Südkorea | Küsten und Strände

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November 2017
8 Radtage, 4 Ruhetage in Busan
533 km, 100 % asphaltiert

Gangneung – endlich am Meer!
Häfen – Fischerdörfer & Industriestädte
Südkoreas Ostküste – Klippen, Strände, Fischerdörfer
Nächte – Strände, Parks & selten Motels
Busan – ein neuer Plan: Japan!

ROUTE GANGNEUNG – BUSAN | 533 km

Route Seoul - Busan

ROUTE Gangneung – Busan | Gangneung – Donghae – Samcheok – Uljin – Pyeonghae – Ulsan – Busan (mehr oder weniger dem ‚Ostküsten-Radweg‘ folgend) GPX-Datei und zoombare Detailkarte

GANZE ROUTE SÜDKOREA | SEOUL – GANGNEUNG – BUSAN (1113 km)

Route Gangneung - Busan

ROUTE SÜDKOREA | Seoul – Gangneung – Busan (1113 km) GPX-Datei und zoombare Detailkarte

Der ‚Ostküsten-Radweg‘ von Gangneung nach Busan

Nach zwei Wochen in den schönen, aber kalten koreanischen Bergen freuten wir uns auf etwas wärmere Temperaturen. Trotzdem wollten wir nach einem Nachmittag im Olympischen Dorf unser Zelt ein letztes Mal in den Bergen aufschlagen. Nach wenigen Kilometern erreichten wir die Passhöhe und konnten erste Blicke auf das „Japanische Meer“, das die Koreaner „Ostmeer“ oder „Koreanisches Meer“ nennen, geniessen. Die ausufernde Hafenstadt Gangneung erstreckte ihre Tentakel bis weit herauf in die Berge. Ehe wir uns versahen, waren wir in immer dichter besiedeltem Gebiet. Mehrere Versuche, einen geeigneten Campspot zu finden, schlugen fehl, plötzlich drängte die Zeit. Die Sonne verschwand am Horizont und kurz darauf war es stockdunkel – während wir immer noch einen Nachtplatz suchten. Schliesslich liess man uns im Garten einer ‘Golf-Driving Range’ campieren. Erleichtert stellten wir uns im nahen Restaurant mit Schweinekopfsuppe und -würsten einer letzten Herausforderung, bevor wir uns ins Zelt verkrochen.

Gangneung machte es uns nicht leicht. Bevor wir das Zentrum erreichten, verirrten wir uns auf eine Autobahn – im morgendlichen Berufsverkehr eine nicht eben entspannende Erfahrung. Doch nun waren wir wieder auf Stadt eingestellt und landeten vollbepackt im erwachenden Markt der Stadt. Auch unsere Neugierde erwachte. Während wir fasziniert die für uns doch recht ungewöhnliche Auswahl an Trockenfischen bestaunten, beguckten die Marktfrauen uns. Ein Geben und Nehmen also. Nach über einer Woche ohne feste Unterkunft befürchteten wir allerdings, in Sachen Duft mehr zu geben als zu nehmen. Wir gönnten uns ein Zimmer mit Meerblick und taten, was getan werden musste – wir duschten und schliefen.

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Auf dem Markt von Gangneung herrscht buntes Treiben. Fische warten, Frauen schauen und man verständigt sich mit Hand und Fuss.

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Grosse Fische hängen wie Drachen aufgespannt von der Decke …

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…. und kleinere Fische tragen Stützkorsette.

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Nach all den Fischen ist uns nach Strand. Gangneung hat ihn.

Ab Gangneung folgten wir dem Verlauf der Küste südwärts, mal direkt am Meer, dann wieder über tausendundeinen Hügel weiter landeinwärts. Durch ein mehr oder weniger zusammenhängendes Netz von Radwegen, nennen wir es den ‘Ostküsten-Radweg’, wurde uns die Navigation leicht gemacht. Wir brauchten bloss bunten Plaketten am Strassenrand oder einer gelben Linie am Boden zu folgen. Aber wehe dem, der ein Schild übersah! Täglich verfuhren wir uns und standen meist plötzlich vor für Radfahrer gesperrten Autobahnabschnitten oder -tunnels. Auch an den Toren eines Atomkraftwerks wurden wir zurückgewiesen.

