate war die Ruta 40 (hier bei Belén) geteert und die Landschaft weniger spektakulär.

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Die Strasse war oft gerade…

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…stundenlang gerade…

Die 40 war oft gerade, aber selten flach...

…manchmal auch sandig…

...aber selten flach.

…aber selten flach.

Der Weg dorthin war lange und, solange wir der Cuarenta folgten, wenig abwechslungsreich. Eine endlose Gerade löste nach einer Stunde oder drei die nächste ab, auf die irgendwann wieder eine Andere folgte. Gegen 10 Uhr wurde es heiss und mit der Hitze setzte ein Gegenwind ein, der einem spätestens um 13 Uhr bei geöffnetem Mund den Kopf von innen zu rösten drohte. Dies war das Signal, um unter einer der wenigen, schattenspendenden Akazien eine Mittagspause einzulegen, im Anschluss in ein einstündiges Hitzekoma zu fallen und sich anschliessend nochmals ein paar Stunden im Fahrt- und Gegenwind braten zu lassen.

Ruta 40, oft nicht so idyllisch wie ihr Name vermuten lässt

Oft nicht ganz so idyllisch wie ihr, durch Che Guevaras ‚Motorcycle Diaries‘ zu Ruhm gekommener, Name vermuten lässt…

...dafür umso heisser!

…wurde die Ruta 40 Mittags zum Ofen.

...aber ob diese Messung wirklich stimmt?!

…die oft unerträglich drückend war. Aber ob das Thermometer hier nach der Mittagspause nicht etwas übertrieb?

auch andere suchen Schattenplätze

Aber auch abgesehen von Zahlen: Es war heiss!

So fielen wir in einen Rhythmus von durchschnittlich 110 Tageskilometern. Genau richtig, um Nachmittags in einem kleinen Nest anzukommen und bei ‚Grido‘, der weitverbreiteten Eiscremekette unseres Vertrauens, etwas abzukühlen.

Siesta aber Durst? ...manchmal hat man Glück und findet einen geöffneten 'Kiosko'

Siesta aber Durst? …manchmal hat man Glück und findet einen geöffneten ‚Kiosko‘

Grido rettet Leben

Oder sogar eine Filiale von ‚Grido Helados‘. Diese können vielleicht keine Leben retten, sicher aber den Tag.

macht keine Siesta, wie die Kleinstadt Chilecito zu seinen Füssen

Bloss einer machte keine Siesta, während die Kleinstadt Chilecito zu seinen Füssen ruhte.

Auch andere beschützen in kleinen Altaren am Strassenrand den Reisenden. Allen voran 'Gauchito Antonio Gil'

Aber auch andere beschützen in kleinen Altaren am Strassenrand den Reisenden…

...allen voran Argentiniens Robin Hood, 'Gauchito Gil'...

…allen voran Argentiniens Robin Hood, ‚Gauchito Gil’…

...dicht gefolgt vom Schutzheiligen der Reisenden, 'San Expedito', und 'Correa Difunta', einer Sagengestalt, zu deren Ehre Wasserflaschen deponiert werden.

…dicht gefolgt vom Schutzheiligen der Reisenden, ‚San Expedito‘, und ‚Difunta Correa‘, einer Sagengestalt, zu deren Ehre Wasserflaschen für durstige Reisende hinterlassen werden.

Diese Beschützer braucht es auch, denn es lauert Gefahr!

Diese Beschützer braucht es auch…

...denn es lauert Gefahr!

…denn es lauerten Gefahren!

Etwas anderes wäre uns auch nicht übrig geblieben, da in diesem Teil Argentiniens die Siesta sehr ernst genommen wird. Von 13 Uhr bis 18 Uhr (oft aber auch 19 oder 20 Uhr!) geht gar nichts. Alle Geschäfte schliessen (ausser Helado Grido) und es kommt zum Stillstand….aus dem sich manche im Laufe des Abends wieder hochrappeln, um etwa nach Mitternacht auf öffentlichen Campingplätzen zu Grillen, saufen, Fussball zu spielen, oder einfach nur im eigenen Auto zu sitzen und bis morgens um drei in Clublautstärke Musik zu hören. Unsere Dankbarkeit für diese Form der Freiheit hielt sich in Grenzen.

Camping Municipal, Angastaco, wo gerade die Weihnachtsfeier des Gemeindewerkhofs stattfand

Bei San José de Jachal verliessen wir die Ruta 40. Parallel verlaufende Strassen zwischen der Cordilliera und der Pre-Cordillera versprachen Ripio (Schotter) und weniger Verkehr, besonders aber auch kühlere Temperaturen und mehr Abwechslung.

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Endlich Abwechslung…

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…Wasser…

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Wir wurden wiederholt gewarnt, dass dort grausige Aufstiege und Endloses Leiden auf uns warten würden. Die Aufstiege waren meist knapp steiler als Flach, belohnten dafür aber mit kurvigen Strassen und einem abwechslungsreich-bergigen Panorama. So etwas abgelenkt erreichten wir Uspallata und damit die Haupttransitstrecke zwischen Argentinien und Chile.

Sobald wir die Ruta 40 verlassen haben warten Stauseen...

Abseits der Ruta 40 warteten Stauseen…

...weite Täler...

…weite Täler…

...Blick auf die Cordillera...

…dunkle Wolken…

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…Blicke auf die Cordillera…

...und viel 'Ripio' (Schotter) auf uns.