Dasselbe geschah, als wir, wiederum unabsichtlich, am Tor eines Endlagers für radioaktive Abfälle bei Wolsong auftauchten. Unser eigener Abfall war zwar nicht radioaktiv, doch haben wollte ihn trotzdem keiner. Öffentliche Mülleimer waren in ganz Korea rar. Es blieb uns nichts anderes übrig, als bei Besuchen in ‘Convenience Stores’ nicht nur einzukaufen, sondern gleich auch noch unseren Müll zu entsorgen – in deren Abfalleimern, nicht zwischen den Regalen wohlgemerkt.

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Supermarktbesuche dauern oft lange und grenzen an Überforderung.

Die gut 500 Küstenkilometer zwischen den beiden Städten Gangneung und Busan waren geprägt von kleinen Fischerdörfern direkt am Meer. Nachts flackerte der Schein der Fischerboote vor der Küste. Und während wir tagsüber die oft unglaublich steilen (aber meist nur einige hundert Meter langen) Steigungen hochkeuchten, winkten uns tausende am Strassenrand zum Trocknen aufgehängte Fische und Tintenfische zu. Auch Senioren, die in kleinen Gruppen die Strassen und Plätze der Dörfer fegten, hatten ihren Spass an uns – oder genehmigten sich in den Pausen ein paar Schnäpschen. Die Nächte verbrachten wir, abgesehen von einer Nacht bei einem ‘Warmshowers’-Host, im Zelt. Wir fanden schöne Campspots direkt am Strand: Ob im Schutze eines Wäldchens, in kleinen Parks, neben der Wache der örtlichen Rettungsschwimmer oder am Fuss eines Leuchtturms. Die nächtlichen Temperaturen waren ein paar Grad wärmer als wenige Tage zuvor in den Bergen, doch der Wind trieb uns meist schnell ins Zelt.

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Selbst bei der Ankunft im Dunkeln erkennen wir die Exklusivität dieses Campspots sofort und gestalten ihn zum Schlafplatz um.

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Während wir unsere Tage im Sattel verbringen, hängen andere am Strand ab.

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Strandcamping zwischen Hafenbecken und Küstenstrasse, mit den örtlichen Rettungsschwimmern als Nachbarn.

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Künstlich angelegte Wellenbrecher, vor Ort aus Beton gegossen, sind bei Fischern sehr beliebt.

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Während nachts die Lichter der Fischerboote vor der Küste schaukeln, bietet uns das Wäldchen direkt am Strand Schutz vor Wind, Kälte und neugierigen Blicken.

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Fischereihäfen zieren die Küste. In manchen geht es gemächlich zu …

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… andere erfreuen sich grösster Beliebtheit.

Im Gegensatz zur Mongolei schienen wir nicht vom Fleck zu kommen, Tagesleistungen über 80 km waren selten. Denn es war nicht einfach. Direkt am Wegrand wollten eindrückliche Tempel besucht und deren farbenprächtige Malereien erkundet sein. Strandpromenaden luden zum Flanieren mit Sack und Pack. Überall riefen uns nun öffentliche Toiletten zur täglichen Katzenwäsche. Dies waren wir unserem Gastland schuldig! Darüber hinaus lockten ‘Convenience Stores’ ganztags mit Tischen in der Sonne, Kaffee, süssen ‘Mooncakes’ und mittags leckeren Fertigmenüs. Bei dieser Gelegenheit gönnten wir jeweils Zelt und Schlafsäcken eine trocknende Dosis Sonnenstrahlen gegen das temperaturbedingte nächtliche Kondenswasser.

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Sonnenstund hat Gold im Mund – und trocknet unsere Schlafsäcke vor einem ‘CU’ Convenience Store. Wir schlürfen genüsslich Kaffee und üben uns in Geduld.

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Mikrowellen-Menüs à la Koreana – Not the real thing, aber lecker, schnell und überall zu haben. Vorteil im Vergleich zu anderen Restaurants: Man weiss, was man bekommt.

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Unverhofft locken uns Tempel aus den Sätteln. Hier der berühmte buddhistische ‚Haedong Younggungsa‘ Tempel, der sich bei Busan an die Klippen klammert. Seine Anfänge reichen ins Jahr 1376 zurück.