…und viel ‚Ripio‘ (Schotter) auf uns.

Aber weiterhin folgt Gerade...

Aber weiterhin folgte Gerade…

...auf Gerade...

…auf Gerade…

....auf Gerade.

….auf Gerade.

Blumen...

Blumen…

...seltsame Tiere...

…seltsame Tiere…

...blühende Kakteen...

…blühende Kakteen, gross…

...und klein...

…und klein…

...Glücksbringer...

…Glücksbringer…

...und sogar das Croc-Muster unserer Füsse hielten uns bei Laune.

…und sogar das Croc-Muster unserer Füsse hielten uns bei Laune.

Wir sind jedoch nicht immer die einzigen Radfahrer

Und manchmal hatten wir auch Gesellschaft.

Der Verkehr war allerdings weniger stark als erwartet und die Lastwagen meist einigermassen rücksichtsvoll. Besonders aber waren die 90 km etwas über 1’000 Höhenmeter bis zum Tunnel eine Augenweide. Die Strasse schlängelte sich durch ein felsiges Tal, durch sommerlich verlassene Skigebiete und schliesslich vorbei am mächtigen Aconcagua, damit wenig unter 7’000 m der höchste Berg ausserhalb des Himalayas. Aber nicht nur die Schönheit der Natur, sondern vor allem der nachmittags aufkommende Gegenwind trieb uns fast die Tränen in die Augen. Letzterer wurde so stark, dass an fahren nicht mehr zu denken war und wir nur sechs Kilometer vor Erreichen des Tunnelportals bei einer Mine um ‚Windschatten-Asyl‘ ansuchen mussten. Dieses gewährte man uns freundlicherweise und liess uns hinter einem Container unser Zelt aufstellen. Die sechs Kilometer waren am nächsten Morgen im Nu bewältigt – am Vortag hätte dies noch zwei Stunden gedauert. Durch den Tunnel chauffierte uns wegen, mangelndem Seitenstreifen, ein Lieferwagen der Strassenbehörde.

sanfter Aufstieg in die Cordillera

Der Anstieg begann früh und sanft…

vorbei an Skiliften

…doch bereits um 11 Uhr schwankten die Sessel dieses Skilifts im starken Wind.

und dem mächtigen Aconcagua

Vorbei am mächtigen Aconcagua (6’962m)…

oft parallel zur ehemaligen Eisenbahnlinie über den Paso Bermejo

…oft parallel zur ehemaligen Eisenbahnlinie über den Paso Bermejo…

...erreichten wir den 'Tunel del Cristo Redentor'...

…erreichten wir den ‚Tunel del Cristo Redentor’…

...damit Chile...

…damit Chile…

...und passierten elegant die Lange Warteschlange vor dem Zoll.

…und passierten elegant die Lange Warteschlange vor dem Zoll.

Bei der Einreise nach Chile wurde unser Gepäck auf der Suche nach Fleisch, Früchten, Gemüse oder Kokain weder durchsucht, noch geröngt. Dafür fand ein Spürhund gefallen an Robins Vorderreifen…auf welchem noch der Morgenurin einer seiner Artgenossen trocknete. Problemlos liess man uns aber einreisen. Die 40 km lange Abfahrt nach Los Andes, der nächsten grösseren Stadt, versuchte uns ein zügiger Gegenwind zu vermiesen, was ihm aber nicht gelang.

In endlosen Kurven schlängelten wir uns talwärts...

In endlosen Kurven schlängelten wir uns talwärts…

...während sich andere noch aufwärts kämpften.

…während sich andere noch aufwärts kämpften.

Nach einer Nacht in einem Stundenhotel in Calle Larga (wir entschieden uns für den 12-Stunden Tarif), trennten uns noch … Kilometer von Santiago. Diese hatten es aber in sich, da sie aus Mangel an Alternativen, auf der Autobahn gefahren werden mussten. Nicht unsere erste Fahrt auf Autobahnen, aber trotzdem nicht angenehm. Als nach zehn Kilometern in einem kurvenreichen Aufstieg der Seitenstreifen immer schmaler wurde und schliesslich verschwand, wurde aus unangenehm sehr unangenehm. Der Berufsverkehr donnerte zweispurig an uns vorbei und uns wurde Angst und Bange. Deshalb beschlossen wir wenige Kilometer später, lieber gegen unsere Prinzipien zu verstossen und einen Bus zu nehmen, als stur zu bleiben und dann mit der Ambulanz zu reisen. Dies erwies sich jedoch als alles andere als einfach. In den drei Stunden Wartezeit an einer Bushaltestelle hielt ein Bus nach dem anderen – mitnehmen wollte uns jedoch keiner. Schliesslich beschlossen wir, der Autobahn noch eine Chance zu geben. Zum Glück, denn ab sofort fuhren wir auf einem breitem Pannenstreifen, wurden nochmals durch einen Tunnel chauffiert und der Verkehr war nun merklich schwächer. Auf unseren persönlichen Radstreifen, vorbei an unzähligen Radverbotsschildern, erreichten wir so bequem Chiles Hauptstadt Santiago.

Gratistransport durch einen Autobahntunnel durch die 'Vialidad' - trotz Radverbotsschildern

Gratistransport durch einen Autobahntunnel durch die ‚Vialidad‘ – trotz Radverbotsschildern

Und zum Schluss die GALERIE:

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