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Wir verlieren uns in den Details, ob in Tempeln ….

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… oder auf Fahrradbrücken.

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Katzenwäsche: Morgens um 10 Uhr erwarten uns an der Hafenpromenade von Pohang frisch geputzte Toiletten.

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Doch Pohang hat weit mehr zu bieten als saubere öffentliche Toiletten!

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Kunst im Hafen zum Beispiel.

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Pausenplätze versuchen sich gegenseitig zu überbieten.

Je weiter südlich wir entlang der koreanischen Küste kamen, umso öfter durchquerten wir Hafenstädte. Industriegebiete zogen sich endlos hin. Hyundai produziert dort Schiffe, und am Strassenrand bewerben Poster die Umweltfreundlichkeit der hier allgegenwärtigen Stahlindustrie. Stadtgrenzen waren plötzlich fliessend, nur der Verkehr nicht immer. Dass dies auch auf Radwegen vorkommt, erfuhren wir vor Ulsan. Unverhofft – und völlig unvorbereitet – fanden wir uns von einem Moment auf den anderen in einem dichten Strom von Radfahrern, der uns das Fürchten lehrte. Schichtwechsel im nahen Hyundai-Werk, Fahrrad-Rushhour!

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Viele kleine Hyundais, bereit die Welt zu erobern.

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Industrie ist Trumpf und vielerorts nicht zu übersehen.

Nach 8 Tagen erreichten wir schliesslich Busan, unser Ziel am südöstlichen Ende der Koreanischen Halbinsel. Die mit über 3 Mio. Einwohnern zweitgrösste Stadt Südkoreas erstreckt sich über mehrere Buchten und krönt sich selbst mit einer grandiosen Skyline. Tagsüber glich sie einem geschäftigen Meer aus Hochhäusern, Brücken und Strassenschluchten direkt am Meer. Doch nachts verwandelte sie sich in einen pulsierenden Brei aus grellbunten LED- Lichtern, Märkten und Fischrestaurants. Pulsierend war dann auch die Deko des (Stunden-) Hotels, in welchem wir in Hafennähe Unterschlupf fanden. Diese in Südkorea ‘Motel’ genannten Herbergen trumpfen teils mit Themenzimmern auf und schlagen mit umgerechnet 25 bis 55 USD pro Nacht und Zimmer zu Buche. Die Stundentarife dürften billiger sein. Nach zwei Nächten im fluoreszierend bemalten und mit Ultraviolett-Licht ausgeleuchteten ‘Strand-Zimmer’ wechselten wir für zwei weitere Nächte samt Räder ins ‘Büro-Zimmer’. Dort räkelte sich die gemalte Sekretärin bereits an der Wand.

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Busan, Gross- und Hafenstadt, bietet Strände, Strassenschluchten und eine grandiose Skyline.

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Im Hafen von Busan treffen wir auf ‚Hulk‘ und kommen ungeschoren davon.

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Nächtlicher Blick über den Hafen von Busan.

Neben dem täglichen Stillen des für Pausentage üblichen Heisshungers beschäftigte uns etwas anderes. Wir hatten Busan an der Südostspitze Koreas erreicht. Und nun lag, nur 200 km oder 6 Fähr-Stunden entfernt, plötzlich Japan in Reichweite. Welch ein Zufall, dass im nahen internationalen Passagierhafen beinahe täglich Fähren eben dorthin in See stachen! Ursprünglich wollten wir die Küste und die Halbinseln südlich von Busan weiter erkunden und dann irgendwie den Bogen zurück nach Seoul schlagen. Doch Japan war zu nah, die Verlockung zu gross – ehe wir uns versahen, hatten wir Tickets nach Fukuoka gebucht. Zwei Mal mit der Fähre nach Japan und zurück, Holz- oder in diesem Fall Futon-Klasse.

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Nicht nur Schall und Rauch. Busans Buchten und Häfen sind durch eine Vielzahl von bunt beleuchteten Brücken verbunden.

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Mit bereits ausgestempelten Pässen und geröntgtem Gepäck an den Rädern irren wir durch die endlosen Gänge des Fährterminals im internationalen Hafen von Busan. Auf nach Japan!

Zum Schluss die Galerie:

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